Digitale Buchhaltung

Finanzdaten im Visier von Cyberkriminellen: So schützen Unternehmen ihre digitale Buchhaltung

Finanzdaten im Visier von Cyberkriminellen: So schützen Unternehmen ihre digitale Buchhaltung

Digitale Buchhaltung als Angriffsziel

Die digitale Buchhaltung erleichtert zahlreiche betriebliche Abläufe. Rechnungen, Belege, Kontobewegungen und steuerlich relevante Dokumente lassen sich zentral erfassen, schneller verarbeiten und gezielt auswerten. Gleichzeitig entstehen umfangreiche Datenbestände, die für Cyberkriminelle besonders interessant sind. Neben Bankverbindungen und Zahlungsinformationen enthalten Buchhaltungssysteme häufig personenbezogene Kundendaten, Lieferantendaten, Gehaltsinformationen und Hinweise auf die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens.

Ein erfolgreicher Angriff kann deshalb weit mehr als einen kurzfristigen Systemausfall verursachen. Gelangen Kriminelle an Zugangsdaten oder vertrauliche Finanzinformationen, drohen manipulierte Zahlungen, Erpressungsversuche, Datenschutzverstöße und erhebliche Reputationsschäden. Besonders problematisch ist, dass ein Angriff teilweise erst auffällt, nachdem Daten kopiert, verändert oder verschlüsselt wurden.

Weshalb Buchhaltungsdaten besonders wertvoll sind

Finanzdaten ermöglichen einen detaillierten Einblick in die internen Strukturen eines Betriebs. Angreifer erkennen beispielsweise, welche Lieferanten regelmäßig Zahlungen erhalten, welche Ansprechpartner Überweisungen freigeben und zu welchem Zeitpunkt größere Geldbeträge bewegt werden. Diese Informationen erleichtern gezielte Betrugsversuche.

Ein typisches Beispiel ist der sogenannte CEO-Fraud. Dabei gibt sich ein Cyberkrimineller als Geschäftsführer oder Geschäftspartner aus und fordert einen Mitarbeiter dazu auf, eine dringende Überweisung auszuführen. Kennt der Angreifer interne Zahlungsabläufe, Namen und aktuelle Geschäftsvorgänge, wirkt eine solche Aufforderung häufig glaubwürdig.

Auch Ransomware stellt ein erhebliches Risiko dar. Schadsoftware verschlüsselt Buchhaltungsdaten, Belegarchive oder ganze Systeme und verhindert dadurch den regulären Geschäftsbetrieb. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik weist darauf hin, dass Ransomware-Angriffe neben der Verschlüsselung häufig auch einen Datenabfluss umfassen. Unternehmen geraten dadurch zusätzlich unter Druck, da die Täter mit einer Veröffentlichung vertraulicher Informationen drohen können.

Schwache Zugangsdaten öffnen digitale Türen

Unsichere Passwörter gehören weiterhin zu den häufigsten organisatorischen Schwachstellen. Besonders riskant sind mehrfach verwendete Kennwörter, gemeinsam genutzte Benutzerkonten und fehlende Zugriffsbeschränkungen. Gerät ein Passwort durch eine Phishing-Mail oder ein Datenleck in fremde Hände, erhält der Angreifer unter Umständen direkten Zugriff auf das Buchhaltungssystem.

Eine Multi-Faktor-Authentifizierung ergänzt das Passwort um einen weiteren Sicherheitsnachweis. Selbst wenn Kriminelle die Zugangsdaten kennen, reicht das Passwort allein nicht für eine Anmeldung aus. Für administrative und besonders privilegierte Konten empfiehlt das BSI ausdrücklich eine Absicherung durch mehrere Faktoren.

Zudem sollte jeder Mitarbeiter ausschließlich die Berechtigungen besitzen, die er für seine Tätigkeit tatsächlich benötigt. Ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb benötigt beispielsweise keinen vollständigen Zugriff auf Lohnabrechnungen oder steuerliche Auswertungen. Das Prinzip der geringsten Rechte begrenzt den möglichen Schaden, falls ein Benutzerkonto kompromittiert ist.

5 Schutzschichten

Technische und organisatorische Maßnahmen verbinden

Ein wirksamer Schutz entsteht nicht durch eine einzelne Sicherheitslösung. Entscheidend ist, dass technische Maßnahmen, klare Zuständigkeiten und geschulte Mitarbeiter ineinandergreifen. Unternehmen sollten insbesondere folgende Punkte berücksichtigen:

  • Multi-Faktor-Authentifizierung für alle wichtigen Benutzerkonten aktivieren
  • Zugriffsrechte regelmäßig kontrollieren und ausgeschiedene Mitarbeiter sofort sperren
  • Betriebssysteme, Browser und Buchhaltungsprogramme konsequent aktualisieren
  • Belege und Finanzdaten verschlüsselt speichern und übertragen
  • Backups nach dem 3-2-1-Prinzip anlegen und Wiederherstellungen regelmäßig testen
  • Mitarbeiter für Phishing, gefälschte Rechnungen und manipulierte Zahlungsaufforderungen sensibilisieren
  • Einen Notfallplan mit Ansprechpartnern, Meldewegen und Wiederanlaufprozessen erstellen

Besonders bei der Auswahl einer Buchhaltungssoftware sollte die Datensicherheit deshalb ein wesentliches Entscheidungskriterium darstellen. Neben einer übersichtlichen Bedienung und automatisierten Abläufen sind sichere Zugänge, nachvollziehbare Berechtigungen und eine zuverlässige Datenverarbeitung relevant. Cloudbasierte Lösungen können außerdem den Vorteil bieten, dass der Anbieter zentrale Sicherheitsupdates einspielt und die technische Infrastruktur professionell betreibt. Die konkrete Sicherheitsleistung hängt jedoch stets vom Anbieter, vom gewählten Tarif und von der betrieblichen Konfiguration ab.

Backups müssen unabhängig erreichbar sein

Eine Datensicherung schützt nur dann zuverlässig, wenn sie nach einem Angriff weiterhin verfügbar ist. Befindet sich das Backup dauerhaft im gleichen Netzwerk wie das Buchhaltungssystem, kann eine Ransomware auch die Sicherung verschlüsseln. Mindestens eine Kopie sollte deshalb technisch getrennt oder unveränderbar gespeichert sein.

Ebenso wichtig ist ein regelmäßiger Wiederherstellungstest. Eine vorhandene Sicherungsdatei bietet keine ausreichende Sicherheit, wenn sie beschädigt, unvollständig oder nicht mit dem aktuellen System kompatibel ist. Verantwortliche sollten deshalb dokumentieren, welche Daten gesichert sind, wie häufig die Sicherung erfolgt und welcher Mitarbeiter eine Wiederherstellung einleiten darf.

Auffällige Vorgänge frühzeitig erkennen

Unternehmen sollten ungewöhnliche Anmeldungen, fehlgeschlagene Zugriffsversuche und Änderungen an Bankverbindungen aufmerksam prüfen. Auch plötzlich veränderte Rechnungsdaten oder neue Zahlungsempfänger können auf einen Betrugsversuch hinweisen. Für Überweisungen oberhalb einer festgelegten Grenze empfiehlt sich ein Vier-Augen-Prinzip.

Zusätzlich sollten Mitarbeiter Zahlungsaufforderungen über einen bereits bekannten Kommunikationsweg bestätigen. Eine telefonische Rückfrage bei einem vertrauten Ansprechpartner kann verhindern, dass eine professionell formulierte, jedoch manipulierte E-Mail zu einer Fehlüberweisung führt. Entscheidend ist, dass der Betrieb Sicherheitsregeln nicht nur dokumentiert, sondern regelmäßig trainiert und konsequent in den Arbeitsalltag integriert.