Okta-AWS
Okta und AWS vertiefen Partnerschaft: Identitätssicherheit für KI-Agenten im Fokus
KI-Agenten absichern, Schatten-KI erkennen, Zugriffe kontrollieren
Mit der zunehmenden Verbreitung autonomer KI-Agenten entstehen neue Herausforderungen für die Identitäts- und Zugriffssicherheit in Unternehmen. Denn KI-Agenten greifen eigenständig auf Anwendungen, Daten und Geschäftsprozesse zu – häufig außerhalb etablierter Sicherheitskontrollen. Okta und Amazon Web Services (AWS) bauen deshalb ihre strategische Zusammenarbeit aus, um KI-Agenten besser abzusichern, Zugriffsrechte zentral zu verwalten und Sicherheitsrichtlinien bereits bei der Entwicklung KI-gestützter Anwendungen zu integrieren.
Der Identitätssicherheitsspezialist Okta hat eine erweiterte, mehrjährige strategische Kooperationsvereinbarung (Strategic Collaboration Agreement, SCA) mit Amazon Web Services (AWS) geschlossen. Im Mittelpunkt stehen die Absicherung autonomer KI-Agenten, die Integration von Identitätskontrollen in Cloud-Anwendungen und die Weiterentwicklung gemeinsamer Sicherheitslösungen.
Die Partnerschaft baut auf einer langjährigen Zusammenarbeit auf, von der bereits Tausende Unternehmenskunden profitieren. Mehr als 25 bestehende Integrationen verbinden die Identitäts- und Sicherheitslösungen von Okta mit der AWS-Infrastruktur.
Mit der neuen Vereinbarung wollen beide Unternehmen ihre Technologien enger verzahnen und die sichere Einführung agentischer KI-Systeme beschleunigen. Neben technischen Integrationen umfasst die Zusammenarbeit auch gemeinsame Vertriebsaktivitäten und die stärkere Einbindung des Partner-Ökosystems.
Okta überschreitet 2 Milliarden US-Dollar Umsatz im AWS Marketplace
Parallel zur erweiterten Partnerschaft meldet Okta einen wirtschaftlichen Meilenstein: Das Unternehmen hat über den AWS Marketplace einen kumulierten Umsatz von mehr als zwei Milliarden US-Dollar erzielt. Die Marke von einer Milliarde US-Dollar hatte Okta erst vor weniger als zwei Jahren überschritten.
Die Entwicklung verdeutlicht die wachsende Bedeutung cloudbasierter Beschaffungsplattformen für Identitäts- und Sicherheitslösungen. Unternehmen nutzen den AWS Marketplace zunehmend, um bestehende Cloud-Budgets einzusetzen, Beschaffungsprozesse zu vereinfachen und Sicherheitsprodukte schneller in ihre IT-Umgebungen zu integrieren.
Für Okta entwickelt sich der Marketplace damit zu einem wichtigen Vertriebskanal. Gemeinsame Kunden sollen von vereinfachten Einkaufsprozessen, abgestimmten Produktangeboten und einer schnelleren Bereitstellung profitieren.
KI-Agenten benötigen eigene Identitäten und klare Zugriffsrechte
Die zunehmende Autonomie von KI-Systemen verändert die Anforderungen an das Identity and Access Management (IAM). Während klassische Sicherheitskonzepte vor allem menschliche Benutzer und Anwendungen berücksichtigen, übernehmen KI-Agenten zunehmend eigenständig Aufgaben und greifen dabei auf unterschiedliche Unternehmensressourcen zu.
Damit entsteht eine neue Kategorie digitaler Identitäten, deren Berechtigungen, Aktivitäten und Verantwortlichkeiten kontrolliert werden müssen.
Eric Kelleher, President und Chief Operating Officer bei Okta, betont, dass Sicherheit bei der Einführung von KI-Agenten nicht erst nachträglich berücksichtigt werden dürfe.

Durch die engere Zusammenarbeit mit AWS sollen Identitätskontrollen unmittelbar in die Entwicklungs- und Laufzeitumgebungen integriert werden.
Unternehmen könnten KI-Agenten dadurch als eigenständige, verwaltete Identitäten behandeln und präzise festlegen, auf welche Anwendungen und Daten sie zugreifen dürfen.
Zugleich sollen Sicherheitsverantwortliche schneller reagieren können, wenn verdächtige Aktivitäten oder Risiken erkannt werden.
Auch AWS sieht den Bedarf an integrierten Identitätskontrollen wachsen. Chet Kapoor, Vice President bei AWS, verweist darauf, dass immer mehr Unternehmen KI-Agenten auf AWS produktiv einsetzen. Entscheidend sei deshalb, dass Zugriffskontrollen bereits bei der Bereitstellung verfügbar sind und sich über unterschiedliche Unternehmensanwendungen hinweg einheitlich verwalten lassen.
Amazon Bedrock AgentCore als zentrale Integrationsplattform
Ein Schwerpunkt der erweiterten Kooperation liegt auf Amazon Bedrock AgentCore. Die AWS-Plattform unterstützt Unternehmen dabei, KI-Agenten zu entwickeln, bereitzustellen und im laufenden Betrieb zu verwalten. Nach Angaben der Unternehmen wird derzeit nahezu alle zehn Sekunden ein neuer Agent auf Amazon Bedrock AgentCore bereitgestellt.
Dieses Wachstum stellt Sicherheitsabteilungen vor erhebliche Herausforderungen. Insbesondere bei schnell entwickelten KI-Anwendungen besteht das Risiko, dass Agenten außerhalb bestehender Identity-Management-Systeme auf Unternehmensressourcen zugreifen.
Fehlende Transparenz, unzureichend kontrollierte Berechtigungen und die nachträgliche Integration von Sicherheitsmaßnahmen können dadurch neue Angriffsflächen schaffen.
Okta und AWS wollen diese Risiken durch eine engere Verknüpfung ihrer Identitäts- und Sicherheitsfunktionen reduzieren. Dabei geht es sowohl um die Authentifizierung menschlicher Benutzer als auch um die Autorisierung und Überwachung autonom handelnder Agenten.
Sieben Integrationsbereiche für mehr KI-Agenten-Sicherheit
Die erweiterte Zusammenarbeit umfasst mehrere technische Anwendungsbereiche, mit denen Unternehmen Identitäten, Berechtigungen und Sicherheitsrichtlinien für KI-Agenten zentral verwalten können. Sie bauen auf bestehenden Integrationen auf und umfassen auch geplante beziehungsweise weiterzuentwickelnde Funktionen.
1. Cross App Access für kontrollierte SaaS-Zugriffe
Das offene Protokoll Cross App Access (XAA) soll in Amazon Bedrock AgentCore integriert werden. Damit können KI-Agenten im Auftrag eines authentifizierten Benutzers auf SaaS-Anwendungen zugreifen, ohne für jede einzelne Interaktion erneut eine Zustimmung anfordern zu müssen.
Ziel ist eine sichere, nachvollziehbare Autorisierung über Anwendungsgrenzen hinweg. Unternehmen sollen dadurch besser kontrollieren können, welche Aktionen Agenten im Namen ihrer Benutzer ausführen dürfen.
2. Human in the Loop bei sicherheitskritischen Aktionen
Nicht jede Entscheidung sollte autonom durch einen KI-Agenten getroffen werden. Besonders bei risikoreichen Vorgängen bleibt die menschliche Kontrolle ein wesentlicher Sicherheitsmechanismus.
Über Auth0 for AI Agents sollen entsprechende Aktionen automatisch angehalten werden können, bis eine ausdrücklich verifizierte menschliche Genehmigung vorliegt. Dies betrifft beispielsweise größere Finanztransaktionen oder sicherheitskritische Änderungen an Datenbanken.
Das Human-in-the-Loop-Prinzip soll verhindern, dass KI-Agenten besonders weitreichende Aktionen ohne zusätzliche Autorisierung ausführen.
3. Verifizierte Benutzeridentitäten beim Agentenzugriff
Durch die Integration von Okta Identity Management in Amazon Bedrock AgentCore sollen Benutzer, die einen KI-Agenten aufrufen, anhand ihrer Okta-Identität authentifiziert werden. Damit lässt sich sicherstellen, dass ausschließlich berechtigte Personen mit den jeweiligen Agenten interagieren können.
Die Authentifizierung über bestehende Unternehmensidentitäten erleichtert gleichzeitig die Einbindung von KI-Agenten in etablierte Sicherheitsrichtlinien und Identity-Management-Prozesse.
4. Granulare Zugriffskontrollen durch zentrale Richtlinien
Ein weiterer Integrationsbereich betrifft die Durchsetzung von Identitäts- und Zugriffsrichtlinien. Amazon Bedrock AgentCore Gateway soll Okta künftig als Policy Decision Point (PDP) nutzen können. In Verbindung mit der Cedar Policy Language von AWS lassen sich damit detaillierte Autorisierungsregeln definieren. Dazu gehören auch beziehungsbasierte Zugriffskontrollen (Relationship-Based Access Control, ReBAC). Solche Richtlinien berücksichtigen nicht nur die Identität eines Benutzers oder Agenten, sondern auch dessen Beziehungen zu bestimmten Ressourcen und Anwendungen.
Dadurch können Unternehmen Zugriffsrechte differenzierter steuern und konsistente Sicherheitsregeln für menschliche und nichtmenschliche Identitäten etablieren.
5. Identity Governance und regelmäßige Zugriffszertifizierung
KI-Agenten benötigen nicht nur bei ihrer Erstellung kontrollierte Berechtigungen. Auch während ihres gesamten Lebenszyklus müssen Unternehmen überprüfen können, ob bestehende Zugriffsrechte weiterhin erforderlich und angemessen sind. Durch die Registrierung von Agenten aus Amazon Bedrock AgentCore Runtime im Verzeichnis Okta for AI Agents sollen Unternehmen ihre bestehenden Identity-Governance-Prozesse auf autonome Systeme ausweiten können. Administratoren erhalten damit die Möglichkeit, Zugriffsberechtigungen regelmäßig zu überprüfen, erneut zu zertifizieren oder zu widerrufen. Dies betrifft insbesondere den Zugriff auf SaaS-Anwendungen und Unternehmensressourcen außerhalb der AWS-Umgebung. Automatisierte Zertifizierungsprozesse sollen übermäßig weitreichende Berechtigungen reduzieren und die kontinuierliche Einhaltung regulatorischer Vorgaben unterstützen.
6. Okta for AI Agents erkennt und verwaltet Schatten-KI
Mit Okta for AI Agents für Amazon Bedrock AgentCore wollen die Partner eine zentrale Identitätsschicht für KI-Agenten bereitstellen. Eine wesentliche Funktion besteht darin, bislang unbekannte oder nicht autorisierte Agenten zu identifizieren.
Diese sogenannte Schatten-KI entsteht beispielsweise dann, wenn Fachabteilungen oder Entwickler eigenständig KI-Anwendungen einsetzen, ohne sie in die zentralen Sicherheits- und Governance-Prozesse einzubinden. Die Lösung soll entsprechende Agenten erkennen, als verwaltete Identitäten registrieren und ihnen verantwortliche Mitarbeiter zuordnen.
Darüber hinaus umfasst der Ansatz mehrere Sicherheitsfunktionen:
- Durchsetzung des Least-Privilege-Prinzips zur Begrenzung von Zugriffsrechten
- Autorisierungsentscheidungen während der Laufzeit
- Erkennung verdächtiger Aktivitäten und potenzieller Bedrohungen
- Zentrales Lebenszyklus-Management für KI-Agenten
- Zuordnung menschlicher Verantwortlicher für autonome Systeme
Damit sollen Unternehmen einen besseren Überblick über ihre agentische KI-Infrastruktur erhalten und Risiken durch unkontrollierte Identitäten reduzieren.
7. Auth0 integriert Identitätskontrollen für KI-Commerce und B2B
Mit den Lösungen AI Identity for Commerce und AI Identity for B2B sollen Entwickler auf Amazon Bedrock AgentCore zusätzliche Identitäts- und Sicherheitsfunktionen nutzen können. Auth0 übernimmt dabei die Authentifizierung von Benutzern, bevor KI-Agenten in deren Auftrag handeln.
Weitere Funktionen umfassen die sichere Verwaltung von Anmeldedaten, fein abgestufte Autorisierungsmechanismen (Fine-Grained Authorization, FGA) und zusätzliche Identitätsprüfungen bei besonders sensiblen Vorgängen.
Dazu gehören auch asynchrone Step-up-Authentifizierungen, bei denen eine erhöhte Sicherheitsanforderung eine zusätzliche Bestätigung durch den Benutzer auslöst. Die Integration soll Entwicklern ermöglichen, entsprechende Sicherheitsmechanismen frühzeitig in ihre Anwendungen einzubauen, anstatt sie nachträglich ergänzen zu müssen.
Asana setzt auf die Kombination aus Okta und AWS
Wie wichtig die Absicherung agentischer KI-Workflows für Unternehmen wird, verdeutlicht auch die Perspektive des gemeinsamen Kunden Asana.
Arnab Bose, Chief Product Officer bei Asana, betont, dass die Sicherheit der zugrunde liegenden Identitäten und Infrastrukturen eine zentrale Voraussetzung für die Entwicklung und Bereitstellung KI-gestützter Funktionen sei.
Asana nutzt Okta und AWS zur Absicherung seiner Identitäten und Abläufe. Die Kombination beider Plattformen soll es Unternehmen erleichtern, KI-Agenten über unterschiedliche Geschäftsanwendungen hinweg kontrolliert einzusetzen und zu skalieren. Entscheidend ist dabei, dass Sicherheitsmechanismen auch dann wirksam bleiben, wenn autonome Agenten mit mehreren Anwendungen und Diensten interagieren.
AWS Marketplace wird zum strategischen Vertriebskanal
Neben der technologischen Zusammenarbeit wollen Okta und AWS ihre gemeinsamen Vertriebsaktivitäten ausbauen. Der AWS Marketplace soll dabei als zentraler Beschaffungskanal für Identitäts- und Sicherheitslösungen im KI- und Cloud-Umfeld weiter gestärkt werden. Geplant ist eine engere Abstimmung mit globalen Systemintegratoren, Wiederverkäufern, Managed Service Providern und unabhängigen Softwareanbietern. Durch gemeinsame Vertriebsprogramme und vereinfachte Bereitstellungsprozesse wollen die Unternehmen neue Kunden gewinnen und bestehende Geschäftsbeziehungen ausbauen. Für Unternehmenskunden soll dies insbesondere die Beschaffung, Integration und Skalierung von Sicherheitslösungen innerhalb ihrer AWS-Umgebungen vereinfachen.
Identitätssicherheit wird zur Grundlage autonomer KI-Systeme
Die erweiterte Partnerschaft zwischen Okta und AWS zeigt, wie stark sich die Anforderungen an das Identity and Access Management durch den Einsatz agentischer KI verändern.
Während klassische IAM-Systeme vor allem menschliche Benutzer und deren Zugriffe verwalten, müssen Unternehmen künftig zunehmend auch autonome Softwareagenten als eigenständige Identitäten berücksichtigen.
Dabei reicht es nicht aus, Agenten einmalig zu authentifizieren. Ihre Berechtigungen müssen während der gesamten Laufzeit überprüfbar, anpassbar und bei Bedarf unmittelbar widerrufbar sein. Die zentrale Herausforderung besteht darin, KI-Agenten genügend Handlungsspielraum für automatisierte Geschäftsprozesse zu geben, ohne dabei Transparenz, Sicherheitskontrolle und menschliche Verantwortung zu verlieren.