Fachkräftemangel

Bei der Krise um Cybertalente fehlt es nicht an der Anzahl sondern an den Kompetenzen

, SANS | Autor: Herbert Wieler

Die aktuelle globale Studie von SANS und GIAC zum Cybersecurity Workforce Research Report 2025 stellt gängige Annahmen zur Talente-Krise in der IT-Sicherheit infrage. Während bisher unbesetzte Stellen im Fokus standen, zeigen die neuen Zahlen ein differenzierteres Bild: 52 Prozent der befragten Sicherheitsverantwortlichen sehen das Hauptproblem nicht in der Quantität des Personals, sondern im Mangel an den richtigen Fähigkeiten.

Die Studie basiert auf den Rückmeldungen von fast 3.400 Cybersecurity- und HR-Fachkräften weltweit und verdeutlicht eine signifikante Verschiebung der Prioritäten. Unternehmen setzen vermehrt auf Kompetenzentwicklung durch gezielte Weiterbildung, strategische Zusammenarbeit mit HR-Abteilungen und Investitionen in interne Programme, anstatt einfach nur neue Stellen zu schaffen.

Fähigkeiten schlagen Titel – der neue Maßstab für Cybertalente

Ein besonders markanter Trend: Technisches Know-how hat klassische Einstellungskriterien wie Berufserfahrung und akademische Abschlüsse überholt. Praktisch einsetzbare Fähigkeiten und nachgewiesene Kompetenz durch Zertifizierungen gewinnen deutlich an Bedeutung – Lebensläufe mit bloßen Titeln reichen nicht mehr aus.

Auch Arbeitsplatzkultur und Flexibilität sind zu entscheidenden Faktoren im Wettbewerb um Talente geworden. Für 34 Prozent der Unternehmen ist die Teamfähigkeit der wichtigste kulturelle Wert bei Neueinstellungen. Homeoffice-Optionen, Entwicklungsperspektiven und klare Karrierepfade gelten mittlerweile als entscheidende Attraktivitätsmerkmale im Kampf um qualifiziertes Personal.

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass gesetzliche Rahmenbedingungen wie NIS2, DORA oder das CMMC bereits spürbare Auswirkungen auf die Personalstrategie vieler Unternehmen haben. Nahezu die Hälfte der europäischen Firmen gibt an, dass Datenschutz- und Compliance-Vorgaben inzwischen direkt in die Recruiting- und Entwicklungsprozesse einfließen.