Gesundheitswesen

Die digitale Aufholjagd im Gesundheitswesen

Die digitale Aufholjagd im Gesundheitswesen

Digital Health, E-Patientenakte und E-Rezept – Gesundheit und Digitalisierung gehören zusammen

Von Dr. Frank Schmiedle, Account Executive DACH bei CONGA

„Wir sind im Bereich der Digitalisierung unseres Gesundheitssystems ein Entwicklungsland. Das ist leider so, wir brauchen daher eine Aufholjagd. (…) Es ist ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr vertretbar, dass wir in der heutigen Zeit noch immer die Rezepte über Papier ausdrucken.“ So äußerte sich der Gesundheitsminister im ZDF . Was hat es damit auf sich?

Bilanz: Vom rosa Zettel zum QR-Code

Dr. Frank Schmiedle, Account Executive DACH bei CONGA

Seit Juli 2023 kann in den ersten Apotheken in Deutschland ein E-Rezept mit der elektronischen Gesundheitskarte abgerufen werden. Der rosa Zettel wird durch Smartphone-Apps und QR-Codes ersetzt und bis 2025 sollen elektronische Patientenakten eingeführt werden. Ärztinnen und Ärzte werden ab dem 01.01.2024 verpflichtet sein, Rezepte elektronisch auszustellen. Dazu ist ein spezielles Verbindungsgerät erforderlich, das an die geschützte Datenautobahn des Gesundheitswesens angeschlossen ist, wo die E-Rezepte auf einem zentralen Server gespeichert werden. Durch Einstecken der Karte werden die Apotheken autorisiert und können die E-Rezepte der Versicherten abrufen.

Bis Anfang 2025 soll auch die elektronische Patientenakte eingeführt werden, eine Art persönlicher Datenspeicher für Befunde, Röntgenbilder und eine Liste verordneter Medikamente. Die einzelnen technologischen Transformationsschritte werden unter dem Begriff „Digital Health“ zusammengefasst. In Zeiten, in denen das Präfix „E-“ inflationär verwendet wird, sollte klar definiert werden, welche Kategorisierungen im Diskurs rund um den technologischen Fortschritt im Gesundheitswesen existieren.

Digital Health – Ein bislang nicht trennscharf umrissener Begriff

Die Digitalisierung und die Mittel der technologischen Entwicklung revolutionieren nicht nur die flächendeckende medizinische Versorgung. Sie bieten den Patienten auch eine neue Souveränität in Bezug auf den Zugang zu und die Kontrolle über ihre(n) eigenen medizinischen Daten. Gleichzeitig wird damit eine Transparenz auf beiden Seiten geschaffen. Der Begriff Digital Health bezeichnet somit eine Kombination aus gesundheitsspezifischen Hard- und Softwareanwendungen sowie der Digitalisierung und Auswertung von Gesundheitsdaten.

Zusammenfassend lassen sich folgende Komponenten unter dem Begriff Digital Health zusammenfassen:

  • mHealth: Wearable Computing und Smartphone-Apps zur Erfassung, Überwachung und Speicherung spezifischer Gesundheitsparameter
  • Telemedizin: Erbringung medizinischer Dienstleistungen mittels Gesundheitstelematik
  • eHealth: Vernetzung und Kommunikation zwischen Akteuren, Patienten, Sensoren und IT-Systemen
  • KI und Big Data: Zusammenführung von Daten zu einem Pool für Big-Data-Analysen zur Gewinnung entscheidungsrelevanter Informationen mittels KI

Diese konkreten Umsetzungen sind in den beiden Kabinettsentwürfen Digital-Gesetz (DigiG) und Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) festgehalten. Das Digital-Gesetz soll den Behandlungsalltag von Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten durch digitale Lösungen vereinfachen. Ein zentraler Bestandteil des Gesetzes ist die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA). Darüber hinaus wird das elektronische Rezept als verbindlicher Standard etabliert. Wesentliche Inhalte der Strategie für personenzentrierte, sektoren- und berufsgruppenübergreifende Versorgungsprozesse werden im Gesundheitsdatennutzungsgesetz festgeschrieben.

Kern dieses Gesetzes ist die Erleichterung der Nutzung von Gesundheitsdaten für einen am Gemeinwohl orientierten Zweck. Dazu gehört der Aufbau einer dezentralen Gesundheitsdateninfrastruktur mit einer zentralen Datenzugangs- und Koordinierungsstelle für die Nutzung von Gesundheitsdaten. Beide Gesetze leisten einen grundlegenden Beitrag zum Digitalisierungsprozess des deutschen Gesundheitswesens und setzen wichtige Akzente für die technologische Transformation und Datenumsetzung.

Appell: Chancen und Potenziale des technologischen Wandels nutzen und die digitale Aufholjagd vorantreiben

Der technologische Wandel soll das Zusammenspiel von Gesellschaft und Technik optimieren und zu einem „Upgrade“ führen. Für das Projekt der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist es unabdingbar, die Kompatibilität und Standardisierung der jeweiligen Systeme zu berücksichtigen. Die Gesundheitsorganisationen müssen daher bei der Umsetzung des Digitalisierungsprojekts behutsam und schrittweise vorgehen, da die sensiblen personenbezogenen Daten ihrer Patienten der Gegenstand der Digitalisierung sind. Entsprechend muss unbedingt sichergestellt werden, dass alle eingegebenen Daten, mit denen später gearbeitet wird, tatsächlich korrekt sind. Es lohnt sich, vor der technologischen Transformation einen Schritt zurück zu machen, um die Altsysteme noch einmal zu überprüfen. Gibt es Engpässe oder Ineffizienzen? Solche Erkenntnisse helfen enorm bei der konkreten Umsetzung des Digitalisierungsprozesses sowie bei der vollständigen Standardisierung eines funktionierenden Datenkreislaufs. Führungskräfte im Gesundheitswesen haben oft wenig oder keine Erfahrung im Management solcher Transformationen. Es lohnt sich daher, von Anfang an einen erfahrenen Berater hinzuzuziehen.

Eine klare Strategie, Ehrgeiz und eine gesunde Begeisterung für technologische Entwicklung und Innovation, gepaart mit vorhandenen Ressourcen und Ideenreichtum, sind gute Voraussetzungen, um die „digitale Aufholjagd“ erfolgreich zu realisieren und das deutsche Gesundheitswesen in ein neues Zeitalter zu führen.