Cloud Security

Cloud Security Report 2026: Nur 40 Prozent der Unternehmen halten ihre Cloud-Sicherheit für ausgereift

, SANS Institute | Autor: Herbert Wieler

Fehlkonfigurationen und mangelnde Automatisierung bleiben zentrale Risiken

Die Cloud ist längst zum Rückgrat der Unternehmens-IT geworden, doch die Sicherheitsstrategien halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Fehlkonfigurationen, unzureichende Zugriffskontrollen und fragmentierte Sicherheitslösungen schaffen gefährliche Angriffsflächen, während die Behebung kritischer Schwachstellen häufig zu lange dauert. Der SANS Cloud Security Report 2026 zeigt, dass Unternehmen zwar zunehmend in Cloud-Sicherheit investieren, aber weiterhin erhebliche Defizite bei der operativen Umsetzung bestehen.

Cloud Computing ist in den meisten Unternehmen längst Realität. Laut dem aktuellen SANS Cloud Security Report 2026 betreiben bereits 93 Prozent der befragten Organisationen produktive Workloads in der Cloud. 65 Prozent nutzen sogar mehrere Cloud-Anbieter. Doch während sich Multi-Cloud-Architekturen zunehmend durchsetzen, bleibt die Absicherung dieser komplexen Infrastrukturen eine Herausforderung.

Die von Serge Borso, Principal Instructor beim SANS Institute, verfasste Untersuchung verdeutlicht eine wachsende Diskrepanz zwischen Cloud-Nutzung und Sicherheitsreife.

Serge Borso, Principal Instructor beim SANS Institute

Lediglich 40 Prozent der Befragten bewerten ihre Cloud-Sicherheitsstrategie als fortgeschritten oder optimiert. Gleichzeitig betreiben 51 Prozent Cloud-Umgebungen im Enterprise- oder Hyperscale-Maßstab.

Zwar verfügen 73 Prozent bereits über ein dediziertes Cloud-Sicherheitsteam oder entsprechende Verantwortlichkeiten. Allerdings geben 45 Prozent an, dass ihre Sicherheitsstrategie zwar definiert, bislang jedoch nur teilweise umgesetzt ist.

Damit wird deutlich: Die zentrale Herausforderung liegt nicht mehr darin, Cloud-Sicherheit strategisch zu verankern, sondern Sicherheitsmaßnahmen konsequent im operativen Betrieb durchzusetzen.

Fehlkonfigurationen bleiben das größte Cloud-Risiko

Besonders deutlich zeigt sich diese Problematik bei den Ursachen kritischer Sicherheitsvorfälle. Mit 45 Prozent stehen Fehlkonfigurationen an erster Stelle. Der Diebstahl von Zugangsdaten folgt mit 22 Prozent und wird damit deutlich seltener als Ursache genannt.

Die Zahlen unterstreichen, dass viele Cloud-Angriffe nicht auf hochkomplexe Exploits angewiesen sind. Häufig reichen falsch konfigurierte Dienste, unzureichend geschützte Schnittstellen oder übermäßig großzügige Zugriffsrechte aus, um Angreifern Zugang zu sensiblen Ressourcen zu ermöglichen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: die Geschwindigkeit der Sicherheitsprozesse. 49 Prozent der Unternehmen benötigen mehr als 24 Stunden, um eine bereits bekannte kritische Sicherheitslücke zu schließen.

Gerade in dynamischen Cloud-Umgebungen kann diese Verzögerung erhebliche Konsequenzen haben. Automatisierte Angriffe und kontinuierliche Scans öffentlich erreichbarer Infrastrukturen verkürzen die Zeitspanne, in der Sicherheitsverantwortliche reagieren müssen.

Serge Borso sieht die Ursache weniger in fehlenden Erkennungsfähigkeiten als vielmehr in fragmentierten Prozessen und unklaren Verantwortlichkeiten. Sicherheitsprobleme würden über zahlreiche Managementkonsolen hinweg identifiziert, ohne dass ihre Behebung konsequent gesteuert werde.

Für Unternehmen bedeutet das: Zusätzliche Security-Tools allein verbessern die Sicherheitslage nicht zwangsläufig. Entscheidend ist, wie schnell Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

Zero Trust: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Auch beim Zero-Trust-Ansatz offenbart die Untersuchung erhebliche Unterschiede zwischen strategischem Anspruch und technischer Realität.

69 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits Zero Trust Network Access (ZTNA) eingeführt. Gleichzeitig nutzen jedoch weiterhin 65 Prozent klassische VPN-Verbindungen. Die parallele Nutzung beider Technologien ist nicht grundsätzlich problematisch. Sie zeigt allerdings, dass sich viele Organisationen noch in einer Übergangsphase befinden. Besonders kritisch ist ein weiterer Befund: 45 Prozent der Unternehmen überprüfen die Vertrauenswürdigkeit ihrer Nutzer und Systeme hauptsächlich beim erstmaligen Zugriff.

Damit fehlt häufig eine der wesentlichen Voraussetzungen moderner Zero-Trust-Architekturen: die kontinuierliche Überprüfung von Identitäten, Gerätezuständen und Zugriffsberechtigungen.

Zero Trust bleibt somit in vielen Unternehmen eher ein Architekturziel als ein vollständig umgesetztes Sicherheitsmodell.

KI unterstützt Sicherheitsteams – autonome Prozesse bleiben die Ausnahme

Künstliche Intelligenz gewinnt auch in der Cloud-Sicherheit zunehmend an Bedeutung. Allerdings zeigt der Report, dass Unternehmen KI bislang überwiegend als unterstützende Technologie einsetzen.

56 Prozent der Befragten nutzen KI vor allem, um Sicherheitsinformationen zusammenzufassen, Warnmeldungen zu bewerten oder Risiken zu priorisieren. Weitere 15 Prozent haben KI bereits stärker in operative Abläufe integriert. Lediglich vier Prozent berichten von vollständig autonomen Sicherheitsprozessen. Ein Viertel der Unternehmen befindet sich dagegen noch in einer frühen Phase, in der KI hauptsächlich untersucht und bewertet wird.

Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen dem technologischen Potenzial autonomer KI-Agenten und ihrem tatsächlichen Einsatz in Security Operations weiterhin erhebliche Unterschiede bestehen.

Für Sicherheitsteams könnte insbesondere die Verbindung von KI-gestützter Analyse und automatisierter Behebung künftig an Bedeutung gewinnen. Voraussetzung sind jedoch verlässliche Daten, klar definierte Zuständigkeiten und kontrollierbare Entscheidungsprozesse.

Maschinenidentitäten entwickeln sich zum Sicherheitsproblem

Mit zunehmender Automatisierung wächst die Zahl der Maschinenidentitäten in Cloud-Umgebungen. Service Accounts, APIs, Workloads und automatisierte Prozesse benötigen eigene Berechtigungen, um miteinander kommunizieren zu können.

Die Verwaltung dieser Identitäten wird für viele Unternehmen zur Herausforderung. 33 Prozent der Befragten nennen mangelnde Transparenz über vorhandene Maschinenidentitäten als größtes Problem. Weitere 32 Prozent sehen übermäßige Zugriffsrechte als zentrale Schwachstelle. Auch die regelmäßige Rotation von Zugangsdaten (18 Prozent) und die Governance von Maschinenidentitäten (17 Prozent) bereiten Schwierigkeiten.

Diese Ergebnisse sind insbesondere vor dem Hintergrund wachsender KI-Automatisierung relevant. Je mehr autonome Systeme und Agenten auf Unternehmensressourcen zugreifen, desto wichtiger werden ein konsequentes Identitätsmanagement und die Durchsetzung des Least-Privilege-Prinzips. Fehlende Transparenz über Maschinenidentitäten kann dabei zu einer Angriffsfläche werden, die sich mit klassischen Sicherheitskonzepten nur unzureichend kontrollieren lässt.

Cloud-Security-Budgets steigen – Konsolidierung rückt in den Mittelpunkt Die wachsenden Herausforderungen spiegeln sich auch in den Investitionen wider. 70 Prozent der befragten Unternehmen geben inzwischen mehr Geld für Cloud-Sicherheit aus als noch vor einem Jahr. Davon berichten 28 Prozent über deutlich gestiegene Investitionen, während 42 Prozent ihre Budgets schrittweise erhöht haben. Lediglich sieben Prozent verzeichnen Kürzungen.

Allerdings fließen zusätzliche Mittel nicht ausschließlich in neue Technologien. Vielmehr rückt die Konsolidierung bestehender Sicherheitsarchitekturen in den Vordergrund.

Für die kommenden 18 Monate setzen Unternehmen folgende Investitionsschwerpunkte:

Auch die Entwicklung hin zu Cloud-Native Application Protection Platforms (CNAPP) bleibt uneinheitlich. Während 21 Prozent bereits eine konsolidierte CNAPP-Plattform einsetzen, arbeiten 31 Prozent weiterhin mit separaten Lösungen für Cloud Security Posture Management (CSPM), Cloud Workload Protection (CWPP) und CIEM.

Weitere 23 Prozent prüfen derzeit den Wechsel zu einer integrierten Plattform. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Unternehmen zunehmend versuchen, Sicherheitsinformationen zusammenzuführen, operative Komplexität zu reduzieren und Reaktionszeiten zu verkürzen.

Automatisierte Sicherheitskontrollen sind noch keine Selbstverständlichkeit

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien bereits während der Entwicklung und Bereitstellung von Cloud-Infrastrukturen. 39 Prozent der Unternehmen nutzen verpflichtende automatisierte Kontrollen, die fehlerhaften oder nicht konformen Infrastructure-as-Code vor der Bereitstellung blockieren.

Ebenso viele Organisationen beschränken sich dagegen auf beratende Sicherheitsscans. Diese identifizieren zwar mögliche Probleme, verhindern jedoch nicht, dass unsichere Konfigurationen produktiv gehen. Damit bleibt ein wesentlicher Vorteil moderner DevSecOps-Ansätze häufig ungenutzt: Sicherheitsrisiken automatisiert zu verhindern, bevor sie überhaupt Teil der produktiven Infrastruktur werden. Gerade angesichts der hohen Zahl konfigurationsbedingter Sicherheitsvorfälle verdeutlicht dieser Befund den Handlungsbedarf.

Fazit: Die nächste Phase der Cloud-Sicherheit entscheidet sich bei der Umsetzung

Der SANS Cloud Security Report 2026 macht deutlich, dass die Cloud-Sicherheit vor einem grundlegenden Wandel steht. Die Technologien zur Erkennung von Risiken sind vielfach vorhanden, doch ihre konsequente Anwendung und die schnelle Behebung identifizierter Schwachstellen bleiben problematisch.

Die nächste Entwicklungsstufe wird deshalb weniger durch zusätzliche Dashboards oder isolierte Security-Produkte geprägt sein. Entscheidend werden integrierte Sicherheitsplattformen, automatisierte Kontrollen, ein durchgängiges Identitätsmanagement und die Fähigkeit sein, erkannte Risiken unmittelbar zu reduzieren.

Für CISOs verschiebt sich damit die entscheidende Frage: Nicht mehr, wie viele Sicherheitsprobleme erkannt werden, sondern wie zuverlässig und schnell sie tatsächlich behoben werden.

Der SANS Cloud Security Report 2026 basiert auf den Antworten von mehr als 400 IT- und Sicherheitsexperten aus Unternehmen mit Niederlassungen in Nordamerika, Europa, Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika. 55 Prozent der Befragten arbeiten in leitenden oder operativen IT- und Sicherheitsfunktionen.