Frontier-KI

Thales stellt globales Sicherheitsrahmenwerk gegen Frontier-KI-Bedrohungen vor

Thales stellt globales Sicherheitsrahmenwerk gegen Frontier-KI-Bedrohungen vor

Frontier-KI verändert die Cyberabwehr: Thales setzt auf Sicherheit in Maschinengeschwindigkeit

Cyberangriffe erreichen mit Frontier-KI eine neue Dimension: Autonome Systeme können Schwachstellen identifizieren, Angriffsmethoden entwickeln und ihre Vorgehensweise in Maschinengeschwindigkeit anpassen. Klassische Sicherheitsarchitekturen geraten damit zunehmend unter Druck, weil menschliche Reaktionszeiten mit der Geschwindigkeit automatisierter Angriffe kaum noch Schritt halten können. Thales reagiert auf diesen Paradigmenwechsel mit einem globalen Cybersecurity-Rahmenwerk, das KI-gestützte Abwehr, kontinuierliche Risikobewertung und menschliche Kontrolle miteinander verbindet.

Die nächste Generation künstlicher Intelligenz könnte die Spielregeln der Cybersicherheit grundlegend verändern. Während generative KI bislang vor allem als unterstützendes Werkzeug eingesetzt wurde, entwickeln sich sogenannte Frontier-AI-Modelle zunehmend zu Systemen, die komplexe Aufgaben eigenständig planen, Entscheidungen vorbereiten und mehrstufige Prozesse automatisiert ausführen können.

Für die Cybersicherheit hat diese Entwicklung weitreichende Konsequenzen. Angreifer könnten künftig nicht nur schneller Schwachstellen aufspüren und Exploits entwickeln, sondern ihre Angriffskampagnen auch kontinuierlich optimieren und in bislang unbekanntem Umfang skalieren.

Insbesondere Betreiber kritischer Infrastrukturen stehen damit vor einer neuen Herausforderung: Sie müssen ihre Sicherheitsmaßnahmen nicht nur technologisch weiterentwickeln, sondern auch die Geschwindigkeit ihrer Erkennungs-, Entscheidungs- und Reaktionsprozesse erheblich steigern.

Auf dem Thales Cyber Summit in Paris stellte der Technologiekonzern deshalb einen globalen Ansatz vor, der Organisationen beim Übergang von einer überwiegend reaktiven Cyberabwehr zu einem kontinuierlich überprüften Resilienzmodell unterstützen soll.

Wenn Angriffe schneller werden als menschliche Entscheidungen

Im Mittelpunkt des neuen Sicherheitskonzepts steht eine grundlegende Erkenntnis: Die etablierten Prinzipien der Cybersicherheit verlieren durch Frontier-KI nicht ihre Gültigkeit. Allerdings verändert sich die Geschwindigkeit, mit der sie umgesetzt werden müssen.

Klassische Sicherheitsprozesse basieren häufig auf einer Abfolge aus Erkennung, Analyse, Priorisierung und manueller Reaktion. Wenn KI-gestützte Angriffssysteme diese Phasen automatisieren und ihre Vorgehensweise dynamisch verändern, entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen Angriff und Verteidigung.

Für Unternehmen bedeutet das, dass isolierte Sicherheitswerkzeuge und voneinander getrennte Prozesse zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Entscheidend wird vielmehr, wie schnell Informationen über Bedrohungen, Schwachstellen und Risiken zusammengeführt und in konkrete Schutzmaßnahmen übersetzt werden können.

Thales sieht deshalb in der Kombination aus KI-gestützter Automatisierung und menschlichem Fachwissen einen wesentlichen Bestandteil zukünftiger Sicherheitsarchitekturen. Während automatisierte Systeme große Datenmengen analysieren, Angriffsmuster erkennen und Gegenmaßnahmen vorbereiten oder ausführen können, sollen sicherheitskritische Entscheidungen weiterhin unter menschlicher Aufsicht stehen.

Executive Vice-President Cybersicherheit und Digitale Identität bei Thales
Executive Vice-President Cybersicherheit und Digitale Identität bei Thales

„Frontier-AI-Modelle stellen einen neuen Wendepunkt für die Cybersicherheit dar. Die Herausforderung ist nicht nur technologischer Natur. Es geht darum, Organisationen dabei zu unterstützen, zu handeln, bevor Risiken konkret werden, die Auswirkungen zu verstehen und ihre Risikoexposition zu bewerten sowie, falls ein Angriff dennoch erfolgreich ist, Resilienz und eine schnelle Wiederherstellung sicherzustellen. Durch die Kombination fortschrittlicher Technologien mit strategischen und betrieblichen Cybersicherheitsdienstleistungen wollen wir unseren Kunden die Einblicke, das Fachwissen sowie die kontinuierliche Unterstützung bieten, die sie benötigen, um sich in dieser neuen Realität sicher zu bewegen",  sagt Philippe Vallée, Executive Vice-President Cybersicherheit und Digitale Identität bei Thales .

Nach seiner Einschätzung geht es dabei nicht ausschließlich um technologische Innovationen. Organisationen müssten Risiken möglichst frühzeitig erkennen, ihre tatsächliche Gefährdung bewerten und gleichzeitig sicherstellen, dass sie auch nach einem erfolgreichen Angriff handlungsfähig bleiben und ihre Systeme schnell wiederherstellen können.

Der eigentliche Paradigmenwechsel liegt somit nicht allein im Einsatz leistungsfähigerer Sicherheitstechnologien. Entscheidend ist der Übergang zu einer Cyberabwehr, die kontinuierlich lernt, ihre Wirksamkeit überprüft und in Maschinengeschwindigkeit reagieren kann – ohne die menschliche Verantwortung aus dem Sicherheitsprozess zu verdrängen

Fünf Bausteine für eine integrierte Cyberabwehr

Mit seinem neuen Rahmenwerk verfolgt Thales einen durchgängigen Sicherheitsansatz, der bestehende Schutzmaßnahmen enger miteinander verzahnen soll. Ziel ist es, aus einzelnen Sicherheitsfunktionen eine kontinuierlich arbeitende Abwehrarchitektur zu entwickeln.

Das Konzept basiert auf fünf miteinander verbundenen Bereichen:

  1. Absicherung der Anwendungslandschaft: Anwendungen und digitale Dienste sollen systematisch gegen Schwachstellen und neue Angriffsmethoden geschützt werden.
  2. KI-gestützte Erkennung und Reaktion: Automatisierte Analyse- und Abwehrmechanismen sollen verdächtige Aktivitäten schneller identifizieren und geeignete Gegenmaßnahmen ermöglichen.
  3. Konvergente Cyberabwehrplattform: Sicherheitsinformationen aus unterschiedlichen Technologien und Systemen werden zusammengeführt, um eine konsistente Bewertung der Bedrohungslage zu unterstützen.
  4. Kontinuierliche Sicherheitsüberprüfung: Regelmäßige Tests, Risikobewertungen und Wirksamkeitskontrollen sollen Schwachstellen frühzeitig sichtbar machen und die tatsächliche Widerstandsfähigkeit der Sicherheitsarchitektur überprüfen.
  5. Schutz und Resilienz kritischer Assets: Besonders schützenswerte Systeme und Geschäftsprozesse sollen auch bei erfolgreichen Angriffen möglichst verfügbar bleiben beziehungsweise schnell wiederhergestellt werden können.

Der zentrale Gedanke liegt in der Vernetzung dieser Komponenten. Threat Intelligence, Schwachstelleninformationen, Daten zur Risikoexposition sowie Erkenntnisse aus Erkennung und Incident Response sollen kontinuierlich ausgetauscht werden.

Damit will Thales eine Sicherheitsarchitektur schaffen, die Bedrohungen nicht nur erkennt, sondern Erkenntnisse aus Angriffen und Sicherheitsprüfungen unmittelbar für die Verbesserung der eigenen Schutzmaßnahmen nutzt.

Cyberresilienz statt reiner Angriffsabwehr

Die zunehmende Automatisierung von Cyberangriffen verändert auch die Anforderungen an das Sicherheitsmanagement. Eine möglichst vollständige Verhinderung von Angriffen bleibt zwar ein wesentliches Ziel, reicht als alleinige Sicherheitsstrategie jedoch nicht mehr aus.

Entscheidend wird, wie gut Organisationen ihre tatsächliche Risikoexposition kennen, Sicherheitsmaßnahmen unter realistischen Bedingungen überprüfen und im Ernstfall handlungsfähig bleiben.

Kontinuierliche Sicherheitsvalidierung und Resilienz gewinnen deshalb an Bedeutung. Unternehmen müssen nicht nur wissen, welche Schutzmechanismen implementiert sind, sondern auch, ob diese gegenüber aktuellen Angriffstechniken tatsächlich funktionieren.

Gerade für Betreiber kritischer Infrastrukturen ist diese Unterscheidung wesentlich. Hier können erfolgreiche Cyberangriffe weit über den Verlust von Daten hinausgehen und die Verfügbarkeit geschäftskritischer beziehungsweise gesellschaftlich relevanter Dienstleistungen beeinträchtigen.

Der von Thales vorgestellte Ansatz verbindet deshalb präventive Sicherheitsmaßnahmen mit kontinuierlicher Überprüfung, operativer Reaktionsfähigkeit und Wiederherstellungsstrategien.

Zusammenarbeit mit Google soll KI-gestützte Sicherheitsfunktionen stärken

Ein weiterer Bestandteil der Strategie sind Partnerschaften mit Technologieanbietern, die fortschrittliche KI-Funktionen für die Cybersicherheit entwickeln.

Thales verweist in diesem Zusammenhang auf seine Mitgliedschaft in Googles Fairwind-Programm. Dadurch sollen insbesondere Organisationen aus kritischen Branchen Zugang zu aktuellen Cybersecurity-Innovationen von Google erhalten.

Genannt werden unter anderem Gemini 3.8 Flash Cyber und das CodeMender-Harness. Die Technologien sollen dazu beitragen, KI-basierte Fähigkeiten für Sicherheitsanalysen, die Bewertung von Schwachstellen und die Unterstützung von Abwehrmaßnahmen nutzbar zu machen.

Thales verfolgt dabei einen dienstleistungsorientierten Ansatz, der technologische Komponenten mit strategischer Beratung, operativer Unterstützung und kontinuierlicher Sicherheitsbewertung verbindet.

Die entscheidende Frage ist nicht mehr nur, ob ein Angriff erkannt wird

Mit Frontier-KI verschiebt sich das Kräfteverhältnis zwischen Angreifern und Verteidigern. Wo früher menschliche Fähigkeiten und verfügbare Ressourcen die Geschwindigkeit einer Angriffskampagne begrenzten, könnten künftig weitgehend automatisierte Systeme große Teile der Angriffskette übernehmen.

Für Security Operations Center und Verantwortliche für kritische Infrastrukturen entsteht daraus erheblicher Handlungsdruck. Sicherheitsarchitekturen müssen Informationen schneller korrelieren, Risiken dynamisch priorisieren und auf Bedrohungen reagieren können, ohne dabei die Kontrolle über automatisierte Entscheidungen zu verlieren.

Allerdings ist auch KI-gestützte Automatisierung kein Selbstläufer. Fehlentscheidungen, unzureichende Kontextinformationen oder übermäßig weitreichende Berechtigungen können neue Risiken schaffen. Transparente Entscheidungsprozesse, definierte Eingriffsrechte und menschliche Kontrollmöglichkeiten bleiben deshalb unverzichtbar.

Bildquelle: Geoffroy Van der Hasselt/Thales