HSM Luna 7
BSI-Zulassung für Thales Luna 7: Hardware-Sicherheit für Behörden und KRITIS
Verschlüsselung für Behörden, KRITIS und Post-Quantum-Kryptografie
Von Armin Simon, Regional Director for Encryption Solutions Deutschland bei Thales
Mit der BSI-Zulassung für das Luna 7 Network Hardware-Sicherheitsmodul erreicht Thales einen wichtigen Meilenstein für die digitale Souveränität in Deutschland. Behörden können kryptografische Schlüssel und sensible Daten damit in einer unabhängig geprüften Hardware-Umgebung schützen. Zugleich zeigt die Zulassung, wie sich heutige Compliance-Anforderungen mit der Vorbereitung auf Post-Quantum-Kryptografie verbinden lassen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat das Thales Luna 7 Network Hardware-Sicherheitsmodul für den Einsatz in Umgebungen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen im öffentlichen Sektor zugelassen. Öffentliche Verwaltungen und Behörden können die Lösung damit auch zur Verarbeitung und zum Schutz von Informationen der Geheimhaltungsstufe VS-NfD – „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ – einsetzen.
Für Thales ist dies bereits die zweite bedeutende sicherheitsbehördliche Anerkennung innerhalb kurzer Zeit. Im Dezember 2025 war Luna 7 für die Geheimhaltungsstufe NATO Secret zertifiziert worden.
Hardware-Vertrauensbasis für sensible Daten
Hardware-Sicherheitsmodule, kurz HSMs , bilden in besonders schützenswerten IT-Infrastrukturen die technische Vertrauensbasis für kryptografische Prozesse. Sie erzeugen, speichern, verwalten und schützen Schlüssel und führen sicherheitskritische kryptografische Operationen in einer abgeschotteten Hardware-Umgebung aus.
Die Schlüssel sollen die geschützte HSM-Umgebung dabei zu keinem Zeitpunkt unkontrolliert verlassen. Auf diese Weise lassen sich unter anderem digitale Identitäten, Datenbanken, Anwendungen, Kommunikationsverbindungen und Cloud-Infrastrukturen absichern.
Die Architektur der Luna-7-Systeme unterstützt zudem Funktionen wie Remote-Management und Clustering. Damit können Organisationen ihre kryptografischen Ressourcen zentral verwalten, hochverfügbar betreiben und über mehrere Systeme hinweg skalieren.
BSI-Zulassung setzt strenge Prüfungen voraus

Damit ein kryptografisches Gerät eine Zulassung des BSI erhält, muss es umfangreiche Sicherheitsanforderungen erfüllen. Geprüft wird unter anderem, ob das System kryptografisches Schlüsselmaterial zuverlässig schützt, Manipulationsversuchen widersteht und eine vertrauenswürdige Betriebsumgebung bereitstellt.
Nur entsprechend zugelassene Produkte dürfen für bestimmte Verschlusssachen und besonders sensible Einsatzszenarien verwendet werden. Für Behörden reduziert eine solche Prüfung den eigenen Bewertungsaufwand und schafft eine belastbare Grundlage für Beschaffung, Betrieb und Compliance.
Die Bedeutung der Zulassung reicht jedoch über die öffentliche Verwaltung hinaus. Auch Finanzdienstleister, Energieversorger, Gesundheitseinrichtungen, Telekommunikationsunternehmen, Cloud-Anbieter und Betreiber kritischer Infrastrukturen sind zunehmend auf die Integrität ihrer kryptografischen Systeme angewiesen.
Kryptografische Sicherheit wird zur Geschäftsgrundlage
Verschlüsselung ist längst nicht mehr nur ein Spezialthema für Verteidigungsbehörden oder besonders abgeschottete Sicherheitsbereiche. Kryptografische Schlüssel sichern heute Geschäftsprozesse, digitale Identitäten, Softwarelieferketten, Zahlungsverkehr, Cloud-Dienste und vernetzte Infrastrukturen.
Werden diese Schlüssel kompromittiert, können die Folgen weit über einen einzelnen Sicherheitsvorfall hinausgehen. Angreifer könnten sensible Daten entschlüsseln, digitale Signaturen missbrauchen, Identitäten vortäuschen oder vertrauenswürdige Kommunikationswege manipulieren.
Für Unternehmen geht es deshalb nicht allein um Datenschutz. Ebenso betroffen sind Geschäftskontinuität, regulatorische Nachweisfähigkeit und das Vertrauen von Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden.
Jede Komponente der kryptografischen Kette muss daher überprüfbar und belastbar sein. Schlüssel benötigen einen klar definierten, geschützten Speicherort. Gleichzeitig muss nachvollziehbar sein, auf welcher Hardware kryptografische Prozesse ausgeführt werden und welche unabhängigen Prüfungen diese Hardware durchlaufen hat.
Zertifizierungen für ein höheres Sicherheitsniveau
Neben der BSI-Zulassung verfügt Luna 7 über weitere international anerkannte Sicherheitsnachweise. Nach Angaben von Thales war die Lösung das erste Hardware-Sicherheitsmodul der Branche, das nach FIPS 140-3 Level 3 validiert wurde.
Der US-amerikanische Standard FIPS 140-3 definiert Anforderungen an kryptografische Module. Level 3 umfasst unter anderem erweiterte Vorgaben für den physischen Schutz, die Authentifizierung und den Umgang mit sensiblen Sicherheitsparametern.
Gegenüber dem Vorgängerstandard berücksichtigt FIPS 140-3 zudem modernisierte Prüf- und Sicherheitsanforderungen. Dazu zählen ein stärkerer Schutz über den gesamten Lebenszyklus sowie Maßnahmen gegen physische Manipulationen und Seitenkanalangriffe.
Ergänzt wird dies durch eine Common-Criteria-Zertifizierung. Die Common Criteria gelten weltweit als etablierter Rahmen für die unabhängige Bewertung der Sicherheit von IT-Produkten. Für Organisationen in stark regulierten Branchen liefern solche Zertifizierungen einen zusätzlichen Nachweis, dass zentrale Sicherheitsfunktionen nicht ausschließlich auf Herstellerangaben beruhen.
Vorbereitung auf Post-Quantum-Kryptografie
Die BSI-Zulassung adressiert nicht nur aktuelle Sicherheits- und Compliance-Anforderungen. Luna 7 soll zugleich den Übergang zur nächsten Generation kryptografischer Verfahren unterstützen.
Mit leistungsfähigen Quantencomputern könnten heute verbreitete asymmetrische Verschlüsselungs- und Signaturverfahren langfristig angreifbar werden. Unternehmen und Behörden müssen sich daher frühzeitig mit Post-Quantum-Kryptografie beschäftigen.
Dabei reicht es nicht aus, einzelne Algorithmen auszutauschen. Organisationen benötigen Krypto-Agilität: Kryptografische Verfahren, Schlüssel und Zertifikate müssen inventarisiert, zentral gesteuert und bei Bedarf kontrolliert migriert werden können.
Hardware-Sicherheitsmodule übernehmen in dieser Architektur eine zentrale Rolle. Sie schützen nicht nur bestehende Schlüssel, sondern können auch dazu beitragen, neue standardisierte PQC-Algorithmen sicher in Anwendungen und Infrastrukturen zu integrieren.
Unabhängige Validierung schafft Planungssicherheit
Für CISOs in Behörden, KRITIS-Unternehmen und stark regulierten Branchen bietet die BSI-Zulassung eine nachvollziehbare Grundlage für Sicherheits- und Beschaffungsentscheidungen. Statt sich allein auf technische Leistungsbeschreibungen zu verlassen, können Verantwortliche auf eine unabhängige behördliche Prüfung zurückgreifen.
Dies kann die Umsetzung regulatorischer Anforderungen vereinfachen und gleichzeitig die langfristige Modernisierung kryptografischer Infrastrukturen unterstützen.
Der entscheidende Vorteil liegt damit nicht nur im Schutz heutiger Schlüssel. Eine zertifizierte und krypto-agile Hardware-Basis schafft die Voraussetzung dafür, auf neue Bedrohungen, regulatorische Änderungen und kommende Verschlüsselungsstandards reagieren zu können, ohne die gesamte Sicherheitsarchitektur neu aufbauen zu müssen.