Annual Data Report 2026
Keepit Annual Data Report 2026 zeigt Nachholbedarf bei der Wiederherstellung von Daten im Ernstfall
Vom Backup zur echten Belastungsprobe
Während Software-as-a-Service längst zum Rückgrat moderner IT geworden ist, zeigt sich bei einem entscheidenden Thema noch Nachholbedarf: der Wiederherstellung von Daten im Ernstfall. Der neue Keepit Annual Data Report 2026 wirft einen seltenen Blick hinter die Kulissen – nicht auf Basis von Umfragen, sondern anhand realer Backup- und Restore-Vorgänge.
Die zentrale Erkenntnis: Viele Unternehmen sichern ihre Daten zwar zuverlässig, doch die Fähigkeit, diese auch unter Druck schnell und vollständig wiederherzustellen, ist längst nicht überall ausgereift. Vor allem kleinere Organisationen stehen hier noch am Anfang. Größere Unternehmen hingegen scheinen einen Schritt weiter – sie testen ihre Wiederherstellungsprozesse häufiger und systematischer und erreichen so eine höhere operative Reife.
Routine schlägt Theorie
Ein Blick in die Praxis zeigt, wie Wiederherstellung tatsächlich genutzt wird: Rund 90 Prozent aller Vorgänge betreffen einzelne Dateien. Der klassische „Ich habe etwas gelöscht“-Moment dominiert also den Alltag in der IT. Diese einfachen Restores sind wichtig – sie schaffen Vertrauen und Routine. Doch sie ersetzen keine umfassenden Tests für den Ernstfall, etwa bei Systemausfällen oder Cyberangriffen. Immerhin: Neun von zehn Unternehmen haben bereits sogenannte Massenwiederherstellungen validiert. Ein klares Signal dafür, dass Disaster-Recovery-Strategien zunehmend ernst genommen werden.
Blinde Flecken bei kritischen Systemen
Auffällig ist jedoch ein Ungleichgewicht: Identitätssysteme – also jene, die den Zugang zu Anwendungen steuern – werden viermal seltener getestet als klassische Produktivitätstools. Dabei kann gerade ein Ausfall dieser Systeme weitreichende Folgen haben: Ohne Zugriff auf Identitäten steht im Zweifel die gesamte SaaS-Landschaft still. Noch überraschender: Selbst spektakuläre globale IT-Ausfälle oder Sicherheitsvorfälle führen offenbar nicht dazu, dass Unternehmen ihre Wiederherstellungsprozesse häufiger überprüfen. Sichtbare Krisen bleiben also oft ohne nachhaltigen Lerneffekt.
Resilienz ist Trainingssache
Für Jakob Østergaard, CTO von Keepit, ist die Richtung klar: „Vertrauen in die Wiederherstellung entsteht durch Übung.“ Backups allein seien nicht genug – entscheidend sei, ob Teams unter realistischen Bedingungen in der Lage sind, Daten korrekt, vollständig und in der richtigen Reihenfolge wiederherzustellen.
Der Bericht macht deutlich: Resilienz entsteht nicht durch zusätzliche Tools, sondern durch konsequente Praxis. Unternehmen, die Wiederherstellung als festen, wiederholbaren Prozess etablieren – inklusive strukturierter Tests und geführter Abläufe –, sind im Ernstfall klar im Vorteil.
Daten statt Bauchgefühl
Besonders bemerkenswert ist die Datengrundlage der Analyse. Statt auf Selbsteinschätzungen setzt der Report auf anonymisierte Verhaltensdaten aus der realen Nutzung – gesammelt über das gesamte Jahr 2025 hinweg und über mehrere Regionen weltweit. Das Ergebnis ist ein nüchterner, aber umso aufschlussreicherer Blick darauf, wie Unternehmen tatsächlich mit ihren Backups umgehen.
Der Keepit Annual Data Report 2026 zeigt damit vor allem eines: Der Weg von der Datensicherung zur echten Wiederherstellungsbereitschaft ist kein einmaliges Projekt – sondern ein kontinuierlicher Lernprozess.