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Die Rolle des CISO steht vor einem tiefgreifenden Wandel

Die Rolle des CISO steht vor einem tiefgreifenden Wandel

Wie sich Cybersecurity neu definiert

Von Joeri Barbier, CISO bei Getronics

Die Rolle des Chief Information Security Officers (CISO) steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Technologische Innovationen, geopolitische Verschiebungen und neue regulatorische Vorgaben verändern das Berufsbild spürbar. Aus einer vorwiegend technischen Sicherheitsfunktion wird zunehmend eine strategische Führungsrolle – mit einem klaren Fokus auf Vertrauen, Verantwortung und Resilienz.

Joeri Barbier, CISO bei Getronics

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Cybersicherheit. Die Datenmengen, die heute geschützt werden müssen, sind längst zu groß, um sie rein menschlich zu bewältigen. KI-Systeme übernehmen daher immer häufiger Aufgaben wie die Analyse von Bedrohungen und die Abwehr von Angriffen in Echtzeit. Dennoch bleibt der Mensch unverzichtbar. CISOs tragen die Verantwortung dafür, dass KI kontrolliert, transparent und innerhalb klarer ethischer Leitplanken eingesetzt wird – insbesondere dort, wo sensible medizinische oder personenbezogene Daten betroffen sind.

Parallel dazu wirft das rasante Fortschreiten des Quantencomputings seine Schatten voraus. Bestehende Verschlüsselungsverfahren könnten in Zukunft an Wirksamkeit verlieren. Unternehmen sind daher gut beraten, sich schon heute mit quantensicherer Kryptografie und neuen Schutzmechanismen auseinanderzusetzen. Auch das fällt zunehmend in den Verantwortungsbereich moderner Sicherheitsverantwortlicher.

Hinzu kommt die wachsende Hyperkonnektivität. Technologien wie 6G und das Internet der Dinge vernetzen immer mehr Systeme miteinander. Gleichzeitig verschmelzen Operational Technology (OT) und klassische IT-Infrastrukturen. Dadurch entstehen neue Angriffsflächen, die gezielt abgesichert werden müssen – etwa durch Zero-Trust-Modelle, konsequentes Device Hardening und eine klare Segmentierung von Netzwerken.

Auch geopolitische Spannungen und Fragen der Datensouveränität verschärfen die Anforderungen an die Cyberresilienz. Staatlich unterstützte Cyberangriffe, Ransomware-Kampagnen und instabile globale Lieferketten zwingen Unternehmen dazu, ihre Daten- und Sicherheitsstrategien neu zu denken. Um regulatorische Vorgaben wie NIS2 oder DORA zu erfüllen und gleichzeitig digitale Abhängigkeiten zu reduzieren, setzen viele Organisationen inzwischen auf Multi-Cloud- oder Multi-Country-Strategien.

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Rolle des CISO immer stärker zu einer Schnittstelle zwischen Technologie, Management und Ethik. Neben dem Schutz von Systemen und Daten geht es zunehmend darum, Vertrauen bei Kunden und Partnern aufzubauen, Mitarbeitende für Sicherheitsfragen zu sensibilisieren und das Management bei Themen wie Regulierung, KI-Einsatz und technologischer Transformation zu beraten. Da sich Cyberangriffe nie vollständig vermeiden lassen, rückt zudem die Resilienz in den Fokus: Angriffe frühzeitig erkennen, wirksam reagieren und den Geschäftsbetrieb schnell wiederherstellen.

Der CISO der Zukunft ist damit nicht mehr nur Hüter der IT-Sicherheit, sondern Gestalter von Vertrauen und Verantwortlichkeit. Gefragt sind Führungspersönlichkeiten, die technologische Kompetenz mit ethischem Bewusstsein und strategischer Weitsicht verbinden – um Unternehmen sicher, resilient und zukunftsfähig durch eine immer komplexere digitale Welt zu führen.