Schatten-IT

Vom Workaround zur Schatten-IT: Wie unscheinbare Abkürzungen Sicherheitslücken schaffen

Vom Workaround zur Schatten-IT: Wie unscheinbare Abkürzungen Sicherheitslücken schaffen

Von Thomas Müller-Martin, Field Strategist DACH bei Omada

Im Arbeitsalltag gilt oft: Hauptsache schnell.

Thomas Müller-Martin
Thomas Müller-Martin, Field Strategist DACH bei Omada

Wer eine Abkürzung findet, spart Zeit – und steigert seine Produktivität. Doch genau hier entsteht ein Dilemma: Zwischen Effizienz und Sicherheit. Wenn Genehmigungen aus der IT zu lange dauern oder Prozesse zu kompliziert wirken, suchen sich Mitarbeitende oft eigene Lösungen. Diese „Workarounds“ sind selten böse gemeint, öffnen aber Hackern Tür und Tor.

Abkürzungen für Mitarbeitende = Schnellstraßen für Angreifer

Ob private File-Sharing-Dienste, Passwörter im Chat oder nicht freigegebene Tools – viele dieser improvisierten Hilfen wirken praktisch, bergen aber hohe Risiken. Denn wer Sicherheitsvorgaben umgeht, vergrößert die Angriffsfläche für Cyberkriminelle.

Zwei Beispiele zeigen das Problem deutlich:

  • Geteilte Administrator-Accounts: Mehrere Personen nutzen denselben Zugang, weil das Anlegen individueller Berechtigungen zu lange dauert. Ergebnis: Keine Nachvollziehbarkeit, schwache Passwortsicherheit und ein ideales Einfallstor für Angreifer.
  • Privater Cloud-Speicher für Datenaustausch: Mitarbeiter laden Dateien kurzerhand in Dropbox oder Google Drive hoch, damit Partner schnell darauf zugreifen können. Doch diese Daten liegen dann außerhalb der Unternehmens- und Compliance-Kontrollen – oft dauerhaft. Solche Abkürzungen schleichen sich in den Alltag ein und werden zu blinden Flecken der IT-Sicherheit: nicht dokumentiert, nicht überwacht, nicht kontrolliert.

Warum Zeitdruck so gefährlich ist

Cyberkriminelle wissen genau, wie abhängig Unternehmen von Tempo und Effizienz sind. Sie setzen gezielt auf Social Engineering, Phishing oder kompromittierte Zugangsdaten. Besonders heikel: Workarounds verschaffen Nutzerkonten oft mehr Rechte als nötig – und Angreifern damit zusätzliche Macht. Die alte Denkweise „Sicherheit verlangsamt Prozesse“ ist überholt. Moderne Identity Governance and Administration (IGA) zeigt, dass beides geht: Sicherheit und Geschwindigkeit.

Wie Automatisierung das Problem löst

Mit automatisierten Freigaben, rollenbasierten Zugriffsmodellen und kontextabhängigen Genehmigungen lassen sich Berechtigungen in Sekunden statt Tagen vergeben. Das reduziert nicht nur den Verwaltungsaufwand, sondern auch den Drang, eigene, unsichere Lösungen zu suchen. Ein weiteres Risiko sind ungenutzte Berechtigungen: Zugriffe, die nach Projektende nie entzogen werden und sich über die Zeit summieren. Hier helfen regelmäßige, automatisierte Rezertifizierungen. Sie verhindern, dass „verwaiste Konten“ zu stillen Gefahren werden. Statt reaktiv auf Vorfälle zu reagieren, ermöglicht IGA ein proaktives Vorgehen: Verdächtige Zugriffe lassen sich in Echtzeit erkennen und sofort stoppen.

Sicherheit ist auch Kultur

Technologie allein reicht nicht. Unternehmen müssen eine Kultur schaffen, in der Sicherheit nicht als Bremse, sondern als Teil des Arbeitens verstanden wird. Wenn Prozesse schlank genug sind, gibt es keinen Grund für Umgehungslösungen. Workarounds sind nämlich oft nur Symptome: für langsame Freigaben, komplizierte Prozesse oder fehlende Transparenz. Wer sie verhindern will, muss Sicherheit und Geschwindigkeit gleichrangig behandeln – und Mitarbeitende aktiv einbinden.

Fazit

Abteilungswechsel, Beförderungen oder neue Projekte gehören zum Alltag. Wenn Berechtigungen automatisch mitwandern, arbeiten Mitarbeitende produktiver – und sicherer. IT-Teams sparen Aufwand, Tickets sinken, Sicherheitsvorfälle werden vermieden. Kurz gesagt: Intelligentes Identity Management bringt Effizienz und Sicherheit zusammen. So wird Cybersecurity vom lästigen Pflichtprogramm zum echten Wettbewerbsvorteil.