Moderner Penetrationstests

Filigran erweitert OpenAEV v3 um dynamische Attack-Chaining-Funktion

Filigran erweitert OpenAEV v3 um dynamische Attack-Chaining-Funktion

Attack Chaining automatisiert Penetrationstests und Red-Teaming

Einzelne Schwachstellen sagen nur begrenzt aus, wie gefährlich eine IT-Umgebung tatsächlich ist. Entscheidend ist, ob sich mehrere Lücken, Fehlkonfigurationen und Berechtigungen zu einem durchgängigen Angriffspfad verbinden lassen. Genau hier setzt Filigran mit der neuen Attack-Chaining-Funktion in OpenAEV v3 an und automatisiert damit einen wesentlichen Teil moderner Penetrationstests und Red-Teaming-Szenarien.

Filigran erweitert seine Plattform OpenAEV um eine Engine zur dynamischen Validierung kompletter Angriffspfade. Statt einzelne Angriffstechniken isoliert zu testen, verarbeitet Attack Chaining die Ergebnisse jedes Schrittes als Grundlage für die nächste Aktion. Gefundene Zugangsdaten, offene Ports, Dateifreigaben, Tokens oder Berechtigungen können dadurch unmittelbar neue Angriffsschritte auslösen.

Die Funktion soll damit realistischer abbilden, wie Angreifer tatsächlich vorgehen. Auch reale Attacken basieren häufig nicht auf einer einzelnen kritischen Schwachstelle, sondern auf einer Abfolge zunächst unscheinbarer Zugriffsmöglichkeiten, Fehlkonfigurationen und Berechtigungen.

Von einzelnen Sicherheitslücken zum vollständigen Angriffspfad

Klassische Security-Validierung arbeitet häufig mit vordefinierten Testfällen. Sie kann feststellen, ob eine bestimmte Angriffstechnik funktioniert oder eine Sicherheitskontrolle greift. Was dabei jedoch oft fehlt, ist die dynamische Anpassung an Erkenntnisse, die während eines Angriffs entstehen.

Attack Chaining soll diese Lücke schließen. Jeder Befund wird strukturiert erfasst und von der Engine ausgewertet. Abhängig vom Ergebnis entscheidet das System, ob die Angriffskette fortgesetzt, verzweigt oder beendet wird.

Wird beispielsweise ein gültiger Zugang entdeckt, kann daraus automatisch der nächste Zugriff entstehen. Blockiert dagegen eine Sicherheitskontrolle den Angriff, kann die Simulation gestoppt oder auf einen alternativen Angriffspfad umgeleitet werden.

Damit verschiebt sich der Fokus von der Frage „Ist diese Schwachstelle ausnutzbar?“ hin zu einer für Unternehmen wesentlich relevanteren Fragestellung: „Wie weit könnte ein Angreifer mit den vorhandenen Schwachstellen tatsächlich kommen?“

Julien Richard, Mitbegründer von Filigran
Julien Richard, Mitbegründer von Filigran

„Die Sicherheitsvalidierung muss sich entsprechend der Vorgehensweise von Angreifern weiterentwickeln. Es reicht nicht mehr aus, nachzuweisen, dass wir einzelne Techniken blockieren können. Vielmehr müssen wir verstehen, ob sich diese Techniken zu einem Angriffspfad kombinieren lassen, der zu einer tatsächlichen Kompromittierung führt“, sagt Julien Richard, Mitbegründer von Filigran . „Da Angreifer immer anpassungsfähiger werden und zunehmend KI einsetzen, um schneller voranzukommen, brauchen wir eine Validierung, die damit Schritt halten kann. Attack Chaining bringt dieses Maß an Realismus und Anpassungsfähigkeit in die kontinuierliche Schwachstellenvalidierung ein und vermittelt Sicherheitsteams ein klareres Bild davon, über welche Widerstandsfähigkeit sie tatsächlich verfügen.“

Angriffspfade werden in Echtzeit sichtbar

Ein zentrales Element der neuen Funktion ist die grafische Darstellung des Angriffspfads. OpenAEV visualisiert während der laufenden Simulation, welche Schritte erfolgreich waren, welche Ergebnisse daraus entstanden und an welcher Stelle Schutzmaßnahmen den Angriff stoppen.

Dadurch entsteht kein lediglich nachträglicher Bericht, sondern ein fortlaufend aktualisiertes Bild des tatsächlichen Angriffspfads.

Für Sicherheitsteams kann diese Perspektive besonders hilfreich sein, weil sie sogenannte Choke Points oder Engpässe erkennen können. Dabei handelt es sich um jene Kontrollpunkte, deren Absicherung einen kompletten Angriffspfad unterbrechen würde.

Das verändert auch die Priorisierung. Statt jede einzelne Schwachstelle einer Angriffskette unabhängig voneinander zu behandeln, können Unternehmen gezielt diejenigen Sicherheitsmaßnahmen verbessern, die den größten Einfluss auf den gesamten Angriffspfad haben.

Bedingte Logik statt starrer Angriffsskripte

Die Angriffsketten lassen sich innerhalb von OpenAEV frei konfigurieren. Unternehmen können dafür bestehende Taktiken, Techniken und Prozeduren, Payloads, eigene Aktionen oder Inhalte aus Bibliotheken miteinander kombinieren.

Über Bedingungen lassen sich unterschiedliche Reaktionen definieren. Ist beispielsweise eine kompromittierte Zugangsinformation gültig, wird ein bestimmter Angriffsschritt ausgeführt. Scheitert dieser aufgrund einer Sicherheitskontrolle, kann die Simulation alternativ verzweigen oder beendet werden.

Damit passen sich Tests stärker an die reale Umgebung an, anstatt lediglich ein vorher festgelegtes Skript abzuarbeiten.

Gleichzeitig bleibt die Entscheidungslogik nachvollziehbar. Das ist gerade bei KI-gestützten Sicherheitswerkzeugen entscheidend, weil Unternehmen nicht nur wissen müssen, ob ein Angriff erfolgreich war, sondern auch nachvollziehen können müssen, warum das System bestimmte Schritte ausgeführt hat.

KI-Agenten übernehmen die Orchestrierung

Attack Chaining kann sowohl manuell als auch agentengesteuert betrieben werden. Im klassischen Modus definieren Sicherheitsteams die einzelnen Schritte und Bedingungen selbst. Dadurch bleiben Tests deterministisch und exakt reproduzierbar. Dieses Modell eignet sich insbesondere für gezielte Penetrationstests und die Validierung bestimmter Angriffspfade.

Im agentengesteuerten Modus genügt dagegen die Definition von Ziel und Umfang in natürlicher Sprache. Ein KI-Agent erstellt anschließend die Angriffskette, führt sie aus und passt sie anhand neuer Erkenntnisse dynamisch an.

Auch Social-Engineering-Komponenten können dabei einbezogen werden. Nach Angaben von Filigran kann der Agent beispielsweise Phishing-E-Mails und Landingpages generieren, wenn diese Teil eines Angriffsszenarios sind.

Damit bewegt sich die Plattform in Richtung autonomer Red-Teaming-Systeme, bei denen KI nicht lediglich einzelne Angriffsaktionen erzeugt, sondern zunehmend die gesamte Angriffskette orchestriert.

Automatisierung trifft auf ein strukturelles Problem

Der Bedarf an einer solchen Validierung ist durchaus nachvollziehbar. Laut dem von Filigran veröffentlichten „State of Threat Management “-Report haben 97 Prozent der befragten Unternehmen Schwierigkeiten festzustellen, ob erkannte Schwachstellen tatsächlich ausnutzbar sind.

Gleichzeitig setzen demnach 88 Prozent bei offensiven Angriffssimulationen weiterhin zumindest teilweise auf manuelle Prozesse. Grundlage der Untersuchung waren Angaben von 550 Sicherheitsverantwortlichen und Praktikern.

Gerade hier könnte die stärkere Automatisierung von Angriffspfaden relevant werden. Denn die Geschwindigkeit moderner Angriffe steht zunehmend im Widerspruch zu Prüfverfahren, bei denen Sicherheitsteams Szenarien manuell entwerfen, ausführen und anschließend auswerten müssen.

OpenAEV v3 erweitert die Exposure-Validierung

Attack Chaining ist Teil einer umfassenderen Überarbeitung von OpenAEV.

Mit Version 3 führt Filigran unter anderem ein neu gestaltetes „Adversarial Exposure Command Center“ ein. Das Dashboard bündelt Informationen zum Sicherheitsstatus, zu Simulationsergebnissen und zur Abdeckung der durchgeführten Tests.

Ein neuer „Adversarial Exposure Score“ soll darüber hinaus Ergebnisse unterschiedlicher Expositionsquellen in einer zentralen Kennzahl zusammenführen.

Hinzu kommen KI-basierte Red-Teaming-Injektoren. Sie sollen gezielte Angriffssimulationen gegen LLM-basierte Agenten und Chatbots ermöglichen. Dafür verwendet OpenAEV dieselbe Validierungs-Engine, die auch Schutzmechanismen wie EDR, SIEM oder E-Mail-Security-Systeme testet.

Aus den Simulationsergebnissen lassen sich außerdem automatisiert PDF-Berichte erstellen.

Sicherheitsvalidierung wird dynamischer

Mit Attack Chaining greift Filigran eine grundlegende Entwicklung im Security Testing auf. Die Aussagekraft einzelner Schwachstellen verliert an Bedeutung, wenn Angreifer mehrere scheinbar kleinere Schwächen automatisiert miteinander kombinieren können.

Für Security-Teams entsteht daraus eine neue Priorität: Nicht mehr allein die Anzahl erkannter Schwachstellen oder deren individueller Schweregrad entscheidet über das tatsächliche Risiko. Entscheidend ist, welche Kombinationen daraus entstehen können und ob sie einen realistischen Weg zu kritischen Systemen, privilegierten Konten oder sensiblen Daten eröffnen. Genau diese Angriffspfade kontinuierlich sichtbar und reproduzierbar zu machen, dürfte deshalb zu einem wichtigen Baustein moderner Exposure-Management- und Red-Teaming-Strategien werden. OpenAEV v3 steht ab sofort zur Verfügung. Attack Chaining ist Bestandteil der Enterprise Edition.