Greenfield-Transformation

Telenot modernisiert Unternehmensprozesse mit SAP S/4HANA Cloud und Salesforce

, Telenot | Autor: Herbert Wieler

SAP S/4HANA Cloud und Salesforce: Telenot setzt auf Greenfield-Transformation

Die Telenot Gruppe stellt ihre digitale Infrastruktur grundlegend neu auf und verbindet künftig SAP S/4HANA Cloud Public Edition mit Salesforce Sales Cloud und Service Cloud. Statt bestehende Altprozesse aufwendig in die neue Welt zu übertragen, setzt der Spezialist für elektronische Sicherheitstechnik bewusst auf einen Greenfield-Ansatz und weitgehend standardisierte Cloud-Prozesse. Damit wird die IT-Modernisierung zum strategischen Fundament für Skalierbarkeit, schnellere Abläufe und weiteres Wachstum.

Gemeinsame digitale Basis für die Unternehmensgruppe

Digitale Transformation bedeutet in vielen Unternehmen noch immer, bestehende Prozesse technisch zu modernisieren, ohne ihre grundlegende Struktur infrage zu stellen. Telenot hat sich für einen anderen Weg entschieden: Die Unternehmensgruppe nutzt die Einführung ihrer neuen ERP- und CRM-Plattformen, um Abläufe neu zu ordnen und die bisherige IT-Landschaft auf eine gemeinsame Basis zu stellen.

Das Transformationsprojekt begann bereits 2023 mit der Auswahl geeigneter Systeme und Implementierungspartner. Nach einem mehrstufigen Verfahren entschied sich das Unternehmen für SAP S/4HANA Cloud Public Edition als zentrale ERP-Plattform sowie Salesforce Sales Cloud und Service Cloud für Vertrieb und Kundenservice.

Als Implementierungspartner wurden Cpro Industry und Salesfive ausgewählt. Trovarit begleitete Telenot bei der Systemauswahl und Umsetzung. „Unsere konsequente Digitalisierung sehen wir als Zeichen, dass wir auch künftig auf den Standort Deutschland setzen und unser Unternehmen gezielt auf Wachstum ausrichten“, erklärt Dr. Stock, Geschäftsführer der Telenot Unternehmensgruppe .

Eine besondere Herausforderung liegt dabei weniger in den einzelnen Plattformen als in deren Einbettung in die bestehende Systemlandschaft. Nach Angaben von Telenot werden SAP und Salesforce über mehr als 30 Schnittstellen mit verschiedenen etablierten sowie eigenentwickelten Subsystemen verbunden.

Greenfield statt Altlasten

Technologisch besonders relevant ist der gewählte Greenfield-Ansatz. Telenot verzichtet weitgehend darauf, historisch gewachsene Prozesse und umfangreiche Individualanpassungen unverändert in die neue Architektur zu übernehmen.

Stattdessen orientiert das Unternehmen seine Abläufe stärker an den Möglichkeiten moderner Standardsoftware.

„Wir haben uns für einen Greenfield-Ansatz entschieden und unsere Prozesse konsequent an den Möglichkeiten moderner Standardsoftware ausgerichtet“, sagt Christian Wanner, Prokurist bei Telenot und Leiter des Projekts. Ziel seien „Skalierbarkeit, kontinuierliche Weiterentwicklung und langfristige Investitionssicherheit“.

Gerade bei großen ERP-Transformationen kann diese Entscheidung langfristig entscheidend sein. Individuelle Anpassungen ermöglichen zwar zunächst eine möglichst genaue Abbildung bestehender Prozesse, erhöhen aber häufig Komplexität, Wartungsaufwand und Abhängigkeiten bei späteren Updates. Standardisierung verschiebt den Schwerpunkt dagegen von der Anpassung der Software an das Unternehmen hin zur Anpassung und Optimierung der Geschäftsprozesse.

SAP und Salesforce bilden den digitalen Kern

SAP S/4HANA Cloud Public Edition übernimmt künftig die Rolle der zentralen ERP-Plattform. Salesforce bildet mit Sales Cloud und Service Cloud die Prozesse rund um Vertrieb und Kundenservice ab.

Durch die Verzahnung beider Plattformen sollen Informationen konsistenter zwischen den Geschäftsbereichen fließen und Medienbrüche reduziert werden. Ergänzt wird die Architektur durch spezialisierte Anwendungen und Eigenentwicklungen.

Damit entsteht keine vollständig monolithische Plattform. Vielmehr setzt Telenot auf eine integrierte Systemlandschaft, in der ERP und CRM den Kern bilden und über definierte Schnittstellen mit weiteren Anwendungen kommunizieren.

Für Unternehmen mit historisch gewachsenen IT-Strukturen ist genau diese Integrationsfähigkeit zunehmend entscheidend. Der Nutzen moderner Cloud-Plattformen entsteht schließlich erst dann vollständig, wenn Daten und Prozesse nicht erneut in neuen Silos enden.

Komplexes Transformationsprojekt in 15 Monaten realisiert

Der organisatorische Aufwand des Projekts war entsprechend hoch. Zeitweise waren bei Telenot bis zu 43 Mitarbeiter direkt beteiligt. Hinzu kamen mehr als 30 externe Berater sowie weitere Systementwickler.

Nach Angaben des Unternehmens wurde für die SAP-Einführung ursprünglich ein Zeitraum von 18 Monaten angesetzt. Die eigentliche Realisierung konnte innerhalb von 15 Monaten abgeschlossen werden.

Telenot führt die vergleichsweise kurze Projektlaufzeit unter anderem auf agilesProjektmanagement, klar definierte Verantwortlichkeiten, kurze Entscheidungswege und eine konsequente Priorisierung der Anforderungen zurück.

Gerade bei ERP-Projekten ist dieser Aspekt nicht zu unterschätzen. Technische Migrationen scheitern selten ausschließlich an der Technologie. Governance, Entscheidungsstrukturen, Prozessverantwortung und die Bereitschaft der Fachbereiche zur Veränderung haben mindestens ebenso großen Einfluss auf den Projekterfolg.

Digitalisierung wird zur Wachstumsplattform

Mit dem Produktivstart der neuen Systeme betrachtet Telenot die Transformation deshalb nicht als abgeschlossen. Vielmehr bildet die neue Architektur die Grundlage für weitere Digitalisierungsschritte.

Bis Ende 2026 ist eine zweite Umsetzungsphase vorgesehen. Dabei sollen zusätzliche Systemmodule und Komfortfunktionen eingeführt sowie bestehende Schnittstellen optimiert werden.

Parallel entwickelt Telenot die eigene Lösung „Bridgeworks“ weiter. Sie soll Funktionen von SAP S/4HANA Cloud Public Edition ergänzen und zusätzliche Flexibilität bei unternehmensspezifischen Geschäftsprozessen ermöglichen.

Für Telenot steht dabei nicht allein die technische Modernisierung im Vordergrund. Die neue Systemlandschaft soll Prozesse beschleunigen, die Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmensgruppe verbessern und eine stärkere Orientierung an Kundenanforderungen ermöglichen.

„Mit der neuen Systemlandschaft haben wir die internen Voraussetzungen geschaffen, um unsere Kunden auch künftig zuverlässig zu unterstützen, unsere Prozesse kontinuierlich zu verbessern und flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren“, erklärt Geschäftsführerin Anja Wunderle.

KI rückt als nächste Ausbaustufe in den Fokus

Auch nach Abschluss der zweiten Projektphase soll die Modernisierung weitergehen. Zu den bereits identifizierten Themen gehört der mögliche Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmensprozessen.

Damit folgt Telenot einem Muster, das derzeit bei vielen Digitalisierungsprojekten sichtbar wird: Cloud-ERP, CRM und integrierte Datenstrukturen entwickeln sich zunehmend zur Voraussetzung für weitergehende Automatisierung und KI-Anwendungen.

Denn erst wenn Daten konsistent verfügbar sind und Prozesse digital durchgängig abgebildet werden, lässt sich KI sinnvoll in operative Abläufe integrieren. Die eigentliche strategische Bedeutung der aktuellen Transformation könnte sich für Telenot deshalb erst in den kommenden Jahren zeigen.