Digital Trust Index 2026

Digital Trust Index von Thales zeigt die Vertrauensgrenze der KI: Assistenz ja - Autonomie nein

, Thales | Autor: Herbert Wieler

Vertrauen entscheidet sich beim Login – und an der KI

Digitale Services sind allgegenwärtig – doch Vertrauen bleibt fragil. Der aktuelle Digital Trust Index 2026 von Thales zeigt: Während Unternehmen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz aufs Tempo drücken, wächst auf Seiten der Nutzer vor allem eines – Skepsis. Über 15.000 Befragte weltweit zeichnen ein klares Bild: Vertrauen entsteht nicht im großen Ganzen, sondern in den kleinen Momenten – beim Registrieren, beim Einloggen, bei jeder Interaktion mit persönlichen Daten.

Der erste Eindruck: Login entscheidet über Vertrauen

Für viele Nutzer beginnt Vertrauen genau dort, wo der Zugang startet. Und dieser erste Eindruck ist oft entscheidend. Mehr als die Hälfte der Verbraucher hatte im vergangenen Jahr Probleme beim Zugriff auf Websites. Die Konsequenz: Geduld ist knapp. Ganze 68 Prozent wechseln den Anbieter, wenn Ladezeiten zu lang sind oder der Anmeldeprozess zu kompliziert wirkt. Ein Drittel bricht den Versuch direkt ab oder geht zur Konkurrenz. Andere verschieben ihre Interaktion oder suchen alternative Wege. Die Botschaft ist klar: Digitale Reibung kostet unmittelbar Umsatz.

Sicherheit statt Speed – aber bitte verständlich

Interessant ist dabei die Haltung der Nutzer zur Sicherheit. Anders als oft angenommen, wünschen sich viele keine Abkürzungen auf Kosten der Sicherheit. Fast die Hälfte bevorzugt strengere Sicherheitsprüfungen – selbst wenn das den Login verlängert. Technologien wie Multi-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys wirken vertrauensbildend. Und doch gibt es ein Problem: Nur ein Bruchteil versteht wirklich, was mit den eigenen Daten passiert. Transparenz bleibt eine der größten Baustellen.

KI: Fortschritt trifft auf Misstrauen

Während Unternehmen massiv in generative KI investieren – 93 Prozent der IT-Verantwortlichen treiben entsprechende Initiativen voran – hinkt das Vertrauen der Nutzer deutlich hinterher. Nur 23 Prozent glauben, dass Unternehmen verantwortungsvoll mit ihren Daten umgehen, wenn KI im Spiel ist. Noch kritischer wird es, wenn Systeme eigenständig handeln: Eine klare Mehrheit äußert Bedenken gegenüber KI-Agenten, die im Namen der Nutzer Entscheidungen treffen.

Danny de Vreeze, VP Identity and Access Management bei Thales

„Der 2026 Digital Trust Index zeigt, dass das Vertrauen mit der zunehmenden Verbreitung von KI kaum Schritt halten kann“, sagt Danny De Vreeze, VP Identity & Access Management bei Thales. „Wenn KI den Menschen lediglich hilft, schneller zu arbeiten, ist das Vertrauen groß.

Doch wenn KI beginnt, autonom zu handeln und Entscheidungen zu treffen oder im Namen eines Nutzers mit Systemen zu interagieren, stellen die Menschen kritische Fragen zu Sicherheit, Kontrolle und Verantwortlichkeit.“

Der Unterschied ist entscheidend: KI als Assistenz wird akzeptiert – KI als autonomer Akteur sorgt für Unbehagen.

Banken gewinnen Vertrauen – andere Branchen kämpfen

Ein Blick auf die Branchen zeigt eine wachsende Vertrauenskluft. Banken setzen sich deutlich an die Spitze und bauen ihren Vorsprung weiter aus. Sie sind die einzige Branche, bei der eine Mehrheit der Nutzer bereit ist, persönliche Daten online zu teilen. Dahinter folgen staatliche Dienstleistungen und das Gesundheitswesen – ebenfalls Bereiche, in denen sensible Daten eine zentrale Rolle spielen. Ganz anders sieht es in verbrauchernahen Branchen aus: Einzelhandel, soziale Medien oder Entertainment kämpfen weiterhin mit massivem Vertrauensdefizit. Noch schlechter schneiden Nachrichten, Logistik und die Automobilbranche ab.

Die Entwicklung zeigt: Je kritischer die Daten, desto höher das Vertrauen – sofern Sicherheit spürbar ist.

Unsichtbare Risiken im Hintergrund

Auch im B2B-Bereich offenbart die Studie Schwachstellen. Zugriffsprozesse für Partner sind häufig langsam und uneinheitlich. Die Folge: Verzögerungen, ineffiziente Abläufe – und riskante Workarounds. Zwei Drittel der Partner geben zu, Zugangsdaten zu teilen oder auszuleihen, um schneller arbeiten zu können. Ein klarer Hinweis darauf, dass schlechte Prozesse Sicherheitslücken erzeugen.

Wissen ist da – Umsetzung hinkt hinterher

IT-Entscheider erkennen die Herausforderungen durchaus. Moderne Authentifizierung gilt als wichtig – doch in der Praxis wird sie oft nur teilweise umgesetzt. Hier entsteht eine kritische Lücke: Zwischen dem, was Unternehmen für ausreichend halten, und dem, was Nutzer tatsächlich erwarten.

Zugang wird zur strategischen Schlüsselrolle

Der Report macht deutlich: Identitäts- und Zugriffsmanagement ist längst kein reines IT-Thema mehr. Es ist ein wirtschaftlicher Faktor. Reibungslose, transparente und sichere Zugänge stärken Vertrauen. Komplexität und Intransparenz hingegen führen zu Abwanderung, Sicherheitsrisiken und Umsatzeinbußen. Unternehmen, die hier investieren – und gleichzeitig offen mit dem Einsatz von KI umgehen – verschaffen sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Fazit

Der Digital Trust Index 2026 zeigt eine zentrale Entwicklung: Technologischer Fortschritt allein schafft kein Vertrauen. Im Gegenteil – je leistungsfähiger Systeme werden, desto wichtiger werden Transparenz, Kontrolle und ein reibungsloses Nutzererlebnis. Oder anders gesagt: Vertrauen entsteht nicht durch Innovation – sondern durch das Gefühl, sie jederzeit im Griff zu haben.