KI-Arbeitsplatz

KI-Arbeitsplatz unter Zero Trust: Cloudflare bündelt Agenten, Governance und Analyse

KI-Arbeitsplatz unter Zero Trust: Cloudflare bündelt Agenten, Governance und Analyse

Cloudflare führt zwei engverzahnte neue Lösungen ein: CloudflareOS und Identity-Aware AI Gateway

KI soll Beschäftigte produktiver machen, ohne der IT die Kontrolle über Daten, Identitäten und Ausgaben zu entziehen. Cloudflare kombiniert dafür einen offenen KI-Arbeitsplatz mit neuen Funktionen zur identitätsbezogenen Überwachung des gesamten KI-Verkehrs. Unternehmen sollen dadurch interne Systeme sicher mit KI-Agenten verbinden und zugleich nachvollziehen können, wer welche Modelle wie nutzt.

Cloudflare erweitert seine KI-Strategie für Unternehmen um zwei eng miteinander verzahnte Komponenten. Mit Cloudflare OS stellt der Anbieter einen Open-Source-Arbeitsplatz bereit, über den Beschäftigte KI-gestützte Anwendungen, Agenten und automatisierte Workflows nutzen können. Parallel dazu soll ein Identity-Aware AI Gateway IT- und Sicherheitsteams detaillierte Einblicke in die Nutzung externer und interner KI-Modelle geben.

Damit adressiert Cloudflare ein Problem, das sich mit der schnellen Verbreitung generativer und agentenbasierter KI in Unternehmen verschärft: Mitarbeitende benötigen einfachen Zugang zu leistungsfähigen Werkzeugen, während Sicherheitsverantwortliche kontrollieren müssen, welche Daten an Modelle übertragen werden, welche Identitäten hinter den Anfragen stehen und welche Kosten dadurch entstehen.

Cloudflare OS soll diese bislang häufig getrennten Anforderungen auf einer gemeinsamen Plattform zusammenführen. Die Open-Source-Lösung läuft im Cloudflare-Konto des jeweiligen Unternehmens und verbindet KI-Werkzeuge mit internen Anwendungen, Dokumenten und Geschäftsprozessen. Nach Angaben des Anbieters basiert die Plattform auf einem System, das Cloudflare ursprünglich für die eigene globale Belegschaft entwickelt hat.

KI kennt die internen Abläufe des Unternehmens

Viele allgemein verfügbare KI-Werkzeuge besitzen zwar umfangreiches Wissen, kennen jedoch weder die internen Systeme eines Unternehmens noch dessen Genehmigungsprozesse, Rollenmodelle oder Arbeitsabläufe. Beschäftigte müssen deshalb bei jeder Sitzung erneut Kontext bereitstellen oder greifen auf nicht freigegebene Lösungen zurück.

Cloudflare OS verfolgt einen anderen Ansatz. Unternehmenswissen, interne Prozesse und Systemverbindungen sollen einmalig in einer Form hinterlegt werden, auf die KI-Agenten anschließend kontrolliert zugreifen können. Beschäftigte erhalten damit einen browserbasierten Arbeitsplatz, über den sie Recherchen durchführen, Dokumente mit aktuellen Unternehmensdaten erstellen oder wiederkehrende Aufgaben automatisieren können.

Die Plattform setzt nach Angaben von Cloudflare keine Entwicklerkenntnisse voraus. Ergebnisse lassen sich zudem in Anwendungen überführen, die mit einer eigenen isolierten Datenbank, Echtzeitfunktionen und individuellen Zugriffskontrollen ausgestattet werden können.

Damit will Cloudflare nicht nur die Nutzung bestehender KI-Werkzeuge erleichtern. Mitarbeitende sollen auch eigene Anwendungen und automatisierte Abläufe erstellen und innerhalb des Unternehmens teilen können.

Zero Trust für KI-Agenten und interne Systeme

Der Zugriff auf Unternehmensressourcen wird über Cloudflare Access abgesichert. Jeder Nutzer und jede einzelne Anfrage sollen überprüft werden, bevor ein Zugriff auf Anwendungen oder Daten erfolgt.

KI-Agenten erhalten standardmäßig keine Berechtigungen. Zugriffe werden gezielt für die jeweilige Aufgabe vergeben. Sogenannte Gatekeeper-Verbindungen sollen den Verantwortlichen interner Systeme zusätzlich die Möglichkeit geben, festzulegen, welche Informationen ein Agent lesen oder verändern darf und wann vor einer Aktion eine menschliche Freigabe erforderlich ist.

Der Ansatz folgt damit dem Least-Privilege-Prinzip. Agenten sollen nur die Berechtigungen erhalten, die sie für einen konkreten Prozess tatsächlich benötigen. Dies ist insbesondere relevant, wenn KI-Systeme nicht mehr nur Informationen erzeugen, sondern eigenständig Aktionen in Anwendungen und Geschäftsprozessen ausführen.

Cloudflare OS ist nach Angaben des Anbieters modellunabhängig. Über das AI Gateway können Unternehmen unterschiedliche KI-Anbieter einbinden und Modelle je nach Aufgabe, Leistungsanforderung oder Kostenstruktur auswählen.

Identity-Aware AI Gateway ordnet jede Anfrage einer Identität zu

Während Cloudflare OS den Arbeitsplatz und die internen Abläufe bereitstellt, soll das Identity-Aware AI Gateway für Transparenz über die eigentliche KI-Nutzung sorgen.

Durch die Verbindung von Cloudflare Access und AI Gateway wird jede Anfrage an ein KI-Modell einer verifizierten Identität zugeordnet. Dabei kann es sich sowohl um einen Beschäftigten als auch um einen automatisierten Agenten oder ein anderes technisches System handeln.

Unternehmen sollen dadurch nachvollziehen können, wer eine Anfrage gesendet hat, welches Modell verwendet wurde und welche Kosten entstanden sind. Gleichzeitig lassen sich Ausgabelimits für einzelne Nutzer, Teams oder Anwendungen festlegen.

Diese Zuordnung ist insbesondere dort relevant, wo mehrere Anwendungen bislang gemeinsame API-Schlüssel verwenden. In solchen Umgebungen lässt sich häufig nur schwer feststellen, welche Person oder welches System eine konkrete Anfrage ausgelöst hat.

Durch die identitätsbezogene Protokollierung können bestehende Zugriffsrichtlinien auch auf KI-Dienste übertragen werden. Benutzeridentität und Gerätestatus werden geprüft, bevor eine Anfrage an einen Modellanbieter weitergeleitet wird.

User Insights erkennt ungewöhnliches KI-Verhalten

Ergänzt wird das Gateway durch die Funktion User Insights. Sie analysiert, wie einzelne Nutzer und automatisierte Systeme KI-Dienste gewöhnlich verwenden, und erstellt daraus ein individuelles Nutzungsprofil.

Weicht die aktuelle Aktivität deutlich vom bisherigen Verhalten ab, kann das System die IT-Abteilung informieren. Ein Warnsignal wäre beispielsweise ein plötzlich stark ansteigendes Anfragevolumen oder eine ungewöhnlich hohe Nutzung kostspieliger Modelle.

Die Analyse soll auch wirtschaftliche Ineffizienzen aufdecken. Nutzt ein Beschäftigter ein besonders leistungsfähiges Modell für einfache Aufgaben, die ebenso von einem kleineren und günstigeren Modell erledigt werden könnten, kann die IT entsprechende Optimierungsmöglichkeiten erkennen.

Cloudflare reagiert damit auf einen Effekt, der in vielen Unternehmen bislang nur schwer transparent wird. Obwohl einzelne KI-Anfragen günstiger werden, kann die Gesamtrechnung durch die steigende Zahl menschlicher und automatisierter Anfragen trotzdem erheblich wachsen.

Schutz vor unkontrolliertem Datenabfluss

Neben den Kosten rückt vor allem der Schutz sensibler Daten in den Mittelpunkt. Beschäftigte können unbeabsichtigt Namen, Passwörter, interne Dateien oder vertrauliche Geschäftsinformationen an externe KI-Anbieter übermitteln.

Das AI Gateway soll solche Inhalte erkennen und über automatische Filter entfernen, bevor sie das Unternehmen verlassen. Gleichzeitig können Unternehmen risikobehaftete Anfragen kennzeichnen und den gesamten KI-Verkehr zentral überwachen.

Anstatt jeden Modellanbieter und jedes einzelne Werkzeug separat zu verwalten, werden die Anfragen über einen gemeinsamen Kontrollpunkt geleitet. Dort lassen sich unter anderem Durchsatzbegrenzungen einsetzen, wiederkehrende Anfragen zwischenspeichern und übermäßige Nutzung einschränken.

Dieser zentrale Ansatz soll verhindern, dass Sicherheits- und Compliance-Teams erst nach einem Datenabfluss oder einer überraschend hohen Rechnung reagieren können.

Governance darf Innovation nicht blockieren

Cloudflare positioniert die neuen Funktionen als Alternative zu einer restriktiven KI-Strategie, bei der Unternehmen aus Sorge vor Datenverlusten oder unkontrollierten Kosten den Zugang zu KI-Werkzeugen umfassend begrenzen.

„Wenn Sicherheitsvorkehrungen umständlich sind, werden sie zu einer innovationshemmenden Hürde“, erklärt Dane Knecht, CTO von Cloudflare. Durch die Verbindung von Zugangskontrollen und AI Gateway sollen Beschäftigte mit unterschiedlichen KI-Modellen arbeiten können, während die IT Echtzeittransparenz, Leitplanken und Budgetkontrollen erhält.

Cloudflare-CEO Matthew Prince sieht in der Integration von KI in die tatsächlichen Arbeitsabläufe eine Voraussetzung für eine breite Nutzung. KI dürfe weder isoliert betrieben noch ausschließlich über Entwicklerteams bereitgestellt werden. Sicherheitsfunktionen müssten von Anfang an Bestandteil der Plattform sein und dürften nicht nachträglich ergänzt werden.

Open-Source-Plattform ohne Bindung an ein einzelnes Modell

Cloudflare OS wird als Open-Source-Software bereitgestellt und läuft im Cloudflare-Konto des jeweiligen Unternehmens. Prozesse, Anwendungen und interne Systemverbindungen sollen dadurch nicht ausschließlich in einem geschlossenen Produkt des Anbieters verbleiben.

Die Plattform ist bereits über ein öffentliches Open-Source-Repository verfügbar. Eine verwaltete Bereitstellungsoption über das Cloudflare-Dashboard soll folgen. Für komplexe Unternehmensumgebungen arbeitet Cloudflare zudem mit Implementierungspartnern zusammen, darunter Presidio und Happy Cog.

Mit der Kombination aus Cloudflare OS, AI Gateway, Access und User Insights entsteht damit ein integrierter Ansatz für die Nutzung agentenbasierter KI im Unternehmen. Beschäftigte erhalten einen zentralen KI-Arbeitsplatz, während IT- und Security-Teams Identitäten, Berechtigungen, Datenflüsse und Kosten über eine gemeinsame Kontrollschicht steuern können.

Entscheidend für den praktischen Nutzen wird jedoch sein, wie einfach sich bestehende Unternehmensanwendungen, Identitätsanbieter und Datenquellen tatsächlich anbinden lassen. Denn auch eine offene Plattform entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie sich ohne übermäßigen Integrationsaufwand in gewachsene IT- und Governance-Strukturen einfügt.