Alarmflut

SANS SOC-Survey 2026 zeigt mangelnde Transparenz im Security Operation Center

SANS SOC-Survey 2026 zeigt mangelnde Transparenz im Security Operation Center

Warum fehlende Transparenz zur größten Gefahr für Security Operations wird

Cyberangriffe werden schneller, Alarme lauter und SOC-Teams stärker belastet. Doch der eigentliche Gamechanger liegt nicht in noch mehr Tools, sondern in besserer Transparenz. Der neue SOC-Survey 2026 des SANS Institute zeigt: Viele Sicherheitszentren scheitern nicht an fehlender Technologie, sondern daran, dass Daten, Teams und Prioritäten nicht zusammenfinden.

Fehlende Transparenz entwickelt sich laut der aktuellen SOC-Umfrage 2026 des SANS Institute zu einem der größten Bremsfaktoren für effektive Security Operations Center. Für Sicherheitsanalysten zeigt sich das Problem im Alltag vor allem durch eine Flut kontextarmer Alarme. Für Führungskräfte ist es inzwischen ein strategisches Risiko: 24 Prozent der befragten Cybersecurity-Verantwortlichen nennen mangelnde Transparenz als größtes Hindernis für einen wirksamen Sicherheitsbetrieb – noch vor Personalmangel und Lücken bei der Automatisierung.

Die 10. Ausgabe des SANS SOC Survey basiert auf den Antworten von 444 Fachleuten aus Security Operations weltweit. Ergänzt wurde die Studie durch eine parallele Befragung von 69 CISOs und leitenden Sicherheitsverantwortlichen. Das Ergebnis: Die meisten Unternehmen verfügen zwar über zahlreiche Security-Tools, können diese aber häufig nicht so integrieren, dass ein gemeinsames Lagebild entsteht.

„Transparenz taucht in dieser Umfrage immer wieder auf, weil es wirklich schwer ist, dieses Problem zu beheben. Die meisten Organisationen verfügen über die Tools. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, damit ein einheitliches Bild über Teams hinweg zu schaffen, die keine gemeinsamen Prioritäten haben“, sagt Christopher Crowley, SANS Senior Instructor und seit zehn Jahren Autor der SOC-Umfrage.

Security Operations: Viele Tools, aber kein gemeinsames Lagebild

Für moderne SOCs ist Transparenz längst mehr als ein technisches Detail. Sie entscheidet darüber, ob Analysten echte Bedrohungen schnell erkennen, Alarme korrekt priorisieren und Vorfälle effizient untersuchen können. Wenn Informationen aus SIEM, EDR, Cloud-Security, Threat Intelligence und weiteren Plattformen nicht zusammenlaufen, entsteht ein gefährlicher blinder Fleck.

Genau hier sieht der SANS Survey 2026 eines der zentralen Probleme: Unternehmen investieren in Technologien, schaffen aber nicht immer die organisatorischen und technischen Voraussetzungen, um diese Werkzeuge sinnvoll miteinander zu verbinden. Das führt zu Reibungsverlusten, längeren Reaktionszeiten und höherem Druck auf die SOC-Teams.

Deutliche Wahrnehmungslücke zwischen Führung und SOC-Teams

Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen Management und operativen Sicherheitsteams. 59 Prozent der Cyber-Führungskräfte geben an, dass das Management den Personalbedarf des SOCs bei Einstellung und Bindung von Mitarbeitenden genau im Blick habe. Unter den Fachleuten aus der Praxis stimmen dem jedoch nur 32 Prozent zu.

Diese Differenz von 27 Prozentpunkten besteht laut SANS jedes Jahr, seit diese Frage gestellt wird. Die Studie macht damit deutlich: Entscheidungen über Personal, Budget und Prioritäten werden häufig von Führungskräften getroffen, während die operative Realität der Analysten nicht ausreichend in diese Entscheidungen einfließt.

Threat Intelligence wird genutzt – aber selten für Budgetentscheidungen

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft den Umgang mit Threat Intelligence. Laut Umfrage nutzen 74 Prozent der Cyber-Führungskräfte Bedrohungsinformationen für den Sicherheitsbetrieb und die Threat Hunting-Aktivitäten. Doch nur 26 Prozent verwenden diese Erkenntnisse auch als Grundlage für Budget- und Ausgabenentscheidungen.

Damit entsteht eine strategische Lücke: Die Informationen, die im Tagesgeschäft bestimmen, welche Bedrohungen Analysten priorisieren, fließen nur selten in die Finanzplanung für das kommende Quartal ein.

Christopher Crowley, zertifizierter SANS-Instruktor und Hauptautor der Studie
Christopher Crowley, zertifizierter SANS-Instruktor und Hauptautor der Studie

Für Unternehmen kann das bedeuten, dass Budgets nicht dort ankommen, wo die größten operativen Risiken liegen.

„Diese Muster sind nicht neu. Was diese Umfrage allerdings verändert, sind zehn Jahre Daten, die zeigen, dass sich daran nichts geändert hat. Die Unternehmen, die diese Lücke schließen, sind diejenigen, die sie als spezifische operative Probleme und nicht als allgemeine Managementherausforderungen behandeln“, fasst Christopher Crowley zusammen.

Fachkräfte bleiben der entscheidende Faktor im SOC

Auch beim Thema Personal zeigt die Studie eine klare Spannung zwischen Erkenntnis und Umsetzung. 75 Prozent der Cyber-Führungskräfte geben an, dass Technologie nur dann wirksam ist, wenn sie von qualifizierten Mitarbeitenden eingesetzt wird. Gleichzeitig nennen dieselben Verantwortlichen Personal als größte Einschränkung bei der Finanzierung von Cybersecurity-Prioritäten.

Die meisten Sicherheitsverantwortlichen wissen also, dass SOC-Teams der entscheidende Erfolgsfaktor sind. In vielen Organisationen wird dieses Wissen jedoch noch nicht konsequent in Budgetplanung, Personalstrategie und operative Prozesse übersetzt.

Fazit: SOC-Sicherheit braucht Transparenz, Integration und klare Prioritäten

Der SOC-Survey 2026 des SANS Institute zeigt: Die Zukunft leistungsfähiger Security Operations hängt nicht allein von mehr Automatisierung oder neuen Tools ab. Entscheidend ist, ob Unternehmen Transparenz über Systeme, Teams, Risiken und Prioritäten hinweg herstellen können.

Für CISOs, SOC-Leiter und Security-Teams bedeutet das: Wer Sicherheitsoperationen verbessern will, muss Alarmflut, Tool-Silos, Personallücken und Budgetentscheidungen gemeinsam betrachten. Erst wenn operative Erkenntnisse direkt in Managemententscheidungen einfließen, kann ein SOC schneller, präziser und widerstandsfähiger auf aktuelle Cyberbedrohungen reagieren.