Operative Innovation

Zwischen Alarmflut und Innovationskraft

, PagerDuty | Autor: Lee Fredricks

Operative Innovation – eine strategischen Disziplin

Von Lee Fredricks, EMEA Solutions Consulting Director & Field CTO, PagerDuty

Wenn in IT-Abteilungen ständig neue Alarmmeldungen eingehen, bleibt für proaktive, operative Verbesserungen oft keine Zeit. Genau das erleben viele Operations-Teams derzeit und der Alltag ist geprägt von Störungsbehebung statt von strategischer Weiterentwicklung. Dabei zeigt sich zunehmend, dass gerade der Umgang mit Vorfällen und Ausfällen zum Ausgangspunkt für echten Fortschritt werden kann, wenn Unternehmen die richtigen Weichen stellen.

Lee Fredricks, EMEA Solutions Consulting Director & Field CTO, PagerDuty

Für diesen Fortschritt gibt es einen Begriff: operative Innovation. Er wird oft als reine Effizienzübung hinter den Kulissen missverstanden, tatsächlich entwickelt er sich jedoch zunehmend zu einer strategischen Disziplin. Je tiefer KI in die täglichen Betriebsabläufe vordringt, desto klarere Wege brauchen IT-Verantwortliche, um Routineaufwand zu reduzieren, Risiken zu senken und Freiräume für Innovation zu schaffen. Für viele Operations-Teams beginnt dies bei der Bearbeitung von Störungen und IT-Incidents. Wenn Mitarbeitende in lauten Alarmfluten, manuellen Eskalationen und fragmentierten Workflows gefangen sind, rückt Innovation in den Hintergrund, verdrängt durch die dringende Aufgabe, die Verfügbarkeit der Systeme aufrechtzuerhalten.

Innovation sollte dabei praktischer verstanden werden, nicht als Marktdisruption oder radikale Neuerfindung, sondern als kontinuierliche Verbesserung. Wiederholbare, skalierbare und durchgehend verfügbare KI-Prozesse setzen genau hier an. Sie verbessern Arbeitsabläufe im gesamten Unternehmen fortlaufend, gerade dort, wo die operativen Anforderungen besonders hoch sind. So wird operative Innovation zum Weg für nachhaltige Fortschritte bei Resilienz, Geschwindigkeit und Teamproduktivität. Die Vorreiter setzen dabei nicht auf KI um jeden Preis, sondern auf das Zusammenspiel aus KI-gestützten Betriebsabläufen, menschlicher Aufsicht und kontinuierlichem Lernen.

Der Druck hat sich verlagert

Die Herausforderung geht heute über das reine Aufrechterhalten von Verfügbarkeit und Servicequalität um jeden Preis hinaus. Wachsende Systemkomplexität, uneinheitliche Tools, steigende Erwartungen der Fachbereiche und der wachsende Bedarf an KI-gestützten Services fordern moderne Operations-Teams zunehmend heraus, während gleichzeitig die gewachsenen IT-Landschaften weiterlaufen müssen. Ausfälle sind unter diesen Bedingungen kaum noch zu vermeiden. Umso wichtiger wird es, Vorfälle über Teamgrenzen hinweg schneller zu erkennen, zu priorisieren, zu eskalieren und zu lösen.

Operative Innovation zeigt sich konkret darin, die Flut an Warnmeldungen einzudämmen, Probleme schneller an die richtigen Personen weiterzuleiten und Kolleginnen und Kollegen genug Kontext für schnelle Entscheidungen zu geben. Dabei muss KI von Anfang an mitgedacht werden. Störungen bedeuten hier längst nicht mehr nur offensichtliche Ausfallzeiten. Oft läuft ein System technisch weiter, liefert aber schleichend schlechtere Ergebnisse, ein KI-Modell wird zunehmend ungenauer, oder im Ernstfall ist unklar, welches Team überhaupt zuständig ist.

Dass Teams mit dieser Vielschichtigkeit oft überfordert sind, liegt selten an fehlendem Willen. Meist stehen vier Hürden im Weg

Silos zwischen IT und den Fachbereichen

Fehlende Abstimmung führt zu doppelter Arbeit, fragmentierten Workflows und langsameren Reaktionszeiten bei IT-Incidents, wenn Teams nicht dieselbe Sicht auf Prioritäten, Zuständigkeiten oder die Auswirkungen auf den Kunden haben. Am Ende fließt Budget in Tools und Projekte, ohne dass daraus wahrer strategischer Fortschritt entsteht. Entscheidend ist echte Einigkeit über gemeinsame Ziele, nicht nur ein gemeinsamer Blick auf Status-Updates und Berichte.

Widerstand gegen Veränderung

Neue Arbeitsabläufe scheitern häufig, wenn Führungskräfte sich nur auf die Einführung von Tools beschränken und dabei Gewohnheiten, Vertrauen und Schulung der Mitarbeitenden vernachlässigen. Bei der Bearbeitung von Ereignissen ist das besonders kritisch, denn selbst der beste Prozess hilft nur, wenn Verantwortliche ihn auch unter Druck konsequent anwenden.

Komplexität und Frustration

Zu viele unverbundene Routinen geben Teams das Gefühl, gegen die Systeme zu arbeiten statt mit ihnen. Priorisierung dauert länger, der manuelle Aufwand steigt, und für Verbesserungen am Ablauf selbst bleibt kaum noch Zeit.

Stark eingeschränkte Kapazitäten

Der Arbeitstag wird von Alarmierungen, Meetings, sich wiederholenden Aufgaben und ständigem Kontextwechsel bestimmt. Wenn Fachkräfte ihre Zeit damit verbringen, Informationen zusammenzusuchen oder Arbeit zu koordinieren, bleibt Innovation auf der Strecke.

Operative Workflows und Prozesse verbessern

Diese Hürden lassen sich nicht über Nacht auflösen, wohl aber Schritt für Schritt abbauen. Operative Innovation muss dafür nicht kompliziert sein. Oft reichen einfache, aber wirkungsvolle Verbesserungen im Arbeitsalltag, um spürbar etwas zu bewegen.

KI hilft dort am meisten, wo sie Muster in großen Datenmengen erkennt, Warnmeldungen nach Dringlichkeit sortiert, die Erstbewertung von IT-Incidents beschleunigt und Wissen zusammenführt, das sonst über verschiedene Systeme verstreut wäre. Wichtig dabei ist jedoch zu verstehen, dass generische KI-Modelle hier wenig bringen. Nur KI-Systeme, die auf die eigene Systemlandschaft eines Teams trainiert sind, liefern verlässlich relevante Ergebnisse. Bei neuartigen Störungen, schwierigen Abwägungen und Entscheidungen mit direkten Auswirkungen auf Kunden bleibt dagegen weiterhin menschliches Urteilsvermögen gefragt, das kann und soll KI nicht ersetzen.

Operative Innovation ist damit längst eine Führungsaufgabe geworden, und die bedeutet nicht automatisch, immer mehr Tools einzuführen. Am Ende sind nicht die Teams am erfolgreichsten, die am meisten KI einsetzen, sondern diejenigen, die KI und Automatisierung am gezieltesten nutzen. Konkret bedeutet das, den Teams frühzeitig den richtigen Kontext zu liefern, wiederkehrende Behebungsschritte zu automatisieren und klare Wege zur Lösung zu schaffen. Wer Probleme früher erkennt, überflüssige Eskalationsstufen streicht, Routineaufgaben automatisiert und die MTTR, also die durchschnittliche Zeit bis zur Behebung, verkürzt, schafft damit mehr Zeit für die eigentlich wertvolle Arbeit der erfahrenen Fachkräfte.

Sieben bewährte Praktiken helfen Unternehmen dabei, herauszufinden, welche Geschäftsprozesse sich ändern müssen.

1. Klare Innovationsstrategie: Führende Unternehmen verstehen operative Innovation als festen Bestandteil ihrer Gesamtstrategie und als entscheidend für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Sie vermitteln diese Vision an ihre Mitarbeitenden und holen aktiv Ideen und Feedback ein.

2. Bereichsübergreifende Zusammenarbeit: In Unternehmen mit guter operativer Praxis arbeiten Teams über Bereichsgrenzen hinweg zusammen, statt sich in Silos zu isolieren. Wichtige Informationen erreichen schnell die richtigen Personen. So entsteht ein Austausch, bei dem sichtbar wird, welchen Beitrag jeder Unternehmensbereich leistet.

3. Innovationskultur: In Unternehmen mit echter Innovationskultur trauen sich Mitarbeitende, offen zu kommunizieren, auszuprobieren und auch mal ein Risiko einzugehen, weil sie wissen, dass gute Ideen honoriert werden statt Fehler bestraft. KI und Automatisierung leisten hier einen konkreten Beitrag, sie nehmen Mitarbeitenden Routineaufgaben ab, reduzieren ständige Kontextwechsel und schaffen Raum für Arbeit, die wirklich zählt.

4. Neues Verständnis von Arbeit: Die innovativsten Unternehmen hinterfragen jeden Aspekt ihrer Arbeitsweise. Sie denken das Wann, Wo, Wie und Wer neu, ebenso wie die Frage, welche Ergebnisse eigentlich zählen sollen.

5. Etabliertes Datenmanagement: Daten gelten hier als wertvolles Gut, Analysen fließen konsequent in Entscheidungen ein. Verantwortungsvolles Datenmanagement und klare Governance-Strukturen gehen dabei Hand in Hand mit Schulungsangeboten, die Mitarbeitenden den Umgang mit Daten näherbringen.

6. Investitionen in innovationsfördernde Technologie: KI, Automatisierung und maschinelles Lernen optimieren Workflows, bauen technische Schulden ab und verschaffen Mitarbeitenden mehr Freiräume. In der Praxis heißt das, veraltete Prozesse und verstreute Werkzeuge schrittweise durch integrierte, automatisierte Abläufe zu ersetzen, damit Teams schneller und mit weniger manuellem Aufwand arbeiten können.

7. Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Partnern: Unternehmen, die operative Innovation ernst nehmen, kennen die Stärken der eigenen Belegschaft genau und suchen sich gezielt Partner, die das IT-Team mit den nötigen Ressourcen unterstützen und helfen, strategische Ziele für Innovationsinitiativen zu setzen.

Gemeinsam sorgen diese Eigenschaften bei führenden Unternehmen immer wieder dafür, dass operative Innovation tatsächlich Wert schafft. Aus Strategie wird so eine bessere Bearbeitung von Vorfällen, und Teams gewinnen gewinnen Raum für die Arbeit, die das Unternehmen wirklich voranbringt.