Phishing

Phishing-Kampagne umgeht mit Gerätecode-Hijacking die MFA von MS365

, KnowBe4 | Autor: Herbert Wieler

KnowBe4 entdeckt komplexe Phishing Kampage

KnowBe4 Threat Labs hat eine komplexe Phishing-Kampagne entdeckt, die auf US-amerikanische Unternehmen und Fachkräfte abzielt. Die Angriffe kompromittieren Microsoft 365-Konten (Outlook, Teams, OneDrive), indem sie den OAuth 2.0-Geräteautorisierungsfluss missbrauchen und dadurch selbst starke Passwörter und Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) überlisten.

Das Opfer wird auf das legitime Microsoft-Portal „xxx//microsoft.com/deviceloginxxx“ weitergeleitet, um einen vom Angreifer bereitgestellten Gerätecode einzugeben. Durch die Eingabe des Codes wird das Opfer authentifiziert und ein gültiges OAuth-Zugriffstoken an die Anwendung des Angreifers ausgegeben. Mit diesem ergaunerten Token verschafft sich der Angreifer dauerhaften Zugriff auf die Microsoft 365-Konten und Unternehmensdaten des Opfers.

Die Kampagne zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

Der fünfphasige Angriffsablauf

Die folgende Abbildung zeigt den gesamten Ablauf dieses Angriffs. Der Ablauf ist in fünf verschiedene Phasen unterteilt, von der anfänglichen Köderung bis zur endgültigen Token-Exfiltration.

  1. Microsoft 365 OAuth-Gerätecode-Generierung und Köder: Der Angreifer registriert eine OAuth-Anwendung in Microsoft 365 und generiert einen eindeutigen Gerätecode. Der Gerätecode wird dann über eine gezielte Phishing-E-Mail an das Opfer gesendet.
  2. Opfer fällt auf Köder herein: Das Opfer erhält die Phishing-E-Mail und klickt auf den in der Nachricht eingebetteten bösartigen Link.
  3. Vom Angreifer kontrollierte Landing Page: Das Opfer wird auf eine gefälschte Seite weitergeleitet, wo es aufgefordert wird, eine E-Mail-Adresse einzugeben, und wo ihm der Gerätecode des Angreifers zusammen mit Anweisungen zum Abschluss der vermeintlich „sicheren Authentifizierung” angezeigt wird.
  4. Authentifizierung auf dem legitimen Microsoft-Portal: Das Opfer navigiert zum echten Microsoft-Portal (https://microsoft.com/devicelogin), gibt den Gerätecode des Angreifers ein und authentifiziert sich erfolgreich mit legitimen Anmeldedaten und der MFA.
  5. Token-Diebstahl und dauerhafter Zugriff: Die Microsoft Identity Platform stellt ein gültiges OAuth-Zugriffstoken aus, das der Angreifer sofort abfängt. Dadurch erhält der Angreifer dauerhaften Zugriff auf das Microsoft 365-Konto des Opfers.

Schutzmaßnahmen

Sicherheitsteams können eine Reihe von Schutzmaßnahmen durchführen, um ihre Systeme und Nutzer vor dieser Art von Angriffen zu schützen. Darunter fallen die folgenden sieben wie:

Fazit

Angesichts sich rasch entwickelnder Taktiken wie dieser OAuth-Token-Diebstahlkampagne reicht ein passiver Sicherheitsansatz für Sicherheitsteams nicht mehr aus. Die Tatsache, dass Angreifer legitime Domains nutzen und MFA umgehen können, zeigt, dass herkömmliche Perimeter-Abwehrmaßnahmen und einfache Anmeldedatenprüfungen nicht ausreichen. Um diesen komplexen Bedrohungen entgegenzuwirken, müssen sich Unternehmen anpassen. Es müssen die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um über den herkömmlichen Silo-Ansatz hinauszugehen und sich stattdessen auf Echtzeit-Bedrohungsinformationen und das Bewusstsein der Benutzer zu konzentrieren.