Umfrage
Der Einfluss von KI auf die Arbeitswelt: Wahrnehmung und Realität
Die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Arbeitswelt werden von vielen Erwerbstätigen unterschätzt. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands zeigt, dass zwar 53 Prozent der Beschäftigten davon ausgehen, dass KI in den nächsten fünf Jahren eine große oder sehr große Rolle in ihrem Beruf spielen wird, doch 44 Prozent erwarten nur geringe oder gar keine Veränderungen. Zudem sind 72 Prozent der Befragten überzeugt, dass ihre Tätigkeit nicht durch KI ersetzt werden kann.
Dennoch nutzt bereits ein Drittel der Erwerbstätigen (31 Prozent) generative KI-Anwendungen wie ChatGPT, Claude oder Gemini für berufliche Zwecke. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil der KI-Nutzer bei 53 Prozent, da viele die Technologie privat anwenden. „KI wird Arbeitsprozesse in nahezu allen Berufsfeldern tiefgreifend verändern – vom Anlagenbau bis zur Zahntechnik“, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, im Vorfeld der Hannover Messe. In der Industrie findet KI bereits Einsatz in Robotik, Produktionsplanung und Produktentwicklung. Die Notwendigkeit, KI-Kompetenzen aufzubauen, sei daher entscheidend für die Zukunft des Arbeitsmarkts, so Bühler.
Geringe Sorge um den eigenen Arbeitsplatz
Trotz der zunehmenden Bedeutung von KI befürchten nur wenige Beschäftigte den Verlust ihres eigenen Arbeitsplatzes. Zwar gehen 49 Prozent davon aus, dass „sehr viele Menschen“ durch den KI-Einsatz ihren Job verlieren werden, doch lediglich 7 Prozent fürchten, selbst betroffen zu sein. „Die Entwicklung der KI ähnelt der Einführung des Personal Computers oder des Internets“, erklärt Bühler. „Wer den Umgang mit der neuen Technologie erlernt, bleibt wettbewerbsfähig.“
Laut Umfrage sehen 37 Prozent der Beschäftigten die Gefahr, beruflich abgehängt zu werden, wenn sie sich nicht mit KI auseinandersetzen. Gleichzeitig halten 60 Prozent Weiterbildungen zum Thema KI für sinnvoll. „Unternehmen müssen ihre Mitarbeitenden aktiv unterstützen und gezielte KI-Schulungen anbieten“, fordert Bühler.
Fehlende KI-Richtlinien in Unternehmen
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Umfrage ist das Fehlen klarer Vorgaben für den Einsatz von KI im Arbeitsumfeld. Nur 19 Prozent der abhängig Beschäftigten geben an, dass ihr Arbeitgeber konkrete Regelungen zur Nutzung generativer KI getroffen hat. Bei 4 Prozent ist die Nutzung sogar explizit untersagt. „Viele Unternehmen haben noch keine Strategie entwickelt, um KI gewinnbringend einzusetzen“, stellt Bühler fest.
Bestehende Regelungen konzentrieren sich vor allem auf Datenschutz (76 Prozent), den Schutz sensibler Informationen (63 Prozent) und urheberrechtliche Aspekte (61 Prozent). Immerhin 54 Prozent der Unternehmen fordern von ihren Mitarbeitenden einen Faktencheck bei KI-generierten Inhalten.
Weiterbildungspflicht durch den AI Act
Angesichts der wachsenden Bedeutung von KI fordert der TÜV-Verband eine strategische Herangehensweise für Unternehmen, insbesondere in Bezug auf die Qualifikation ihrer Mitarbeitenden. Der europäische AI Act schreibt seit dem 2. Februar 2025 eine Weiterbildungspflicht für Unternehmen vor, die KI-Systeme entwickeln oder nutzen. Diese müssen sicherstellen, dass ihre Beschäftigten über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügen. Die Schulungen sollen drei Kernbereiche abdecken:
- Technisches Know-how: Grundlegendes Verständnis für KI-Algorithmen, maschinelles Lernen und generative Modelle wie ChatGPT.
- Anwenderkenntnisse: Fähigkeit zur sicheren und effektiven Nutzung von KI-Tools in der jeweiligen Branche.
- Compliance: Kenntnisse über gesetzliche Vorschriften und ethische Prinzipien im Umgang mit KI.
Bühler betont: „KI kann einen erheblichen Beitrag zur Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands leisten – vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll eingesetzt. Dafür sind Standards, sichere Systeme und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen unerlässlich.“
Methodik der Umfrage
Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.001 Personen ab 16 Jahren, darunter 663 Erwerbstätige. Die Befragung fand im Oktober 2024 statt. Die Fragen umfassten unter anderem:
- „Welche Rolle wird KI Ihrer Einschätzung nach in fünf Jahren für Ihre berufliche Tätigkeit spielen?“
- „Ist Ihre berufliche Tätigkeit durch generative KI ersetzbar?“
- „Würden Sie eine Weiterbildung zum Thema KI für Ihre berufliche Tätigkeit für sinnvoll erachten?“
- „Gibt es bei Ihrem Arbeitgeber konkrete Vorgaben zur Nutzung generativer KI oder ein explizites Verbot?“
- Zustimmung zu Aussagen wie: „Sehr viele Menschen werden ihren Job als Folge des KI-Einsatzes verlieren“, „Ich habe Sorge, dass ich als Folge des KI-Einsatzes meinen Arbeitsplatz verliere“, „Ich habe Sorge, dass ich beruflich abgehängt werde, wenn ich die Technologie nicht beherrsche.“