Ransomware

Qualys Threat Research Unit beschreibt Methoden der Ransomware Gruppe LockBit

, Qualys

LockBit-Leak legt Ransomware-Taktiken offen: Was Sicherheitsteams jetzt wissen müssen

Von Saeed Abbasi, Manager Product – Threat Research Unit, Qualys

Die Ransomware-Gruppe LockBit hat kürzlich selbst einen schweren Sicherheitsvorfall erlitten: Ihre Partner-Panels im Dark Web wurden kompromittiert und mit der Nachricht „Don’t do crime – CRIME IS BAD xoxo from Prague“ versehen. Der Hinweis führte zu einem Leak einer SQL-Datenbank mit brisanten Inhalten. Enthalten sind unter anderem:

Diese Daten geben tiefe Einblicke in LockBits Strukturen, Methoden und Vorlieben – und ermöglichen Sicherheitsteams gezielte Gegenmaßnahmen.

Wer ist LockBit – und wie arbeitet die Gruppe?

LockBit gehört zu den aktivsten Ransomware-Gruppen der letzten Jahre. Seit 2019 betreiben sie ein „Ransomware-as-a-Service“-Modell (RaaS). Die Gruppe entwickelt die Schadsoftware, ihre Partner („Affiliates“) führen die Angriffe durch und teilen das erpresste Lösegeld. LockBit hat ihre Ransomware kontinuierlich weiterentwickelt:

Zielplattformen umfassen Windows, Linux, VMware ESXi und macOS. Angriffe folgen einem typischen Ablauf:

  1. Erster Zugriff (z. B. über Phishing, Exploits, schwache RDP-Zugänge)
  2. Laterale Bewegung im Netzwerk (z. B. mit Mimikatz, Cobalt Strike)
  3. Rechteausweitung
  4. Datenexfiltration (Double Extortion)
  5. Dateiverschlüsselung
  6. Lösegeldforderung
  7. Datenveröffentlichung bei Nichtzahlung

LockBit 3.0 kombiniert ausgeklügelte Techniken verschiedener Ransomware-Stämme, erschwert die Erkennung und sabotiert Wiederherstellungsversuche.

Bevorzugte Zahlungsweise: Monero mit Rabatt

Die geleakten Chatprotokolle zeigen: Lösegeldforderungen reichen von 4.000 bis 150.000 US-Dollar, meist in Bitcoin (BTC). Bemerkenswert: Opfer, die in Monero (XMR) zahlen, erhielten teils bis zu 20 % Rabatt. Diese Präferenz für Monero lässt auf eine bewusste Entscheidung zugunsten von Anonymität und Nachverfolgbarkeit schließen.

Kritische Schwachstellen: Diese CVEs nutzt LockBit

Die Analyse historischer und geleakter Informationen zeigt ein klares Muster bei der Ausnutzung von Schwachstellen. Hier eine Auswahl besonders häufig genutzter CVEs:

Tabelle: Beispiele kritischer CVEs, die von LockBit ausgenutzt werden. Diese Liste ist nicht vollständig, enthält jedoch häufig ausgenutzte Schwachstellen. Unternehmen sollten sie sofort patchen oder geeignete Abhilfemaßnahmen einleiten.

Mehr als nur Endpunkte: Weitere Ziele der Angreifer

Die geleakten Daten zeigen, dass LockBit-Systeme ins Visier nimmt, die über klassische Server hinausgehen:

Initialer Zugriff & Bereitstellung

Einige geleakte Nachrichten deuten auf typische Einstiegspunkte hin:

Dies zeigt die Notwendigkeit von plattformübergreifender Sicherheit und einer starken Zugriffskontrolle.

Fazit: Erkenntnisse aus dem LockBit-Leak nutzen

Die offengelegten Daten geben Sicherheitsexperten eine seltene Gelegenheit, direkt aus dem Inneren einer Ransomware-Operation zu lernen. Sie verdeutlichen, welche Maßnahmen jetzt höchste Priorität haben:

Die Bedrohung durch LockBit und ähnliche Gruppen bleibt bestehen – doch mit den richtigen Informationen und Maßnahmen lässt sich die eigene Sicherheitslage erheblich verbessern.