Okta Agent SSO macht KI-Agenten zu vollwertigen digitalen Identitäten
Identity Security und Zugriffskontrolle für KI-Agenten
KI-Agenten erhalten zunehmend Zugriff auf Anwendungen, APIs und Unternehmensdaten – doch klassische Identitätsmodelle sind auf diese neue Maschinenbelegschaft bislang kaum vorbereitet. Mit Agent SSO überträgt Okta das Prinzip des zentralen Single Sign-on auf autonome Agenten und behandelt sie erstmals wie eigenständige digitale Identitäten. Damit könnte sich die Frage, wie Unternehmen den Zugriff von KI-Agenten kontrollieren, von einem Integrationsproblem zu einer zentralen Aufgabe des Identity and Access Management entwickeln.
Agent SSO bringt Identitätskontrolle in die Agentenwelt
Okta hat die allgemeine Verfügbarkeit von Agent SSO bekannt gegeben. Die Technologie integriert den offenen Cross-App-Access-Standard (XAA) direkt in die Identitätsplattform des Unternehmens und soll Organisationen ermöglichen, KI-Agenten zentral zu registrieren, zu überwachen und über bestehende Sicherheitsrichtlinien zu steuern.
Der entscheidende Ansatz: Ein KI-Agent wird nicht länger lediglich als Anwendung, API-Client oder anonymer Netzwerkverkehr betrachtet. Stattdessen erhält er im Okta Universal Directory eine eigene Identität – vergleichbar mit einem menschlichen Mitarbeiter.
Damit können Sicherheitsteams Richtlinien, Zugriffsrechte und Lifecycle-Prozesse auf Agenten übertragen, ohne hierfür eine parallele Sicherheitsarchitektur aufbauen zu müssen.
Statische API-Schlüssel werden zum Sicherheitsrisiko
Bislang werden viele Agenten über API-Schlüssel, weitreichende OAuth-Berechtigungen oder individuell konfigurierte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit Unternehmensanwendungen verbunden.
Dieses Modell stößt mit wachsender Agentenzahl schnell an Grenzen. Statische Zugangsdaten können lange gültig bleiben, schwer nachvollziehbar sein und sich über zahlreiche Systeme verteilen. Gleichzeitig fehlt Sicherheitsverantwortlichen häufig eine zentrale Übersicht darüber, welcher Agent auf welche Ressourcen zugreifen darf.
Agent SSO soll diese Abhängigkeit reduzieren. Über Cross App Access können Zugriffe stattdessen mit identitätsbasierten und kurzlebigen Tokens autorisiert werden.
Das folgt einem bekannten Sicherheitsprinzip: Berechtigungen sollen möglichst eng definiert, nachvollziehbar und zeitlich begrenzt sein.
„Okta ist unangefochtener Marktführer im Bereich SSO und nun führen wir SSO für die KI-Agenten ein“, erklärt Ric Smith, President of Products & Technology bei Okta. „KI-Agenten entwickeln sich rasch zu einer zentralen Schnittstelle für die Erledigung von Arbeitsaufgaben, doch ihnen Zugriff auf Unternehmenssysteme zu gewähren, sollte nicht mit Einbußen bei Sicherheit oder Transparenz einhergehen. Mit Agent SSO tragen wir dazu bei, einen grundlegenden Sicherheitsstandard für das KI-Agenten-Unternehmen zu etablieren. Da wir jeden verbundenen Agenten als vollwertige Identität behandeln und diese Funktion direkt in unser zentrales SSO-Angebot integrieren, machen wir es Unternehmen einfach, KI-Workflows vom ersten Tag an zu sichern.“
Cross App Access verlagert die Kontrolle zum Identity Provider
Die konzeptionelle Parallele zum klassischen Single Sign-on ist deutlich. SSO hat Zugriffsentscheidungen für Mitarbeiter von einzelnen Anwendungen zum zentralen Identity Provider verschoben. Mit Agent SSO will Okta dieses Modell nun auf KI-Agenten übertragen.
Verbindet sich beispielsweise ein XAA-kompatibler Agent wie Claude von Anthropic mit einer Unternehmensanwendung, kann er als eigene Identität registriert werden. Administratoren können anschließend festlegen, auf welche Ressourcen der Agent zugreifen darf, entsprechende Richtlinien verändern und seine Aktivitäten überwachen.
Die Autorisierung soll damit nicht mehr ausschließlich in den einzelnen Zielanwendungen stattfinden.
Für Unternehmen könnte dies insbesondere deshalb relevant werden, weil Agenten künftig nicht nur einzelne SaaS-Anwendungen, sondern gleichzeitig APIs, Tools und Model Context Protocol (MCP) Server verwenden.
Nur 34 Prozent sichern Agenten wie Mitarbeiter ab
Wie groß die Governance-Lücke derzeit noch ist, zeigen von Okta veröffentlichte Zahlen. Demnach wenden lediglich 34 Prozent der Unternehmen für ihre agentenbasierte Belegschaft dieselben Identitäts- und Sicherheitskontrollen an wie für menschliche Mitarbeiter.
Mit zunehmender Zahl autonomer Systeme wird diese Trennung problematisch. Agenten können Daten abrufen, Prozesse auslösen oder Aktionen innerhalb geschäftskritischer Systeme durchführen. Damit entwickeln sie sich faktisch zu eigenständigen Akteuren innerhalb der Unternehmens-IT.
Identity Security muss deshalb künftig nicht nur beantworten, wer ein Benutzer ist, sondern zunehmend auch: Welcher Agent handelt, in wessen Auftrag und mit welchen Berechtigungen?
Drei Fragen bestimmen die Governance von KI-Agenten
Okta ordnet Agent SSO in seine Architektur für ein sogenanntes Secure Agentic Enterprise ein. Im Mittelpunkt stehen drei Fragen:
- Wo befinden sich meine KI-Agenten? Agenten sollen zentral registriert und über unterschiedliche Plattformen hinweg sichtbar werden.
- Womit dürfen sie sich verbinden? Der Zugriff auf Anwendungen, APIs, Tools und MCP-Server lässt sich über Identitätsrichtlinien und Least-Privilege-Prinzipien kontrollieren.
- Was dürfen sie tatsächlich tun? Hier geht die Governance über die reine Authentifizierung hinaus. Unternehmen müssen auch die Aktionen eines Agenten während der Laufzeit beobachten und gegebenenfalls begrenzen können.
Für diesen dritten Bereich positioniert Okta ergänzend seine Plattform Okta for AI Agents , über die auch nicht verwaltete Agenten entdeckt, Lebenszyklen gesteuert und Runtime-Kontrollen umgesetzt werden sollen.
XAA erweitert OAuth für agentenbasierte Zugriffe
Technische Grundlage von Agent SSO ist Cross App Access. Der offene und herstellerneutrale Standard wurde als Erweiterung von OAuth konzipiert und inzwischen als „Enterprise Managed Authorization“-Erweiterung für MCP integriert.
Das Ziel besteht darin, Zugriffsentscheidungen zwischen Agenten und Anwendungen nicht länger isoliert innerhalb einzelner Verbindungen abzubilden. Stattdessen sollen Unternehmen Sicherheitsrichtlinien zentral durchsetzen können.
für XAA findet sich nach Angaben von Okta bereits im Okta Integration Network. Zu den genannten Plattformen und Anwendungen gehören unter anderem Anthropic Claude, Asana, Atlassian, Canva, Datadog, Figma, Glean, Notion, Slack und Supabase.
Identity Security wird zum Kontrollpunkt für Agentic AI
Die Bedeutung von Agent SSO reicht damit über eine zusätzliche SSO-Funktion hinaus. Je selbstständiger KI-Agenten agieren, desto schwieriger wird es, Sicherheit ausschließlich über Netzwerkgrenzen oder einzelne Anwendungen durchzusetzen. Die Identität des Agenten entwickelt sich deshalb zu einem zentralen Kontrollpunkt.
Für CISOs und IAM-Verantwortliche entsteht daraus eine neue Aufgabe: Neben Mitarbeitern, Dienstkonten und Maschinenidentitäten müssen künftig möglicherweise Tausende spezialisierte Agenten inventarisiert, autorisiert und überwacht werden. Agentic AI macht Identity Governance damit nicht überflüssig – sie macht sie deutlich wichtiger.