Identity Governance

Okta erweitert Identity Governance: Zero Standing Privilege soll auch für KI-Agenten gelten

Okta erweitert Identity Governance: Zero Standing Privilege soll auch für KI-Agenten gelten

KI-Agenten werden zu einer neuen Klasse privilegierter Identitäten

KI-Agenten verändern das Identity Management grundlegend: Zugriffsentscheidungen werden häufiger, dynamischer und zunehmend von Maschinen statt von Menschen ausgelöst. Damit geraten klassische Berechtigungsmodelle mit dauerhaft vergebenen Rechten und statischen Credentials unter Druck. Okta reagiert darauf mit neuen Funktionen für Identity Governance und Privileged Access und will Menschen, Workloads und KI-Agenten über eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur kontrollieren.

Identity Governance wird zur Grundlage für Agentic Security

Okta erweitert Okta Identity Governance (OIG) und Okta Privileged Access (OPA) um Funktionen, die insbesondere auf automatisierte und nicht-menschliche Identitäten ausgerichtet sind. Gleichzeitig sollen erweiterte Möglichkeiten zur Erkennung von Identitätsbedrohungen hinzukommen, die aus der angekündigten Übernahme von Permiso Security hervorgehen.

Das strategische Ziel ist klar: Unternehmen sollen Zugriffsrechte nicht mehr punktuell überprüfen, sondern Identitäten und Berechtigungen kontinuierlich kontrollieren können. Gerade mit der zunehmenden Nutzung autonom arbeitender KI-Agenten wird das relevant. Diese benötigen häufig Zugriff auf Anwendungen, Datenbanken, APIs, Cloud-Ressourcen oder Entwicklungsumgebungen – und können dabei innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Aktionen ausführen als menschliche Nutzer.

Permanente Berechtigungen entwickeln sich deshalb zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko. Statische Credentials, Service Accounts und dauerhaft privilegierte Konten schaffen Angriffsmöglichkeiten, die sich mit der zunehmenden Automatisierung weiter vervielfachen.

Ely Kahn, Chief Product Officer bei Okta
Ely Kahn, Chief Product Officer bei Okta, Copyright Okta Inc.

„Niemand will die KI-Entwicklung ausbremsen, aber man kann nicht bloß Zugriffsrechte vergeben und hoffen, dass nichts schiefgeht“, erklärt Ely Kahn, Chief Product Officer bei Okta. Unternehmen benötigten eine zentrale Möglichkeit, menschliche Nutzer, KI-Agenten und nicht-menschliche Workloads zu verwalten, abzusichern und zu überwachen.

Governance soll Zugriffsentscheidungen automatisieren

Mit der zunehmenden Cloud-Nutzung ist Identity Governance vielerorts selbst zu einem operativen Engpass geworden. Manuelle Freigaben, komplexe Berechtigungsstrukturen und lange Genehmigungsprozesse stehen dem Anspruch entgegen, neue Anwendungen, Workloads und KI-Systeme schnell bereitzustellen.

Okta will deshalb stärker auf automatisierte und kontextabhängige Entscheidungen setzen.

Zu den angekündigten Erweiterungen von Okta Identity Governance gehört ein detaillierteres Berechtigungsmanagement für AWS. Zugriffsrechte von Entwicklern, KI-Agenten und Workloads sollen damit zentral nachvollzogen werden können, ohne klassische Kontrollmechanismen wie die Aufgabentrennung aufzugeben.

Intelligente Empfehlungen sollen gleichzeitig Zugriffsanfragen vereinfachen. Mitarbeiter können Berechtigungen beispielsweise über Slack, ServiceNow oder das Okta-Dashboard beantragen. Kontextinformationen sollen Verantwortlichen helfen, legitime Anfragen schneller zu bewerten und ein rein mechanisches Abzeichnen von Berechtigungen zu reduzieren.

Hinzu kommt eine automatisierte Erkennung von Abweichungen. Nicht genehmigte Veränderungen an Zugriffsrechten sollen unmittelbar erkannt und unzulässige Berechtigungen automatisch widerrufen werden können. Damit verschiebt sich Identity Governance von periodischen Audits hin zu einer kontinuierlichen Kontrolle.

Nach Angaben einer von Forrester Consulting durchgeführten Studie konnten Unternehmen mit der Okta-Plattform neue Anwendungen 75 Prozent schneller integrieren. Gleichzeitig wurde ein Gesamt-ROI von 216 Prozent ermittelt. KI soll Integrationen innerhalb von 48 Stunden ermöglichen

Ein weiterer Ansatz betrifft die Integration neuer Anwendungen.

Okta verfügt bereits über einen Katalog mit mehr als 8.000 vorgefertigten Integrationen. Mithilfe von KI sollen zusätzliche Integrationen für Governance und privilegierte Zugriffe künftig innerhalb von 48 Stunden bereitgestellt werden können.

Bislang kann ein entsprechender manueller Integrationsprozess nach Angaben des Unternehmens zwei bis drei Monate dauern.

Gerade im Agentic Enterprise könnte diese Geschwindigkeit relevant werden. Denn mit jedem neuen KI-Agenten, SaaS-Dienst oder automatisierten Workflow steigt die Zahl der Identitäten und Abhängigkeiten, die Unternehmen kontrollieren müssen. Zero Standing Privilege statt dauerhafter Administratorrechte Noch entscheidender wird die Frage bei privilegierten Zugriffen.

Governance definiert, wer Zugriff erhalten darf. Privileged Access Management muss zusätzlich sicherstellen, dass dieser Zugriff nur so lange besteht, wie er tatsächlich benötigt wird.

Genau hier setzt das Konzept des Zero Standing Privilege (ZSP) an. Privilegierte Rechte sollen nicht dauerhaft vergeben, sondern situationsabhängig und zeitlich begrenzt bereitgestellt werden.

Das reduziert die Angriffsfläche erheblich. Denn gestohlene Zugangsdaten gehören weiterhin zu den wichtigsten Einfallstoren bei Cyberangriffen. Laut Verizon sind 39 Prozent der untersuchten Sicherheitsverletzungen mit dem Missbrauch von Credentials verbunden.

Okta Privileged Access soll deshalb Just-in-Time-Zugriffe nicht nur für Administratoren, sondern zunehmend auch für Workloads und KI-Agenten durchsetzen.

Datenbanken, Kubernetes und Netzwerkgeräte unter einer Zugriffskontrolle

Zu den neuen Funktionen gehört eine einheitliche Datenbanksicherheit, über die Richtlinien für Server, SaaS-Konten und Active Directory zentral durchgesetzt werden können. Datenbank-Credentials sollen automatisiert gespeichert und rotiert werden. Auch Kubernetes-Umgebungen rücken stärker in den Fokus. Service-Account-Tokens müssen bei dynamisch skalierenden Anwendungen bislang häufig fest hinterlegt oder separat verwaltet werden. Okta will diese Prozesse automatisieren und damit langlebige Credentials vermeiden.

Die Privileged-Access-Abdeckung wird außerdem auf Netzwerkgeräte wie Router, Firewalls und Switches ausgeweitet. Gerade solche Komponenten verfügen in vielen Unternehmen noch über separat verwaltete administrative Zugänge und können dadurch außerhalb zentraler Identity-Governance-Prozesse liegen.

KI-Agenten brauchen Machine-Speed Identity Security

Besonders relevant für das Agentic Enterprise ist der Schutz automatisierter Workloads. CI/CD-Pipelines, Maschinenidentitäten und KI-Agenten arbeiten mit einer Geschwindigkeit, die klassische manuelle Freigabeprozesse faktisch ausschließt. Identity Security muss deshalb ebenfalls automatisiert reagieren können.

Okta will Workloads und KI-Agenten ermöglichen, benötigte Credentials kontrolliert abzurufen, ohne permanente Zugangsdaten in Anwendungen oder Automatisierungsprozessen zu hinterlegen.

Gleichzeitig soll nachvollziehbar bleiben, welche automatisierte Identität welche Aktion durchgeführt hat und welcher menschliche oder organisatorische Verantwortliche dahintersteht.

Damit wird ein bislang häufig unterschätztes Problem sichtbar: Agentic AI ist nicht nur eine neue Anwendungsklasse, sondern erzeugt eine neue Klasse privilegierter Identitäten

Permiso soll die Identity Threat Detection verstärken

Zugriffskontrolle allein reicht jedoch nicht aus. Unternehmen müssen auch erkennen können, wenn legitime Identitäten missbraucht werden oder sich ungewöhnlich verhalten.

Hier soll Permiso Security eine zentrale Rolle spielen. Okta hatte im August 2026 angekündigt, das Unternehmen übernehmen zu wollen. Permiso analysiert Identitätsrisiken und verdächtige Aktivitäten über verschiedene Identity Provider, Cloud-Umgebungen und SaaS-Anwendungen hinweg. Die Technologie soll Oktas bestehende Fähigkeiten für Identity Threat Detection and Response erweitern. Damit entsteht ein integrierter Ansatz aus Governance, privilegierter Zugriffskontrolle und Angriffserkennung für menschliche sowie nicht-menschliche Identitäten.

Arkadiusz Krowczynski, Principal Product Acceleration Specialist bei Okta
Arkadiusz Krowczynski, Principal Product Acceleration Specialist bei Okta, Copyright Okta Inc.

Arkadiusz Krowczynski, Principal Product Acceleration Specialist bei Okta Deutschland, sieht gerade im DACH-Markt zusätzlichen Handlungsbedarf. Unternehmen müssten neben Sicherheitsrisiken zunehmend auch Token-Kosten, Schatten-KI und unkontrollierte Agentenstrukturen beherrschen.

Die eigentliche Veränderung reicht damit über klassisches Identity and Access Management hinaus.

Je autonomer KI-Agenten werden, desto weniger funktioniert Sicherheit nach dem Prinzip: Ein Nutzer meldet sich an, erhält Rechte und arbeitet anschließend innerhalb eines definierten Systems. Agenten können Anwendungen verbinden, Daten abrufen, Aktionen auslösen und weitere automatisierte Prozesse initiieren.

Identity Governance wird dadurch zu einer zentralen Kontrollschicht für Unternehmens-KI.

Das Zero-Standing-Privilege-Prinzip könnte dabei zu einem wichtigen Architekturmodell werden: KI-Agenten erhalten nicht dauerhaft Zugriff auf Systeme, sondern lediglich die für eine konkrete Aufgabe notwendigen Rechte – für einen möglichst begrenzten Zeitraum.

Damit verschiebt sich die zentrale Sicherheitsfrage des Agentic Enterprise. Entscheidend ist künftig nicht nur, welche KI ein Unternehmen einsetzt, sondern auch, welche Identität dieser KI zugrunde liegt, welche Ressourcen sie erreichen darf und wie schnell diese Rechte wieder entzogen werden können.