Kaspersky wehrt sich

Kaspersky Spionage-Vorwurf: Neue Ergebnisse zur internen Untersuchung

, Moskau/lngolstadt, Kaspersky Lab | Autor: Herbert Wieler

Kaspersky untersucht Equation APT-Quellcode

Anfang Oktober 2017 wurde im Wall Street Journal ein Artikel mit dem Vorwurf veröffentlicht, dass über die Security-Software von Kaspersky Lab vertraulich eingestufte Daten von einem privaten Rechner eines NSA-Mitarbeiters geladen wurden. Da sich Kaspersky Lab seit 20 Jahren an vorderster Front im Kampf gegen Cyberspionage und Cyberkriminalität sieht, wurden die Vorwürfe innerhalb des Unternehmens sehr ernst behandelt.

Kaspersky Lab hat daher eine interne Untersuchung durchgeführt, um Fakten zu sammeln und jegliche Bedenken zu adressieren.

Bereits am 25. Oktober 2017 wurden erste, vorläufige Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht – darunter allgemeine Erkenntnisse der unternehmensinternen Suche nach Beweisen für die in den Medien geäußerten Vorwürfe.

Der heute veröffentlichte neue Bericht bestätigt die vorläufigen Ergebnisse und gibt zusätzliche Einblicke der telemetrischen Analyse des Vorfalls durch Kaspersky-Produkte. Demnach lassen sich auf dem betroffenen Rechner verdächtige Aktivitäten feststellen, und zwar im Zeitraum des Vorfalls im Jahr 2014.

Neue Erkenntnisse deuten auf möglichen Zugriff von Dritten auf einen Rechner mit vertraulichen Daten hin

Zusammenfassung des Hintergrunds

Um die Objektivität der internen Untersuchung zu unterstreichen und mögliche Vorwürfe der Beeinflussung im Vorfeld auszuräumen, wurden zahlreiche Analysten hinzugezogen. Darunter befinden sich auch Analysten, welche nicht aus Russland stammen und außerhalb von Russland tätig sind

Weitere Erkenntnisse

Schon früh wurde klar, dass der infrage kommende PC mit dem Mokes Backdoor (auch „Smoke Bot“ oder “Smoke Loader“ genannt) infiziert war. Diese Malware ermöglicht es, schädliche Operationen aus der Ferne auf dem Rechner durchzuführen. Im Rahmen ihrer Untersuchung haben die Kaspersky-Experten das Backdoor genauer unter die Lupe genommen und weitere telemetrische Daten ohne Bezug zu Equation, die von diesem Rechner aus gesendet wurden, ausgewertet.

Hintergrund zum Mokes Backdoor

Es ist allgemein bekannt, dass der „Mokes Backdoor“ in russischen Untergrundforen erschien, als er 2011 zum Kauf angeboten wurde. Untersuchungen von Kaspersky Lab zeigen, dass im Zeitraum von September bis November 2014 die Command-and-Control-Server dieser Malware vermutlich von einer chinesischen Einheit unter dem Namen „Zhou Lou“ registriert wurden. Darüber hinaus zeigte eine tiefere Analyse der Telemetrie von Kaspersky Lab, dass der „Mokes Backdoor“ möglicherweise nicht die einzige Malware war, die zum Zeitpunkt des Vorfalls den fraglichen PC infizierte, da andere illegale Aktivierungstools und Keygens auf demselben Computer erkannt wurden.

Weitere Nicht-Equation-Malware

Über einen Zeitraum von zwei Monaten meldete das Produkt Alarm für 121 Stücke von Malware-Varianten, die nicht der Equation-Malware zugeordnet werden können: Backdoors, Exploits, Trojaner und AdWare. All diese Warnungen in Kombination mit der begrenzten Menge an verfügbaren telemetrischen Daten bedeuten, dass Kaspersky Lab zwar feststellen kann, dass das Produkt die Bedrohungen erkannt hat, es jedoch unmöglich festzustellen ist, ob die Bedrohungen während des Zeitraums ausgeführt wurden, in dem das Produkt deaktiviert wurde.

Kaspersky Lab untersucht weiterhin die anderen gefährlichen Samples. Weitere Ergebnisse werden veröffentlicht, sobald die Analyse abgeschlossen ist.

Schlussfolgerungen

Die allgemeinen Schlussfolgerungen der Untersuchung lauten wie folgt:

Als transparentes Unternehmen ist Kaspersky Lab bereit, zusätzliche Informationen über die Untersuchung verantwortungsvoll an relevante Stellen von Regierungsorganisationen und Kunden, die sich mit aktuellen Medienberichten befassen, weiterzugeben.