Cybersecurity-Training
Bundeswehr baut Cyberkompetenz aus: SANS und BAAINBw schließen Vierjahresvereinbarung
Bundeswehr und Bundesbehörden erweitern Cybersecurity-Training mit SANS und GIAC
Cyberabwehr wird zunehmend zu einer Frage verfügbarer Fähigkeiten – und damit auch zu einer Frage qualifizierter Fachkräfte. Deutschland reagiert darauf mit einem deutlich breiter angelegten Ausbildungsprogramm für Cybersecurity-Spezialisten im staatlichen Umfeld. Eine neue Rahmenvereinbarung zwischen dem SANS Institute und dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) soll in den kommenden vier Jahren mehrere tausend Fachkräfte der Bundeswehr und weiterer Bundesbehörden ausbilden und zertifizieren.
Die Vereinbarung umfasst Cybersecurity-Trainings sowie Zertifizierungen des Global Information Assurance Certification (GIAC)-Programms. Ziel ist es, technische Kompetenzen in Bundeswehr und Sicherheitsbehörden systematisch auszubauen und damit die Widerstandsfähigkeit staatlicher IT- und Sicherheitsinfrastrukturen gegenüber zunehmend komplexen Cyberbedrohungen zu stärken.
Dabei geht die Kooperation deutlich über die Bundeswehr hinaus. Nach Angaben des SANS Institute können auch weitere Bundesbehörden wie das Zentralamt für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS), das Auswärtige Amt, das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Rahmenvereinbarung nutzen.
Cybersecurity-Ausbildung wird zur strategischen Ressource
Die Vereinbarung fällt in eine Phase, in der staatliche Organisationen gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert sind. Cyberangriffe werden technisch anspruchsvoller und schneller, während qualifizierte Fachkräfte weiterhin knapp bleiben. Gleichzeitig erweitert der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz sowohl die Möglichkeiten von Angreifern als auch die der Verteidiger.
Damit wächst der Druck, vorhandenes Personal kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gerade für Behörden und militärische Organisationen reicht es nicht mehr aus, einzelne Spezialisten punktuell auszubilden. Gefragt sind skalierbare Programme, die technische Fähigkeiten über längere Zeiträume hinweg aufbauen, vergleichbar machen und regelmäßig aktualisieren.
Die auf vier Jahre ausgelegte Rahmenvereinbarung soll hierfür einen standardisierten Ansatz schaffen.
„In meinen über 20 Jahren habe ich noch nie so viele Umbrüche erlebt: Chancen für positive und negative Veränderungen in der Cybersicherheit. KI beschleunigt beide Seiten – Angriff und Verteidigung – und die Anforderungen an die Fachkräfte steigen entsprechend“, erklärt James Lyne, CEO des SANS Institute .
SANS wolle Bundeswehr und Sicherheitsbehörden dabei unterstützen, mehrere tausend Cyber-Verteidiger mit praxisorientierten Fähigkeiten auszubilden und diese durch GIAC-Zertifizierungen nachzuweisen.
Von Offensive Security bis zum Schutz kritischer Systeme
Das Trainingsportfolio deckt ein breites Spektrum moderner Cybersecurity-Disziplinen ab. Dazu gehören unter anderem Offensive Security und Penetrationstests, Incident Response und digitale Forensik, Threat Hunting und Detection, Cloud Security sowie die Absicherung von Industrial Control Systems (ICS) und Operational Technology (OT).
Hinzu kommen Angebote für Security Leadership und Management sowie Trainings rund um neue Technologien für die Cyberabwehr.
Damit adressiert das Programm sowohl klassische technische Verteidigungsfähigkeiten als auch Bereiche, die mit der zunehmenden Digitalisierung kritischer Infrastrukturen an Bedeutung gewinnen. Besonders der Schutz von OT- und ICS-Umgebungen spielt dabei eine zentrale Rolle, da Cyberangriffe zunehmend nicht nur auf Daten, sondern auch auf physische Prozesse und Betriebsabläufe zielen können.
Die Schulungen sollen sowohl als Präsenzveranstaltungen als auch im Live-Online-Format angeboten werden. Ergänzend können Teilnehmer GIAC-Zertifizierungen erwerben, mit denen technische Kenntnisse nach international anerkannten Standards überprüft und dokumentiert werden.
Aufbau langfristiger Cyber-Resilienz
Für Deutschland ist die Vereinbarung vor allem deshalb relevant, weil sie Cybersecurity-Ausbildung stärker als langfristige strategische Aufgabe positioniert. Technologische Schutzmaßnahmen allein reichen angesichts einer dynamischen Bedrohungslandschaft nicht aus. Entscheidend bleibt, ob Organisationen über genügend Fachkräfte verfügen, die Angriffe erkennen, analysieren und wirksam darauf reagieren können.
„SANS arbeitet seit Jahrzehnten mit Regierungen auf der ganzen Welt zusammen, um den Aufbau qualifizierter Cybersicherheitsfachkräfte zu unterstützen, die zur Abwehr sich ständig weiterentwickelnder Bedrohungen benötigt werden“, sagt Ronald Mol, Country Lead DACH beim SANS Institute.
Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr besteht bereits seit 2022. Die neue Rahmenvereinbarung erweitert diesen Ansatz nun deutlich und schafft die Grundlage für eine breitere Qualifizierung innerhalb der deutschen Sicherheitsarchitektur.
Angesichts steigender Cyberbedrohungen dürfte der Aufbau solcher Kompetenzen zunehmend zu einem zentralen Bestandteil nationaler Sicherheitsstrategien werden. Denn Cyber-Resilienz entscheidet sich langfristig nicht allein an Technologien und Budgets – sondern ebenso daran, ob genügend qualifizierte Menschen vorhanden sind, um diese Technologien wirksam einzusetzen.