Cybersicherheitsrisiken

Cybersicherheitsrisiken für Versicherer im Zeitalter von KI- und Cloud-Transformation

Cybersicherheitsrisiken für Versicherer im Zeitalter von KI- und Cloud-Transformation

Jeder Innovationssprung schafft neue Risiken

Von Thorsten Faber, Regional Manager Financial Services bei Thales

Die Versicherungsbranche profitiert vom Einsatz der Künstlichen Intelligenz. Sie verspricht eine schnellere Bearbeitung von Schadensfällen. Im Zusammenspiel mit Cloud-Plattformen sorgt die KI für eine größere Skalierbarkeit und datengestützte Erkenntnisse. Versicherungsnehmer erwarten außerdem einen reibungslosen und sofortigen Service.

Thorsten Faber, Regional Manager Financial Services bei Thales
Thorsten Faber, Regional Manager Financial Services bei Thales

Jeder Innovationssprung schafft neue Risiken. Neue Integrationen und jedes einzelne Byte an Versicherungsnehmerdaten (persönliche, medizinische oder finanzielle) erhöhen die Angriffsfläche. Von Versicherungen wird ein vertrauensvoller Umgang mit Daten erwartet. Dieses Vertrauen hängt nun davon ab, wie sicher sie Daten über Clouds, Partner und Landesgrenzen hinweg verwalten.

Der Thales 2026 Data Threat Report verdeutlicht, wie rasant sich die Landschaft der Datensicherheit im Zuge der zunehmenden Verbreitung von KI und der Cloud-Transformation verändert. 66 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, dass ihre KI-Anwendungen bereits ins Visier von Angreifern geraten sind, während 47 Prozent von Reputationsschäden berichten, die durch KI-generierte Fehlinformationen oder Deepfakes verursacht wurden. Gleichzeitig haben Unternehmen weiterhin Schwierigkeiten mit grundlegender Data Governance: Lediglich ein Drittel (33 %) geben an, vollständige Kenntnis darüber zu haben, wo ihre Daten gespeichert sind, was verdeutlicht, warum Datensicherheit zu einer Priorität auf Vorstandsebene geworden ist.

Versicherer sind besonders attraktive Ziele

Versicherer verfügen über das, was Cyberkriminelle attraktiv finden: umfangreiche, wertvolle und langfristig gespeicherte Daten. Personenbezogene Daten, Krankenakten und Finanzdaten sind eine wahre Fundgrube, die Identitätsdiebstahl, Betrug und Erpressung begünstigt.

Da die Aufbewahrungsfristen oft Jahrzehnte umfassen, steigt das Risiko im Laufe der Zeit exponentiell an. Kriminelle wissen um die kritische Bedeutung dieser Branche. Störungen bei der Risikoprüfung oder der Schadenbearbeitung wirken sich auf die Kunden aus. Dies lässt sich als Druckmittel nutzen.

Laut dem IBM-Bericht „Cost of a Data Breach 2026“ belaufen sich die durchschnittlichen Kosten einer Datenschutzverletzung im Finanzdienstleistungssektor auf 6,3 Millionen US-Dollar, wobei Versicherungsunternehmen aufgrund von behördlichen Strafen und des Verlusts ihrer Reputation oft noch höhere Kosten tragen.

KI-gesteuerte Bedrohungen

Angreifer nutzen genau jene KI-Tools als Waffen, die Versicherern helfen, Schadenbearbeitungsprozesse zu optimieren oder Betrugsfälle aufzudecken. Generative KI legt die Messlatte noch höher, indem sie extrem realistisches Phishing, Deepfake-basiertes Social Engineering und automatisierte Ransomware-Kampagnen ermöglicht.

KI kommt auch in der Lieferkette der Versicherungsbranche zum Einsatz, wobei Anbieter Tools verwenden, die versehentlich sensible Daten von Versicherungsnehmern offenlegen könnten. Die Nutzung von „Shadow-KI“ durch Mitarbeiter stellt einen weiteren Risikofaktor durch Insider dar. Laut einem Bericht von IBM ereigneten sich alarmierende 92 Prozent der KI-bezogenen Sicherheitsverletzungen dort, wo angemessene Zugriffskontrollen fehlten.

Das bedeutet, dass Versicherer KI-gestützte Abwehrmaßnahmen wie Anomalieerkennung, Verhaltensanalysen und kontinuierliche Lernsysteme einführen sollten, die sich ebenso schnell weiterentwickeln wie die Angreifer, um sich gegen KI-gestützte Bedrohungen verteidigen zu können.

Cloud-Transformation und digitale Souveränität

Die Modernisierung der Versicherungsbranche hängt von der Cloud ab, doch eine unkontrollierte Einführung der Cloud birgt Risiken. Viele Versicherer migrieren von veralteten Mainframes zu Multi-Cloud-Ökosystemen, in denen das Modell der geteilten Verantwortung die Rechenschaftspflicht verwischen kann. Während Cloud-Anbieter die Infrastruktur sichern, bleiben die Versicherer rechtlich und in Bezug auf ihre Reputation für die Daten verantwortlich.

Digitale Souveränität ist hier entscheidend. Regulierungsbehörden weltweit, von der DSGVO bis hin zu DORA, schreiben lokale Datenspeicherung, externes Schlüsselmanagement und nachweisbare Kontrolle über die Verschlüsselung vor.

Der „Thales 2026 Data Threat Report “ hebt die wachsende Bedeutung der digitalen Souveränität hervor, während Unternehmen zunehmend in Cloud- und KI-Ökosysteme expandieren. Die Hälfte der Unternehmen gibt an, dass der physische Standort der Cloud-Infrastruktur bei der Erfüllung von Souveränitätsanforderungen zumindest für bestimmte Workloads von Bedeutung ist. 40 Prozent sind der Ansicht, dass starke Verschlüsselung und externes Schlüsselmanagement unabhängig vom Standort ausreichenden Schutz bieten können.

Gleichzeitig überarbeiten 51 Prozent der Unternehmen ihre Anwendungen und Architekturen, um besser kontrollieren zu können, wie Daten über Ländergrenzen hinweg übertragen werden. Diese Trends spiegeln einen Wandel wider: Es geht nicht mehr nur darum, Daten zu schützen, sondern sicherzustellen, dass Unternehmen die Kontrolle darüber behalten, wo sich die Daten befinden, wer darauf zugreifen kann und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen sie verarbeitet werden.

Versicherer benötigen zentrale Transparenz und einheitliche Verschlüsselungskontrolle. Ein Beispiel dafür ist die CipherTrust Data Security-Plattform , mit ihr können sie kryptographische Schlüssel extern verwalten, Richtlinien bei allen Cloud-Anbietern durchsetzen und Souveränitätsanforderungen erfüllen, ohne die Innovation zu bremsen.

Risiken durch Dritte

Das Versicherungsgeschäft ist stark vernetzt. Schadensachbearbeiter, Gutachter, Rückversicherer und IT-Anbieter bilden ein komplexes Lieferantennetzwerk. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Mehrzahl von Sicherheitsverletzungen im Finanz- und Versicherungssektor auf Dritte zurückzuführen ist. Diese erfordern eine kontinuierliche Überwachung der Lieferanten sowie die Ausweitung von Datenschutzmaßnahmen über die Unternehmensgrenzen hinaus. Hinzu kommt die zunehmende Verbreitung von KI-Tools in Lieferantenumgebungen, wodurch sich das Risiko vervielfacht. Überschneidungen von Rechtsordnungen im internationalen Bereich, uneinheitliche Standards und grenzüberschreitende Datenströme machen die Governance zu einem beweglichen Ziel.

Umfassende Sicherheitslösungen mindern dieses Risiko, indem sie Verschlüsselung, Zugriffskontrolle und Audits auf Umgebungen von Drittanbietern ausweiten. Lieferanten können ihre Arbeit verrichten, jedoch nur innerhalb der für sie definierten Verantwortungsbereiche.

Von reaktiver Compliance zu proaktiver Resilienz

Eine strenge Einhaltung von Compliance-Vorgaben geht zudem eng mit einem effektiveren Schutzniveau einher. Unternehmen, die Compliance-Audits nicht bestehen, sind deutlich häufiger von Sicherheitsverletzungen betroffen: Nur sechs Prozent der Unternehmen, die ein Audit nicht bestanden haben, gaben an, noch nie eine Sicherheitsverletzung erlebt zu haben, verglichen mit 30 Prozent derjenigen, die alle Audits bestanden haben.

Um dies zu erreichen, müssen Versicherer den Datenschutz unter einem Dach vereinen:

  • Verschlüsseln der sensiblen Daten: at-Rest, in-Transit und in-Use.
  • Hoheit der kryptographischen Schlüssel durch externes Schlüsselmanagement
  • Compliance automatisieren: Audits durch ganzheitliche Visibilität und Reports vereinfachen
  • KI und Analysen integrieren, um Anomalien zu erkennen, Insider-Bedrohungen zu mindern und die Reaktion auf Vorfälle zu verbessern.

Sicherheitslösungen müssen diese Funktionen beinhalten. Sie müssen sensible Daten über verschiedene Umgebungen hinweg erkennen und klassifizieren. Nur dann können sie für die einheitliche Durchsetzung von Richtlinien und automatisierten Compliance-Workflows sorgen. Die Zusammenführung unterschiedlicher Tools verringert operative Reibungsverluste und stärkt gleichzeitig die Governance.

Im Ergebnis steht ein geringeres Risiko von Sicherheitsverletzungen, eine schnellere Reaktion auf Vorfälle, bessere Ergebnisse bei Audits und sogar potenzielle Senkungen der Prämien für Cyberversicherungen. Denn der Reifegrad der operationalen IT-Security wird zunehmend als Maßstab für die Versicherbarkeit herangezogen.

Sicherheit, die Vertrauen schafft

Für Versicherer darf der Weg zur Cloud- und KI-Transformation nicht auf Kosten der Kontrolle gehen. Versicherungsnehmer erwarten Vertraulichkeit, Aufsichtsbehörden verlangen Compliance und Vorstände fordern Ausfallsicherheit. Lösungen für das Schlüsselmanagement helfen Versicherern, alle drei Ziele zu erreichen: Sie schützen Daten unabhängig von ihrem Speicherort, gewährleisten die Datensouveränität und vereinfachen die Compliance in Multi-Cloud- und KI-Ökosystemen.