Adaptive Clouds

Fraunhofer FKIE forscht mit NATO an Edge-Computing-Lösungen für taktische Netzwerke

, Fraunhofer | Autor: Herbert Wieler

Sichere Kommunikation und Cloud-Technologie

Die europäische Sicherheitsordnung hat sich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 grundlegend verändert. Infolgedessen rückt für die Bundeswehr die Landes- und Bündnisverteidigung als Kernauftrag wieder in den Fokus – in enger Zusammenarbeit mit der NATO. Forschung innerhalb des Bündnisses spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der dafür notwendigen Fähigkeiten. Eine zentrale Herausforderung bleibt die sichere und effiziente Kommunikation sowie die nahtlose Zusammenarbeit im gemeinsamen Einsatz. An dieser essenziellen Voraussetzung arbeitet die NATO-Forschungsgruppe "Edge Computing at the Tactical Edge" mit engagierter Beteiligung des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE.

Adaptive Cloud-Technologien für den Einsatz im Verbund

"Wie kann man Clouds in taktischen Netzwerken betreiben? Und wie baut man möglichst effiziente Cloud-Infrastrukturen für eine internationale Föderation?" – diesen Fragen widmet sich die Forschungsgruppe intensiv. Thomas Kudla, Gruppen-Co-Chair der NATO-Task Group und Experte des Fraunhofer FKIE , erklärt: "Jede Nation möchte die Hoheit über ihre eigene Hardware und Cloud-Infrastruktur behalten. Unser Ziel ist daher die adaptive Föderation: eigenständige Clouds, die interagieren, als wären sie eine einzige." Kudla forscht seit zehn Jahren im Bereich "Informationstechnik für Führungssysteme" und engagiert sich von Beginn an in NATO-Forschungsgruppen. Besonders in geopolitisch angespannten Zeiten empfindet er diese Arbeit als äußerst motivierend und relevant.

Edge computing at the tactical edge

Copyright: NATO Science & Technology Organization

Internationale Zusammenarbeit in der NATO STO

Die zentrale Plattform für multinationale Kooperation in der militärwissenschaftlichen Forschung bildet die NATO Science and Technology Organisation (STO). Sie unterstützt durch sieben technische Panels und eine Arbeitsgruppe die Entwicklung gemeinsamer Standards und Konzepte. Als eines der führenden deutschen Institute für angewandte Wehrtechnik engagiert sich das Fraunhofer FKIE besonders stark in diesem Netzwerk: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts sind an fast einem Viertel der derzeit rund 350 Aktivitäten der Organisation beteiligt. Innerhalb des STO-Netzwerks liegt der Schwerpunkt des FKIE auf dem Information Systems Technology (IST) Panel, zu dem auch Kudlas Forschungsgruppe gehört.

"Die NATO-Arbeit macht unglaublich viel Spaß", berichtet Kudla. "Sechs Nationen sind in unserer Gruppe vertreten. Das Team ist hochmotiviert, jeder bringt wertvolles Wissen aus seinem nationalen Forschungsstand mit. So entsteht im internationalen Austausch großes neues Wissen." Die Zusammenarbeit erstreckt sich nicht nur auf den technischen Bereich, sondern bringt auch verschiedene Kulturen zusammen. "Durch unsere Reisen nach Finnland, Frankreich, Polen, Kanada, die Niederlande und die USA lernen wir nicht nur neue Technologien kennen, sondern auch die Menschen und Perspektiven dahinter", so Kudla weiter.

KI und maschinelles Lernen als zentrale Zukunftsthemen

Als Co-Chair der Gruppe ist Kudla maßgeblich für die technische Konzeption und Software-Implementierung verantwortlich. Gemeinsam mit Group Chair Harrie Bastiaansen von der Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO) steuert er das fachliche Management des Teams. "Wir betreiben Grundlagenforschung für die NATO und untersuchen modernste Edge-Computing-Architekturen aus Industrie und Wissenschaft", erläutert Bastiaansen. "Unser Ziel ist es, bewährte Praktiken zu identifizieren und eine Referenzarchitektur für adaptive Cloud-Technologien in taktischen Netzwerken zu entwickeln. Auch die Integration von KI und maschinellem Lernen in diese Architekturen spielt eine entscheidende Rolle."

Aktuell liegen bereits erste Prototypen einer föderierten Cloud vor, die getestet werden. Angesichts der hohen praktischen Relevanz ist sich Kudla sicher: Auch nach dem offiziellen Projektende im April 2025 wird die Arbeit in der NATO-Forschungsgruppe fortgeführt.