Autonome Penetrationstests
Horizon3 erreicht Milliardenbewertung und setzt auf den Cyberkampf KI gegen KI
NodeZero soll den Cyberkampf „KI gegen KI“ anführen
Mit einer Serie-E-Finanzierung über 250 Millionen US-Dollar will Horizon3 seine Plattform für autonome Penetrationstests international ausbauen. Das Unternehmen wird inzwischen mit mehr als zwei Milliarden US-Dollar bewertet und zählt nach eigenen Angaben mehr als 7.000 Kunden.
Cyberangriffe werden schneller, automatisierter und zunehmend durch künstliche Intelligenz unterstützt. Horizon3 will dieser Entwicklung mit einer ebenso automatisierten Verteidigungsstrategie begegnen. Das Unternehmen setzt dabei auf autonome Penetrationstests, die reale Angriffspfade in produktiven IT-Umgebungen aufdecken sollen.
Horizon3 erhält 250 Millionen US-Dollar und erreicht eine Bewertung von über zwei Milliarden US-Dollar. Das Kapital fließt in autonome Cyberabwehr und internationale Expansion
Für den weiteren Ausbau dieser Technologie hat Horizon3 nun 250 Millionen US-Dollar in einer Serie-E-Finanzierungsrunde eingesammelt. Die Bewertung des Cybersicherheitsanbieters steigt damit auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr hat sich der Unternehmenswert nach Angaben von Horizon3 damit mehr als verdreifacht.
Die überzeichnete Finanzierungsrunde wurde gemeinsam von den bisherigen Investoren NightDragon und New Enterprise Associates, kurz NEA, angeführt. Insgesamt beteiligten sich sieben neue und fünf bereits bestehende Investoren.
Autonome Penetrationstests für produktive IT-Umgebungen
Horizon3 entwickelt die Plattform NodeZero, mit der Unternehmen ihre eigenen Netzwerke automatisiert auf tatsächlich ausnutzbare Schwachstellen untersuchen können. Anders als klassische Schwachstellenscanner soll die Plattform nicht nur einzelne Sicherheitslücken erfassen, sondern vollständige Angriffspfade nachbilden.
NodeZero prüft unter anderem, wie Angreifer Fehlkonfigurationen, kompromittierbare Zugangsdaten, übermäßige Berechtigungen und Schwächen im Identitätsmanagement miteinander kombinieren könnten, um auf geschäftskritische Systeme zuzugreifen.
Die Plattform greift dafür kontrolliert die produktive Umgebung eines Unternehmens an. Erkannte Angriffspfade werden dokumentiert, priorisiert und mit konkreten Hinweisen zur Behebung versehen. Anschließend kann NodeZero überprüfen, ob die ergriffenen Gegenmaßnahmen tatsächlich wirksam sind.
Während eines Tests kann die Plattform außerdem Honeypots innerhalb der geprüften Infrastruktur platzieren. Diese Ködersysteme sollen Unternehmen dabei unterstützen, unbefugte Zugriffe und automatisierte Angreifer frühzeitig zu erkennen.
„Wir haben das Konzept der KI-Hacker entwickelt und sechs Jahre damit verbracht, uns das Vertrauen zu erarbeiten, kritische und sensible Netzwerke autonom und ohne menschliches Eingreifen auf Sicherheitslücken zu testen“, sagt Snehal Antani, Mitbegründer und CEO von Horizon3 .
Nach Angaben des Unternehmens basiert die Weiterentwicklung der Plattform auf den Erkenntnissen aus mehr als 310.000 automatisiert durchgeführten Penetrationstests.
Mehr als 7.000 Kunden und starkes Umsatzwachstum
Horizon3 berichtet von einem Wachstum der jährlich wiederkehrenden Umsätze, Annual Recurring Revenue oder ARR, um 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weltweit nutzen demnach mittlerweile mehr als 7.000 Organisationen die NodeZero-Plattform.
Zu den Kunden zählen laut Anbieter internationale Banken, große Gesundheitsorganisationen, Behörden sowie vier Unternehmen aus der Gruppe der zehn umsatzstärksten US-Konzerne.
Horizon3 besitzt eine FedRAMP-High-Autorisierung für den Einsatz bei US-Bundesbehörden. Die Plattform soll Unternehmen außerdem bei der technischen Umsetzung und Überprüfung von Anforderungen aus DORA, NIS2, NIST Cybersecurity Framework 2.0, HIPAA, SOC 2 und der Datenschutz-Grundverordnung unterstützen.
Die Finanzierung unterstreicht die wachsende Bedeutung proaktiver Sicherheitsvalidierung. Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, nicht nur vorhandene Schwachstellen zu erfassen, sondern herauszufinden, welche davon in der eigenen Infrastruktur tatsächlich zu einem erfolgreichen Angriff führen könnten.
Neue Investoren und Verstärkung im Vorstand
Zu den neuen Investoren der Serie-E-Runde gehören Acrew, Blue Cloud Ventures, EDBI aus Singapur, Demeter Group, PSG, SAIC und Sapphire.
Auch die bestehenden Geldgeber Craft Ventures, Prosperity7 Ventures, Qualcomm Ventures, Ridge Ventures und SignalFire beteiligten sich erneut an der Finanzierung.
Im Zuge der Investition treten Dave DeWalt, Gründer und CEO von NightDragon sowie ehemaliger CEO von FireEye und McAfee, und Morgan Kyauk, Managing Director bei NightDragon, dem Vorstand von Horizon3 bei.
„Horizon3 hat das Konzept eines Cyberkriegs zwischen künstlichen Intelligenzen geprägt. Diese Zukunft ist nun Realität“, sagt DeWalt. Das Unternehmen habe eine proaktive Sicherheitsplattform aufgebaut, die verändern könne, wie Organisationen ihre Daten und Infrastrukturen schützen.
Expansion nach Europa und in den asiatisch-pazifischen Raum
Horizon3 will das neue Kapital vor allem in drei Bereiche investieren. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau von Vertrieb, Marketing und Partnerkanälen. Damit will das Unternehmen insbesondere die Nachfrage von Großunternehmen, mittelständischen Betrieben und Behörden bedienen.
Darüber hinaus plant Horizon3 den Markteintritt in Singapur und Australien. Gleichzeitig soll die Präsenz in Europa, dem Nahen Osten und Afrika weiter ausgebaut werden. Der dritte Investitionsschwerpunkt betrifft die Produktentwicklung. Horizon3 möchte einen kontinuierlichen Lernkreislauf zwischen automatisierten Angriffs- und Verteidigungssystemen aufbauen.
Geplant sind unter anderem autonome Blue-Team-Agenten, die Erkenntnisse aus NodeZero-Penetrationstests nicht nur priorisieren, sondern erkannte Probleme direkt beheben sollen.
Von der Schwachstellensuche zur automatisierten Behebung
Für Sicherheitsverantwortliche besteht das zentrale Problem häufig nicht darin, zu wenige Schwachstellen zu kennen. Die größere Herausforderung liegt in der Bewertung, welche Sicherheitslücken unmittelbar ausnutzbar sind und tatsächlich ein erhebliches Risiko für das Unternehmen darstellen.
„Wir stehen kurz vor einer Explosion von Sicherheitslücken“, erklärt Antani. Die meisten davon würden für einen konkreten Angriff keine entscheidende Rolle spielen. Ein kleiner Anteil könne jedoch sofort ausgenutzt werden.
Aus Sicht von Horizon3 müssen Penetrationstests daher stärker auf reale Angriffsmöglichkeiten ausgerichtet werden. Das Ziel bestehe nicht allein darin, Probleme zu finden, sondern relevante und ausnutzbare Risiken schnell zu identifizieren und zu beseitigen.
Mit der neuen Finanzierung will sich Horizon3 deshalb von einem Anbieter automatisierter Penetrationstests zu einer umfassenderen Plattform für proaktive Cybersicherheit entwickeln. In der angestrebten „AI vs. AI“-Ära sollen KI-gestützte Angreifer und Verteidiger kontinuierlich voneinander lernen.