PKI-Compliance

PKI-Compliance: Neue Regulierungen stellen Finanzinstitute vor dringenden Handlungsbedarf

PKI-Compliance: Neue Regulierungen stellen Finanzinstitute vor dringenden Handlungsbedarf

Warum Finanzdienstleister ihr Schlüssel- und Zertifikatsmanagement aufrüsten sollten

Von Jiannis Papadakis, Director of Solutions Engineering bei Keyfactor

In vielen Finanzinstituten genießt die Public Key Infrastructure (PKI) immer noch nicht den Stellenwert, den sie eigentlich haben sollte.

Jiannis Papadakis
Jiannis Papadakis, Director of Solutions Engineering bei Keyfactor

Häufig fehlen spezialisierte Teams oder moderne Werkzeuge, um Schlüssel und Zertifikate effizient zu verwalten.

Dabei gehört starke Kryptografie – und damit ein sauberes, verlässliches Key- und Zertifikatsmanagement – zu den Grundpfeilern jeder Sicherheitsarchitektur. Für Banken und Finanzdienstleister gilt das in besonderem Maße. Mittlerweile fordern nahezu alle relevanten Compliance-Richtlinien ein professionelles PKI-Management – und zwar nachweislich.

  • Die DORA-Verordnung verlangt etwa kryptografische Kontrollen, die die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten selbst im Ernstfall gewährleisten.
  • PCI DSS v4.0 schreibt ein strukturiertes Inventar kryptografischer Assets sowie ein Lifecycle-Management für Schlüssel vor.
  • NIS2 fordert klare Governance-Richtlinien rund um Schlüssel, Zertifikate und Identitäten – insbesondere in komplexen Lieferketten und hybriden IT-Umgebungen.
  • Und auch Bankenaufsichten wollen heute nachvollziehbar sehen, dass Institute bereit sind für die Umstellung auf quantensichere Kryptografie (PQC).

Diese Vorgaben müssen nicht nur umgesetzt, sondern auch regelmäßig überprüft, validiert und sauber dokumentiert werden. Doch genau das wird zunehmend zur Herausforderung.

Wachsende PKI-Landschaften, schrumpfende Übersicht

Die Zahl der zu verwaltenden Zertifikate und Schlüssel steigt seit Jahren rasant – ein Ende ist nicht in Sicht. Gleichzeitig fehlt vielen IT-Abteilungen die nötige Transparenz über ihre PKI-Umgebungen. Noch immer arbeiten zahlreiche Finanzinstitute mit manuellen Prozessen: Tabellen, Ticketsysteme, Shell-Skripte. Das ist fehleranfällig und riskant.

Ein übersehenes, ausgelaufenes oder kompromittiertes Zertifikat kann ganze Systeme lahmlegen. Auch der unkontrollierte Einsatz selbstsignierter Zertifikate in IT- und Dev-Teams bleibt so oft unentdeckt. Das erschwert nicht nur den sicheren Betrieb, sondern auch die Erstellung der verpflichtenden Reports und Audit-Unterlagen.

Was Finanzinstitute nachweisen müssen

IT-Abteilungen müssen jederzeit belegen können, dass ihre PKI

  1. vollständig transparent ist – inklusive eines Echtzeit-Inventars aller Schlüssel, Zertifikate und kryptografischen Assets.
  2. Governance-Richtlinien konsequent durchsetzt – mit klar nachvollziehbaren Prüfpfaden (z. B. CA-Herkunft, Algorithmus, Schlüssellänge).
  3. Risiken erkennt und reduziert – etwa durch Metriken zur mittleren Erneuerungszeit (MTTRenew) abgelaufener oder falsch konfigurierter Zertifikate.
  4. krypto-agil ist – also jederzeit bereit für neue Algorithmen, hybride klassische/Post-Quantum-Zertifikate und künftige PQC-Anforderungen. Manuell ist das kaum noch machbar.

Warum moderne PKI-Management-Lösungen unverzichtbar werden

Um diese wachsenden Anforderungen zu beherrschen, brauchen Finanzdienstleister eine integrierte technische Lösung. Moderne PKI-Management-Plattformen arbeiten hochautomatisiert und setzen definierte Richtlinien im Hintergrund durch.

Sie ermöglichen unter anderem:

  • eine einheitliche, vollständige Bestandsaufnahme aller Zertifikate und Schlüssel
  • die automatisierte Ausstellung, Erneuerung und den Widerruf von Zertifikaten
  • deutlich höhere Krypto-Agilität
  • automatisierte Compliance-Berichte – in Echtzeit

Kurz gesagt: Sie entlasten die IT-Teams spürbar und sorgen dafür, dass regulatorische Vorgaben zuverlässig erfüllt werden.