KI-Firewall

Check Point bringt KI-Schutz direkt auf die Unternehmensfirewall

Check Point bringt KI-Schutz direkt auf die Unternehmensfirewall

AI Network Firewall schützt KI-Anwendungen, Agenten und MCP-Verbindungen

KI-Anwendungen, autonome Agenten und neue Protokolle verändern den Datenverkehr in Unternehmensnetzen grundlegend. Klassische Firewalls erkennen zwar Verbindungen, verstehen aber häufig weder die Absicht eines Prompts noch die Risiken einer Interaktion mit einem KI-Modell. Check Point will diese Lücke nun schließen und erweitert bestehende Firewalls um eine speziell für KI-Kommunikation entwickelte Sicherheitsebene.

Check Point stellt mit der AI Network Firewall eine neue Generation KI-basierter Netzwerksicherheit vor. Die Lösung ist Bestandteil des Firewall Software Release R82.20 und soll Unternehmen dabei unterstützen, die Nutzung generativer KI, autonomer Agenten und KI-gestützter Anwendungen im gesamten Netzwerk zu erkennen, zu kontrollieren und abzusichern.

Check Point AI Firewall

Der entscheidende Unterschied zu vielen spezialisierten KI-Sicherheitslösungen: Unternehmen müssen keine zusätzliche Infrastruktur aufbauen. Die Schutzfunktionen werden über die von Check Point entwickelte AI Defense Plane direkt auf den bereits eingesetzten physischen und virtuellen Firewalls bereitgestellt.

Damit sollen bestehende Sicherheitskontrollen auf Zweigstellen, Rechenzentren sowie Cloud- und Multi-Cloud-Umgebungen ausgeweitet werden.

Neue Datenströme überfordern klassische Firewalls

Mit dem Einsatz generativer KI entsteht eine neue Kategorie von Netzwerkverkehr. Dazu gehören Prompts, Modellaufrufe, Interaktionen mit KI-Agenten sowie sensible geschäftliche Informationen, die an externe oder interne KI-Dienste übertragen werden.

Klassische Firewalls wurden jedoch nicht dafür entwickelt, die Bedeutung solcher Interaktionen zu analysieren. Sie können zwar erkennen, dass eine Verbindung zu einer KI-Plattform hergestellt wird, verfügen aber häufig nicht über den notwendigen Kontext, um den konkreten Anwendungsfall oder das damit verbundene Datenrisiko zu bewerten.

Nataly Kremer, Chief Product Officer bei Check Point
Nataly Kremer, Chief Product Officer bei Check Point

„Im Netzwerk laufen bereits alle Eingabeaufforderungen, Modellaufrufe und Interaktionen mit Agenten zusammen, doch herkömmliche Firewalls wurden nie dafür entwickelt, diese Aktivitäten zu erkennen oder zu steuern“, erklärt Nataly Kremer, Chief Product Officer bei Check Point.

Durch die Integration von KI-Sicherheitsfunktionen in bestehende Firewalls sollen Sicherheitsteams einen zentralen Kontrollpunkt erhalten, um die Einführung von KI-Anwendungen in Echtzeit zu begleiten.

Riskante KI-Interaktionen nehmen zu

Der Handlungsdruck wächst. Laut dem AI Security Report 2026 von Check Point Research erleben zwischen 87 und 93 Prozent der Unternehmen jeden Monat mindestens eine risikoreiche Interaktion mit generativer KI.

Gleichzeitig enthält inzwischen durchschnittlich einer von 25 Prompts sensible Unternehmensdaten, personenbezogene Informationen oder regulierte Inhalte. Der Anteil solcher Eingaben habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Die Zahlen verdeutlichen ein grundlegendes Problem: Viele Unternehmen führen KI-Anwendungen schneller ein, als ihre Sicherheits- und Governance-Strukturen angepasst werden können.

Dadurch entstehen neue Formen von Shadow AI. Mitarbeiter nutzen nicht freigegebene KI-Dienste, Entwickler integrieren externe Modelle in Anwendungen und autonome Agenten greifen auf interne Systeme, APIs oder Datenquellen zu.

Bestehende Firewalls werden zur KI-Kontrollinstanz

Check Point AI Firewall

Die AI Network Firewall soll bestehende Check-Point-Firewalls um Schutzfunktionen für drei zentrale Einsatzbereiche erweitern.

Sicherheitsteams sollen erkennen können, welche KI-Anwendungen, Agenten und Werkzeuge innerhalb des Unternehmens genutzt werden. Dabei werden sowohl genehmigte Lösungen als auch nicht autorisierte Shadow-AI-Anwendungen erfasst.

Die Plattform analysiert nicht nur den verwendeten Dienst, sondern auch den jeweiligen Nutzungskontext. Unternehmen können dadurch Richtlinien definieren, die den Zugriff auf bestimmte KI-Werkzeuge erlauben oder einschränken.

Gleichzeitig soll verhindert werden, dass sensible Informationen das Unternehmensnetzwerk über Prompts oder Dateiübertragungen verlassen.

Nach Angaben von Check Point Research nutzen Unternehmen durchschnittlich zehn unterschiedliche KI-Anwendungen pro Monat. Ein erheblicher Teil davon werde außerhalb formeller Freigabeprozesse eingesetzt.

Kontrolle von MCP-Kommunikation

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Model Context Protocol (MCP). Das Protokoll ermöglicht es KI-Modellen und Agenten, auf externe Werkzeuge, Datenquellen und Anwendungen zuzugreifen.

Die neue Firewall soll MCP-Kommunikation erkennen, verwendete Server und Tools sichtbar machen und Richtlinien für einzelne Interaktionen durchsetzen.

Die Absicherung solcher Verbindungen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Check Point Research zufolge wiesen 40 Prozent von 10.000 untersuchten MCP-Servern Sicherheitslücken auf.

Gerade bei autonomen Agenten kann ein unzureichend geschützter MCP-Server weitreichende Folgen haben. Angreifer könnten versuchen, Berechtigungen zu missbrauchen, Daten abzugreifen oder Aktionen innerhalb verbundener Unternehmenssysteme auszuführen.

Schutz vor Prompt Injection

Darüber hinaus soll die AI Network Firewall bösartige Prompts und Angriffsversuche blockieren, bevor sie ein Large Language Model erreichen.

Der Schutz erfolgt inline im Netzwerkverkehr und erfordert laut Check Point keine Änderungen an den betroffenen KI-Anwendungen.

Prompt-Injection-Angriffe gehören zu den zentralen Risiken beim Einsatz generativer KI. Dabei werden Modelle durch manipulierte Eingaben dazu gebracht, Sicherheitsregeln zu umgehen, vertrauliche Daten offenzulegen oder unerwünschte Aktionen auszuführen.

Check Point Research identifizierte nach eigenen Angaben 15.300 Payloads für indirekte Prompt-Injection-Angriffe auf öffentlich zugänglichen Webseiten. Rund 70 Prozent dieser Inhalte seien in Bereichen verborgen gewesen, die für menschliche Besucher nicht sichtbar sind, von automatisierten KI-Systemen jedoch verarbeitet werden können.

AI Defense Plane als zentrale Sicherheitsebene

Die AI Network Firewall ist Bestandteil der AI Defense Plane von Check Point. Dabei handelt es sich um eine einheitliche Architektur zur Erkennung, Steuerung und Absicherung von KI-Aktivitäten. Die Plattform soll KI-Sicherheit über verschiedene Umgebungen hinweg bündeln – darunter Netzwerke, Endgeräte, Cloud-Plattformen, Anwendungen und APIs.

Zu den zentralen Funktionen gehören:

  • Erkennung und Steuerung von KI-Anwendungen im Web und auf Endgeräten
  • Kontrolle von Programmierassistenten und lokalen KI-Agenten
  • Überwachung von SaaS-basierten KI-Agenten
  • Laufzeitschutz für KI-Anwendungen
  • Risikoanalyse für selbst entwickelte oder bereitgestellte KI-Systeme
  • Richtliniendurchsetzung für öffentliche und private Cloud-Umgebungen

Weitere Kontrollpunkte umfassen eine eigenständige API für selbstverwaltete Anwendungen, Endpunktschutz für Mitarbeiter, eine containerisierte Firewall für KI-Rechenzentren sowie eine Web Application Firewall.

Check Point verfolgt damit das Ziel, KI-Sicherheitsrichtlinien nicht als isolierte Einzellösung, sondern als durchgängige Kontrollschicht innerhalb der bestehenden Sicherheitsarchitektur zu etablieren.

Einheitliches Management für hybride Netzwerke

Parallel zur AI Network Firewall erweitert Check Point das zentrale Richtlinienmanagement seiner Plattform.

Über eine gemeinsame Konsole sollen Unternehmen künftig On-Premises-Firewalls, Cloud-Firewalls, AWS-native Firewalls, SD-WAN und SASE-Infrastrukturen verwalten können.

Sicherheits- und Konnektivitätsrichtlinien lassen sich dadurch innerhalb einer gemeinsamen Managementumgebung definieren und kontrollieren. Auch Integrationen mit Mikrosegmentierungslösungen wie Illumio sollen dazu beitragen, Firewall-Regeln automatisch an Veränderungen der Infrastruktur anzupassen.

Die Plattform setzt dabei verstärkt auf agentenbasierte Automatisierung. Richtlinien sollen dynamisch aktualisiert werden, sobald sich Anwendungen, Systeme oder Netzwerksegmente verändern.

Shadow AI lässt sich nicht allein durch Verbote stoppen

Die zunehmende Nutzung generativer KI stellt Unternehmen vor ein bekanntes Dilemma. Einerseits sollen Mitarbeiter und Entwickler innovative KI-Werkzeuge einsetzen können. Andererseits müssen sensible Daten, Zugriffsrechte und regulatorische Anforderungen geschützt werden. Reine Verbote dürften dieses Problem kaum lösen.

„Mitarbeiter werden weiterhin KI-Tools nutzen, um schneller voranzukommen – oft noch bevor Sicherheitsteams überhaupt wissen, dass diese Tools vorhanden sind“, sagt Chris Konrad, Vice President Global Cyber bei WWT.

Unternehmen benötigen deshalb Transparenz darüber, welche KI-Anwendungen, Agenten und MCP-Server mit ihrer Umgebung interagieren. Gleichzeitig müssen sie in der Lage sein, riskante oder nicht autorisierte Kommunikation zu blockieren.

Die Integration dieser Funktionen in bestehende Firewalls bietet einen pragmatischen Ansatz. Statt eine weitere isolierte Sicherheitslösung einzuführen, können Unternehmen einen bereits etablierten Kontrollpunkt im Netzwerk nutzen.

KI-Sicherheit wird zur Netzwerkaufgabe

Mit der AI Network Firewall reagiert Check Point auf eine grundlegende Verschiebung innerhalb der Unternehmens-IT. KI-Anwendungen sind längst nicht mehr nur einzelne Cloud-Dienste. Sie entwickeln sich zu verteilten Systemen aus Modellen, Agenten, APIs, Werkzeugen und Datenquellen.

Damit verändert sich auch die Rolle der Firewall. Sie muss künftig nicht nur Verbindungen und Datenpakete bewerten, sondern zunehmend auch den Kontext und die Absicht von KI-Interaktionen verstehen.

Ob sich die AI Network Firewall in der Praxis als wirksame Kontrollinstanz etabliert, hängt insbesondere von der Qualität der Erkennung, der Granularität der Richtlinien und der Zahl unterstützter KI-Dienste ab.

Der strategische Ansatz ist jedoch nachvollziehbar: KI-Sicherheit wird nicht durch eine weitere isolierte Speziallösung skalierbar, sondern durch die Integration in bestehende Sicherheits- und Netzwerkarchitekturen.